30.05.2021 - 17:21 Uhr
GrafenwöhrOberpfalz

US-General in Grafenwöhr: Bayerische Corona-Politik hat amerikanische Leben gerettet

Seine Zeit als Kommandeur in Grafenwöhr war geprägt durch die Corona-Pandemie. Trotzdem will Brigadegeneral Norrie diese nicht missen. Der Grund: die Menschen in der Oberpfalz. Wegen ihnen will er auch auf Besuch wiederkommen.

Brigadegeneral Christopher R. Norrie gibt am 2. Juni 2021 nach zwei Jahren in Grafenwöhr (Kreis Neustadt/WN) das Kommando über das 7.. US-Armee Trainingkommando ab. Er wechselt ans Pentagon.
von Alexander Pausch Kontakt Profil

Brigadegeneral Christopher R. Norrie ist nicht der erste Kommandeur des US-Armee in Grafenwöhr (Kreis Neustadt/WN), der die Oberpfalz ungern wieder verlässt. Doch ihm fällt es sichtlich besonders schwer. Obwohl oder gerade weil es seine Zeit als Kommandeur wegen der Corona-Pandemie in sich hatte. Nun, da hierzulande das Gröbste überstanden und wegen der Impfungen Licht am Ende des Tunnels zu sehen ist, steht für ihn der Wechsel ins amerikanische Verteidigungsministerium in der US-Hauptstadt Washington an.

"Ich bin wirklich sehr traurig, dass ich Bayern verlassen muss, aber auch begeistert über diese Möglichkeit", sagt Brigadegeneral Norrie. Im Gespräch in seinem Büro im Hauptquartier des 7. US-Armee Trainingskommandos blickt er zurück auf seine zwei Jahre in der Oberpfalz, vor allem aber auf die rund 16 Monate der Pandemie-Bekämpfung. Obwohl die Zeit fordernd war, es lange Tage für ihn waren und ihm die Pandemie manche schlaflose Nacht beschert habe, unterstreicht der General: "Ich möchte meine Erfahrungen hier für nichts in der Welt eintauschen."

"Wir existieren hier auf keiner Insel"

Zur Begründung verweist Brigadegeneral Norrie auf die bayerisch-amerikanische Partnerschaft und Freundschaft. "In einer Zeit von großer Bedrängnis haben wir als Team zusammengearbeitet, um unsere Gemeinden zu schützen." Als Teil des Teams versteht er nicht nur die US-Soldaten, deren Familien und die amerikanische Militärgemeinde sondern auch die deutschen Mitarbeiter, die deutschen Gemeinden sowie die Bürgermeister, Landräte und die Staatsregierung in München. Er nennt Ministerpräsident Markus Söder und Staatskanzleichef Florian Herrmann (beide CSU). "Die Arbeit Bayerns und Deutschland hat amerikanische Leben gerettet", betont der General, wofür er sehr dankbar sei. "Wir teilen das Ziel, unserer Leute zu schützen." Norrie ist überzeugt, dass die gemeinsamen Anstrengungen in der Pandemie die Beziehung gestärkt haben.

"Wir existieren hier auf keiner Insel", sagt Brigadegeneral Norrie. Sie hätten nahtlos die bayerische und deutschen Corona-Regeln umgesetzt. Sie hätten die selben Maßnahmen, die am besten schützen, ebenso umgesetzt wie etwa die Test-Konzepte. Zudem gab und gibt es viel und vor allem regelmäßigen Austausch mit Gesundheitsämtern, Krankenhäusern, Bürgermeistern und Landräten sowie der Staatsregierung in München. "Der Austausch hat unseren Ansatz geprägt." Besonders freut den scheidenden Kommandeur, dass sie schon vor Wochen begonnen haben, auch die deutschen Mitarbeiter zu impfen. Das ist für ihn ein wunderbares Zeichen für die gegenseitige Verpflichtung im Team. Zahlen zu Corona-Infektionen oder zu Impfungen dürfen auf Befehl des Pentagon nicht mitgeteilt werden. Klar ist aber auch, dass die Impfungen in der US-Gemeinde deutlich weiter fortgeschritten ist, als in der Oberpfalz. Sie bewegt sich nach Informationen von Oberpfalz-Medien um gut 70 Prozent.

