16.06.2020 - 17:44 Uhr
Etsdorf bei FreudenbergOberpfalz

Asphaltkapellen-Konzerte: Der Musik und dem Himmel ganz nah

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Die Alphörner waren zu laut für den kleinen Raum. Dafür gab es auch schon einmal einen exklusiven Auftritt von einem Musiker für einen Zuhörer. Die Konzertreihe 1:12 in der Asphaltkapelle Etsdorf ist immer für Überraschungen gut.

Drinnen können nur zwölf Gäste zuhören, vor der Asphaltkapelle, auf der Waldlichtung oberhalb von Etsdorf, ist mehr Platz. So oder so - es ist ein ganz besonderer Veranstaltungsort.
von Heike Unger Kontakt Profil

Sogar der Saisonstart im sicher kleinsten Konzertsaal der Region ist diesmal überraschend. Während viele andere Veranstaltungen wegen der Corona-Pandemie abgesagt werden mussten, kann die Konzertreihe 1:12 wie geplant beginnen - am Sonntag, 21. Juni, und damit genau an dem Tag, der dafür schon vor der Krise vorgesehen war.

Abstand draußen ist kein Problem

Zufälligerweise passen die aktuellen Corona-Lockerungen genau zu diesem Termin, meint Veranstalter Wilhelm Koch. Der Etsdorfer Künstler, der auch Chef des Amberger Luftmuseums ist, freut sich darüber. Und auch darüber, dass die besonderen Corona-Auflagen in diesem Fall sogar ein Vorteil sind: Um die Abstandsregeln einhalten zu können, findet das Konzert am Sonntag nicht in, sondern vor der Asphaltkapelle statt. "Da können auch ein paar Leute mehr kommen" als die sonst üblichen zwölf.

Dass im Freien musiziert wird, ist auch vor Corona schon der Fall gewesen. Beim Alphorn-Konzert. "Das war innen zu laut", erklärt Koch. Und die Asphaltkapellen-Andachten seien auch draußen gefeiert worden, weil dort mehr Platz ist. Das Asphaltkapellenfest findet auch jedes Jahr rund um das kleine Kirchlein statt: Hier ist die Idee zur Konzertreihe entstanden.

Zwölf Musiker, zwei Zuhörer

Zum Kapellenfest gehört schon immer auch Musik - von Akteuren, die sich nur für diesen Anlass zusammentun. Dabei seien diese Musiker eigentlich meistens irgendwann im Lauf des Fests auch mal in die Kapelle gegangen, um dort zu spielen. "Da hatten wir schon mal zwölf Blasmusiker drin", erinnert sich Koch und fügt lachend hinzu: "Und zwei Zuhörer. Einer davon war ich."

Wilhelm Koch schwärmt von dem "tollen Klangerlebnis" bei diesen spontanen Konzerten. "Und es hat immer funktioniert. Das war nicht zu laut oder so." Zuweilen hätten sogar Festbesucher "spontan angefangen, Marienlieder in der Asphaltkapelle zu singen". Bei all diesen ungeplanten Auftritten habe sich gezeigt: "Die Musik passt einfach zu diesem Raum: So ist die Idee entstanden, dass man da auch extra Konzerte machen könnte." Und Georg Fruth "hatte die Idee, zu jedem Konzert einen kleinen Film zu machen": Seitdem ist er fast immer mit der Kamera dabei.

Auch immer ein Zufall

Entstanden ist eine Mini-Konzertreihe, mit maximal drei bis vier Terminen im Jahr. Heuer sind es zwei, der Auftakt am 21. Juni und ein weiteres Konzert im Herbst. Ob bis dahin noch weitere dazukommen, "werden wir sehen", meint Koch. "Es ist auch immer Zufall, wie ich Musiker kennenlerne, die Lust dazu haben." Wenn er Musiker frage, ob sie in der Asphaltkapelle spielen wollen, seien die meisten gleich dabei - und spätestens dann, "wenn sie den Raum kennenlernen, auch begeistert".

Konzerte dort seien "intensiv", weil der Raum klein ist, meint Koch: "Die Zuhörer sitzen einem da ja fast auf dem Schoß. Da hat man sein Publikum also direkt vor der Nase, das hat man normalerweise ja nicht." Und dann sei da noch dieser dunkle Raum, wo man sich ganz besonders auf alles konzentriere. Das sei nicht nur für die Zuhörer, sondern auch für die Musiker ungewöhnlich und besonders.

Spontane Konzerte

Zuweilen kann man die Musik hier sogar fühlen. Wenn ein Instrument einen Ton erzeugt, der die Asphaltwände vibrieren lässt. "Und vielleicht auch die Leute ein bisschen zu einem Resonanzkörper werden", wie es Koch formuliert. Nicht nur das Ambiente ist außergewöhnlich. Auch viele Instrumente, die hier gespielt wurden, waren es. Didgeridoo, Klangstein, Wassergläser oder eine chinesische Miniorgel waren bei "1:12" schon zu hören.

Koch muss ein bisschen überlegen, welches Instrument er sich für die Asphaltkapelle noch wünschen würde. Der Komponist Hans Schanderl, der auch schon hier aufgetreten ist, habe ein Cello-Konzert geschrieben: "Das wäre schön. Weil Cello ein bisschen dunkler klingt als die Geige. Oder mal ein Orgelkonzert, dann natürlich mit einer akustischen Orgel. Da gibt es ja die kleinen, transportablen, die klingen nicht schlecht. Und in einem so kleinen Raum sind sie dann schon sehr präsent."

Und die Vögel zwitschern

Koch will die Zahl der Konzerte aber grundsätzlich nicht zu sehr vergrößern. Als kleine, feine Reihe sei "1:12" schon ganz gut. Und der Sonntag sei der perfekte Tag dafür, meint er: "Sonntagvormittag, die Vögel zwitschern, man ist im Wald, hat eh nichts zu tun oder freut sich aufs Mittagessen. Und wenn dann noch die Sonne scheint!" Koch lacht. "Das ist doch fast wie im Himmel."

Beim Asphaltkapellekonzert Nummer 7 ging Norbert Vollath mit seiner Bass-Klarinette auf Tuchfühlung mit dem Publikum – und bescherte ihm ein ganz neues Hörerlebnis.

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