28.10.2021 - 10:36 Uhr
GrafenwöhrOberpfalz

US-Heeresministerin betont Bedeutung des US-Standortes Grafenwöhr

Ohne die Oberpfalz wäre für die US-Armee vieles nicht möglich. Militärs wissen das und erweitern die Möglichkeiten des Grafenwöhrer US-Kommandos. Am Ende entscheidet aber die US-Regierung. Um diese bemühen sich die Kommunalpolitiker.

US-Heeresministerin Christine Wormuth spricht während der Verleihung des Fahnenbandes des Bayerischen Ministerpräsidenten an U.S. Army Europe, das Oberkommando des US-Heeres in Europa.
von Alexander Pausch Kontakt Profil

Was für ein Kontrast zum Sommer 2020. Damals erfüllten die Sorgen wegen des von Präsident Donald Trump angekündigten Teilabzugs der US-Truppen aus der Oberpfalz die Gemeinden rund um den Truppenübungsplatz Grafenwöhr. Seit der Wahl von Joe Biden zum US-Präsidenten ist das eine böse Erinnerung aus der Vergangenheit. Dies unterstreicht auch der Besuch der US-Heeresministerin Christine Wormuth in Grafenwöhr (Kreis Neustadt/WN). Es ist das erste Mal, dass ein hochrangiges Mitglied einer amerikanischen Regierung ins Rathaus der Garnisonsstadt am Rande des Übungsplatzes kommt.

Wormuth betont die Bedeutung des US-Militärstandortes für das US-Militär. "Die US-Armee geht nirgendwo hin, sie bleibt." Die Heeresministerin spricht von den neuen Herausforderungen, für die sich die US-Streitkräfte rüsten. Wie in den Zeiten des Kalten Krieges wachse die Gefahr einer militärischen Auseinandersetzung mit anderen Staaten. Daher spielen die Übungsplätze Grafenwöhr und Hohenfels und damit die Oberpfälzer US-Standorte für die Bündnisverteidigung eine wichtige Rolle. "Grafenwöhr ist wesentlich für unsere Einsatzbereitschaft", unterstreicht der Oberkommandierende des US-Heeres in Europa und Afrika, General Christopher G. Cavoli, auf die Bitte der Ministerin hin, die Bedeutung des US-Standortes. Der Name Russland fällt nicht, aber jedem im Raum ist klar, dass es um die Abschreckung des östlichen Nachbarn der Nato geht.

Mittagessen im Militärmuseum

Die Abzugsankündigung durch Trump hatte die Kommunalpolitiker in der Region, aber auch die bayerische Staatsregierung kalt erwischt. Um so wichtiger ist es beiden, die Verbindungen zum amerikanischen Partner zu pflegen und zu festigen. Deshalb hat der Grafenwöhrer Bürgermeister Edgar Knobloch (CSU) die US-Regierungsvertreterin eingeladen. Von deutscher Seite sind Hans-Martin Schertl (Freie Wähler), Bürgermeister von Vilseck (Kreis Amberg-Sulzbach), und der Neustädter Landrat Andreas Meier (CSU) mit dabei. Wormuth wird neben Cavoli vom Kommandeur des 7. US-Armee Ausbildungskommandos, Brigadegeneral Joseph E. Hilbert, und Garnisonskommandeur Oberst Christopher R. Danbeck begleitet.

Das Gespräch im Sitzungssaal, das mit dem obligatorischen Eintrag der Heeresministerin ins Goldene Buch endet, dient der gegenseitigen Versicherung der Partnerschaft und Freundschaft. Knobloch erläutert, dass Grafenwöhr eine bayerisch-amerikanische Gemeinde ist. Ein Abzug würde für die nördliche Oberpfalz nicht nur finanzielle Einbußen bringen, sondern Freundschaften zerstören und eine gewachsene Kultur beschädigen. Er und Schertl verweisen auf ihr Motto, den US-Soldaten ein Zuhause weit weg von Zuhause zu bieten.

