03.11.2021 - 08:48 Uhr
Erlheim bei UrsensollenOberpfalz

Johannes Ehbauer stellt in Ursensollen Familienschatz vor

Johannes Ehbauer aus Ursensollen hat die beeindruckenden Aufzeichnungen seines Ur-Ur-Großvaters Johann Gammerl aus Laaber (1872 bis 1946) aufbereitet. Er präsentierte die Erinnerungen des ehemaligen Hirten den Ursensollener Heimatkundlern.

Johannes Ehbauer hat mit der Aufarbeitung der Aufzeichnungen seines Ururgroßvaters Johann Gammerl ein beeindruckendes Zeitdokument gesichert. Heimatpfleger Josef Schmaußer ermuntert seinen Heimatfreund zu einer Buchveröffentlichung.
von Josef SchmaußerProfil

Ein großer Erfolg war nach der Corona-Pause das erste Treffen des Heimatkundlichen Stammtisches der Gemeinde Ursensollen in Erlheim. Der neue Kreisheimatpfleger für Bau- und Bodendenkmäler, Rolf Rupp, stellte sich vor. Stammgast Johannes Ehbauer aus Ursensollen gab einen Einblick in die Schriften seines Ur-Ur-Großvaters Johann Gammerl, dem mit Fleiß und Beharrlichkeit der Aufstieg vom Hirten zum Straßenoberaufseher gelang und der sich damit doch einen Platz in der Gesellschaft sichern konnte.

Dieses mit einfachen, aber sehr eindringlichen Worten geschilderte Lebens seines Ururgroßvaters, von Johannes Ehbauer mit einem Powerpoint-Vortrag aufbereitet, bewegte die 31 Zuhörer. Die oft verklärte „gute alte Zeit“ erscheint in den teils über 150 Jahren alten Aufzeichnungen des Zeitzeugen, der noch in der Prinzregenten-, Königs- und Kaiserzeit aufwuchs, in einem ganz anderen Licht.

Ein sehr hartes Leben

Zu Beginn der Schrift skizziert Johann Gammerl „das bewegte Leben meiner Eltern, meinen Enkelkindern zum Gedächtnis“. Der Verfasser schreibt, dass seine Familie nicht auf einen alten und langen Stammbaum zurückgreifen könne, aber „unser Wahlspruch heißt Treue und Redlichkeit“. Schon sein 1824 geborener Vater Georg Gammerl musste ein sehr hartes Leben ertragen. Im Alter von zwei Jahren verstarb seine Mutter, und „sein Vater kümmerte sich nicht um ihn“. Mit acht Jahren begann er seinen Dienst als Hirtenjunge und wurde von einer Großmutter im Haus liebevoll umsorgt. Johann zeigt trotz der Härte des Vaters ein gewisses Verständnis für die Grobheiten. „Er hat in seiner Kindheit keine Liebe erfahren, deshalb konnte er auch keine austeilen.“

1873 erwarb der Vater ein „kleines Äckerl“ und baute darauf ein Häuschen. Alles wurde natürlich per Hand erarbeitet. Die Mutter des Autors hatte während der schweren Arbeit noch den kleinen Johann als Bündel auf den Rücken geschnürt. An die Schulzeit hat Johann sehr schlechte Erinnerungen. Der Lehrer war sehr oft betrunken, und die älteren Schüler, darunter auch der Verfasser, mussten dessen Aufgaben übernehmen und sogar die Arbeiten der Jüngeren korrigieren. Die Mutter war sehr christlich. „Damals waren täglich 59 Vaterunser und Ave Maria vorgeschrieben." Nach der Schule arbeitete der Bub beim Broterwerb des Vaters mit: Steine schlagen, also Schotter für den Straßenbau herstellen. Pro Kubikmeter gab es 1,50 Reichsmark. Der Preis wurde laufend gedrückt. „Bei großer Kälte mussten wir unser Brot erst unter der Weste auftauen lassen. Aber lieber arbeitete ich bei großer Kälte als bei Regen. Die Steine zersprangen dann besser und man schaffte mehr.“ Der Tod der gutherzigen Mutter 1890 war ein weiterer tiefer Einschnitt im Leben.

Acht der zwölf Kinder versterben im Kindesalter

Die Bekanntschaft mit seiner zukünftigen Frau Magdalena und die spätere Hochzeit1892 nehmen ein weiteres Kapitel in den Aufzeichnungen ein. Familiäre Problem – der Bruder Anton verließ im Streit das Haus, und Spannungen zwischen dem Vater und der Schwiegermutter, die mit in das kleine Anwesen zog – nehmen einige Seiten ein: „Beide waren schwierige Charaktere!“ „12 Kinder, davon acht Knaben, hat uns Gott geschenkt!“ Aber acht Kinder verstarben schon im Kindesalter.

Schon 15 Jahre arbeitete Johann als Straßenwärter, aber die ersehnte feste Anstellung blieb aus. Er musste zwei Jahre auswärts, bis in Kirchenthumbach, seinen schweren Dienst ableisten. Die kleine Landwirtschaft mussten die Frauen erledigen. Die schwere Arbeit forderte ihren körperlichen Tribut. Trotzdem spricht Johann Gammerl am Schluss seiner beeindruckenden und sehr nachdenklichen Aufzeichnungen von „einem erfüllten Leben“.

Johann und Magdalena Gammerl um das Jahr 1945: Das Zeitdokument, das Johann „für seine Enkelkinder und Nachkommen“, festgehalten hat, schildert ein hartes und entbehrungsreiches Leben.
Johannes Ehbauer hat mit der Aufarbeitung der Aufzeichnungen seines Ururgroßvaters Johann Gammerl ein beeindruckendes Zeitdokument gesichert. Heimatpfleger Josef Schmaußer ermunterte seinen Heimatfreund zu einer Buchveröffentlichung.
Johannes Ehbauer hat mit der Aufarbeitung der Aufzeichnungen seines Ururgroßvaters Johann Gammerl ein beeindruckendes Zeitdokument gesichert. Heimatpfleger Josef Schmaußer ermunterte seinen Heimatfreund zu einer Buchveröffentlichung.

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