Truppenübungsplatz Grafenwöhr als Schrittmacher in der Nato

"Ich denke persönlich, dass die Welt weniger sicher ist, als vor 16 Monaten als die Pandemie begann", sagt Brigadegeneral Norrie. Daher sei es wichtig, zusammen zu üben und die Einsatzbereitschaft zu stärken. Beides sei trotz der Pandemie gelungen und unterstreiche die Bedeutung der Trainingseinrichtungen auf den Truppenübungsplätzen Grafenwöhr und Hohenfels (Kreis Neumarkt). Grafenwöhr sei der Schrittmacher für die Einsatzbereitschaft innerhalb der Nato. Ein Beispiel: Nachdem das US-Heer im vergangenen Sommer die wegen Corona unterbrochene Großübung "Defender Europe 2020" fortgesetzt habe, hätten die europäischen Armee die Konzepte zum Schutz vor Corona übernommen. Für den US-General ist es ein Erfolg, dass die Einsatzbereitschaft trotz Corona gestärkt werden konnte. Dies diene der Abschreckung und des Schutzes von Europa. "Wie gesagt wird: der beste Weg, Krieg zu verhindern, ist sich auf den Krieg vorzubereiten." Und er wirbt um Verständnis bei den Anwohnern wegen des Lärms. Soldaten müssten üben. In Grafenwöhr tun dies nicht nur amerikanische, sondern auch deutsche Soldaten und anderer Europäer. Brigadegeneral Norrie verweist darauf, dass etwa das US-Heer die Schießpläne veröffentlicht und dass es, wenn es einmal nach Mitternacht schießen müsse, zusätzliche Tage ohne Schießübung einplane. um eine Entlastung zu bieten.

Ob er noch einmal wiederkommen wolle? "Absolut." Er erzählt, dass er keine Chance hatte, durch Europa zu reisen sowie mehr Bekanntschaften und Freundschaften zu schließen. Er sei immerhin auf einem Weihnachtsmarkt gewesen, habe Fahrradtouren mit dem Grafenwöhrer Bürgermeister Edgar Knobloch unternehmen oder habe sich mit dem Vilsecker Bürgermeister Hans-Martin Schertl treffen können. Er habe gerade genug von Bayern gesehen, um wiederkommen zu wollen. Was wird er am meisten vermissen? Die Menschen, betont der scheidende Kommandeur.

Nachfolger war früher in Hohenfels stationiert

Es ist das zweite Mal, dass der US-Offizier in seiner Karriere im Pentagon Dienst tun wird. Brigadegeneral Norrie wechselt in den Generalstab des Heeres, als Direktor der "People First Task Force". Seine Aufgabe wird es unter anderem sein, dazu beizutragen, dass die Karrieren der Soldaten korrekt gemanagt werden oder dass es gute Militärgemeinden gibt. Letztlich soll der US-Offizier dort das machen, wofür er in Grafenwöhr von vielen gelobt wird, sich um das Wohlergeben der Menschen in der Armee zu kümmern.

Nachfolger in Grafenwöhr wird Oberst Joseph E. Hilbert, zuletzt stellvertretender Kommandeur der 3. US-Infanteriedivision in Fort Stewart im US-Bundestaat Georgia. Das teilte das Pentagon vor Pfingsten mit. Oberst Hilbert war vor seiner Zeit in Fort Stewart Kommandeur in Hohenfels – und er ist zur Beförderung vorgesehen. Gut möglich, dass er schon beim Kommandowechsel am Mittwoch in Grafenwöhr seinen ersten Stern angeheftet bekommt.

Brigadegeneral Norries Dank

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Die Übung Dynamic Front

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