11.10.2019 - 18:10 Uhr
GrafenwöhrOberpfalz

Mit dem Schützenpanzer Puma in Grafenwöhr

In Grafenwöhr geht der Übungsbetrieb scheinbar seinen gewohnten Gang. Dennoch gibt es zahlreiche Veränderungen - und im nächsten Jahr etwas ganz Besonderes.

von Alexander Pausch Kontakt Profil

Auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr gibt es zwei Bedingungen, sagen Soldaten: Staub oder Schlamm. An diesem Tag ist Schlamm angesagt. Es regnet in Strömen, als die Schützenpanzer vom Typ "Puma" die Schießbahn 301 hinunter rollen. Sturzbäche schießen über die betonierten Wendeflächen. Es bilden sich riesige Pfützen. Schon nach wenigen Metern verschwindet alles hinter einem Wasserschleier.

Drei Wochen sind die rund 300 Panzergrenadiere aus dem niederbayerischen Regen auf dem Übungsplatz, sagt Oberstleutnant Germar Lacher, Kommandeur des Panzergrenadierbataillons 112. Der gebürtige Neustädter nimmt mit seinen Männern und Frauen an der Übung "Grantiger Löwe 2019" der Panzerbrigade 12 "Oberpfalz" aus Cham teil. Diese läuft seit Ende September und endet am 18. Oktober.

Luhe-Wildenau

Im Blick der US-Armee

Im Jahr 2017 erhielten die Panzergrenadiere in der Bayerwald-Kaserne die ersten Puma-Panzer. Inzwischen hat das Bataillon 40 Stück. Das Schwesterbataillon in Oberviechtach (Kreis Schwandorf), das Panzergrenadierbataillon 122, musste länger warten. Als erster Verband der Bundeswehr stellten die Oberviechtacher im Jahr die Nato-Kampfgruppe in Litauen, die "eFP Battle Group". Damals noch mit dem alten Schützenpanzer Marder. Erst danach, im April 2018, brach auch in der Oberpfalz-Kaserne in Oberviechtach die neue Zeit an. Seither gibt es bei den "Zwölfern" nur mehr den Puma.

Zeitweise hatten auch die amerikanischen Streitkräfte ein Auge auf den Puma geworfen, als Ersatz für deren Schützenpanzer "Bradley". Damals steckte der Puma noch in der Entwicklung. Heute ist der vollständig digitalisierte Schützenpanzer in der Bundeswehr angekommen, wenn es auch noch Kinderkrankheiten gibt. Die Soldaten aus Regen sind dennoch hoch zufrieden. Er habe im Laufe seiner Karriere in drei Panzergrenadierbataillonen gedient, sagt der 39-jährige Kommandeur. Aber er habe noch nie eines erlebt, das so gut ausgestattet ist wie das Panzergrenadierbataillon 112, bis hin zur persönlichen Ausrüstung, betont der Offizier.

Die Einführung des neuen Schützenpanzers Puma ist Teil der deutschen Bestrebungen, die Bundeswehr wieder vollständig auszurüsten. Die USA begrüßen "die deutschen Schritte mehr in Verteidigung zu investieren", sagt Stephen Ibelli, US-Konsul für Öffentliche Angelegenheiten in München. Der Diplomat erinnert aber auch an die Forderung der US-Regierung, dass Deutschland als wohlhabendes Land noch mehr leisten könne. Die Truppenübungsplätze Grafenwöhr (Kreis Neustadt/WN) und Hohenfels (Kreis Neumarkt) lobt Ibelli als "Weltklasse", als Orte, wo jährlich tausende Nato-Soldaten gemeinsam üben. Aus Sicht des US-Heeres sind ihre Übungsplätze, betont auch Oberst Timothy Davis, der Operation-Officer des 7. US-Armee Ausbildungskommando (7th ATC). Zur Begründung verweist er auf die Lage im Zentrum Europas, auf die gute Nachbarschaft mit den Oberpfälzern und die Partnerschaft mit der Bundeswehr. Vor allem aber unterstreicht der US-Offizier die Möglichkeiten mit Nato-Verbündeten und anderen US-Partnern zu üben. Das sei in den USA nicht möglich.

Das US-Heer zeigt an diesem Tag Medienvertretern den Truppenübungsplatz Grafenwöhr sowie die hier stationierten Verbände - zwei der vier Brigaden, die seit mehr als einem Jahr dem Kommando unterstellt sind: das in Vilseck (Kreis Amberg-Sulzbach) stationierte 2. US-Kavallerieregiment, das demnächst wieder eine Schwadron als "eFP-Battle Group" nach Polen schickt, und die 41. US-Feldartilleriebrigade, die seit Dezember 2018 in Grafenwöhr reaktiviert wird. Die Soldaten führen die Besucher auch in das Medical Simulation Training Center, als Beispiel für die Ausbildungeinrichtungen. Dort üben Soldaten in einem simulierten Gefecht an Puppen, die bluten und denen auch Gliedmaßen fehlen, die Versorgung Verwundeter.

Grafenwöhr

Manöver mit 37 000 Mann

Einsatzbereitschaft steht an erster Stelle. Die in Deutschland und Italien stationierten Brigaden haben es geschafft in den vergangenen elf Monaten durchgehend den höchsten Grad der Einsatzbereitschaft zu halten, sagt Brigadegeneral Christopher R. Norrie. Ein Erfolg. "Wir alle hoffen, wenn wir für den Krieg üben, können wir Krieg verhindern", verweist der Kommandeur des 7. US-Armee Ausbildungskommandos auf das Prinzip der Abschreckung.

Dazu gehört das große amerikanischen Manöver "Defender-Europe 2020" von April bis Mai 2020. Dazu werden nächstes Jahr rund 20 000 US-Soldaten über den Atlantik nach Europa gebracht - ähnlich der Reforger-Übungen im Kalten Krieg, nur deutlich kleiner. Gleichwohl wird Defender-Europe 2020 mit mehr als 37 000 Soldaten aus 18 Ländern die größte Übung seit Ende der Ost-West-Konfrontation sein. Das Manöver wird auch das US-Ausbildungskommando in Grafenwöhr beschäftigen - neben den üblichen Übungen.

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