Nicht nur Belastungen, auch Vorteile

Knobloch macht auch deutlich, dass die Anwohnergemeinden bereit sind, die Belastungen aus dem Übungsbetrieb zu tragen. Dazu gehöre aber auch, dass sie die Vorteile genießen müssten, die sich aus der Stationierung der US-Soldaten ergeben. Die Botschaft: Reiner Übungsbetrieb ist zu wenig.

Auch die Corona-Pandemie ist ein Thema. Knobloch bedankt sich, dass durch die konsequente Quarantäneregeln des US-Heeres verhindert wurde, dass durch die übenden Soldaten Grafenwöhr zu einem Corona-Hotspot geworden ist. Wormuth, die erzählt, dass sie in einer Kleinstadt in Texas aufgewachsen ist und daher den Charme eine Kleinstadt schätzt. Sie bedankt sich für die Unterstützung und das Vertrauen. Zur Pflege der Freundschaft gehört auch das gemeinsame Mittagessen – im Militärmuseum mit seinen Erinnerungsstücken an Elvis Presley.

Neue Möglichkeiten für Grafenwöhrer Kommando

Die Ministerin war aus Wiesbaden nach Grafenwöhr gekommen. Dort besuchte sie am Dienstag das Hauptquartier des US-Heeres Europa und Afrika. Auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr beobachtet Wormuth an diesem Mittwoch Feldübungen der 173. US-Luftlandebrigade und der 41. US-Feldartilleriebrigade. Zudem besuchte sie das 2. US-Kavallerieregiment in Vilseck und erhält eine Einweisung in die Operationen des 7. US-Armee Ausbildungskommandos.

Das Kommando hat erst vor wenigen Tagen eine Ausweitung seiner Möglichkeiten erfahren. Nun kann es Alliierten-Ausbildung nicht nur während der Übungen anbieten. Von Grafenwöhr aus wird der Einsatz des Personals der 4th Security Forces Assistance Brigade aus Fort Carson im US-Bundesstaat Colorado gesteuert. Die Männer und Frauen sind jeweils für sechs Monate in Europa und helfen bei der kontinuierlichen Ausbildung osteuropäischer Streitkräfte. Ein Konzept, das für Afghanistan entwickelt worden war. Die ersten Einsätze führen die Spezialisten nun nach Georgien, Lettland, Nordmazedonien, Polen und Rumänien.

Fahnenband des Ministerpräsidenten für das US-Heer Europa

Der Besuch von Heeresministerin Wormuth in Bayern hatte am Montag in München begonnen. Dort verlieh Regierungschef Markus Söder (CSU) im Kaisersaal der Residenz das Fahnenband des Bayerischen Ministerpräsidenten an das US-Heer Europa – eine der höchsten militärischen Auszeichnungen des Freistaats. Wormuth nahm zusammen mit Cavoli die Auszeichnung entgegen. Diese wurde unter anderem für die Befreiung des Konzentrationslagers Dachau durch die US-Streitkräfte verliehen.

Vor 30 Jahren hatte es das letzte Mal eine derartige Auszeichnung für zwei US-Verbände gegeben – an die 1st Armored Division (1. US-Panzerdivision), deren Stab damals in Ansbach war, und an die 17th Field Artillery Brigade (17. Artilleriebrigade) des VII. US-Korps. Deren Stab war damals in Augsburg. Die Begründung für die Verleihung war jeweils der Dank für die Verdienste um Bayern. Inzwischen sind beide Verbände seit mehr als einem Jahrzehnt in die USA zurückgekehrt.

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Die US-Heeresministerin Christine Wormuth (links) beobachtet Ministerpräsident Markus Söder (CSU), als er während der Verleihung das Fahnenband des Bayerischen Ministerpräsidenten an U.S. Army Europe im Kaisersaal übergibt.
Die US-Heeresministerin (Secretary of the U.S. Army) Christine Wormuth überreicht dem Vilsecker Bürgermeister Hans-Martin Schertl (rechts) ein Geschenk. In der Mitte der Grafenwöhrer Bürgermeister Edgar Knobloch.
Hintergrund:

Zur Person: Christine Wormuth

  • Christine Wormuth ist seit 28. Mai der 25. Secretary of the U.S. Army und damit die für das amerikanische Heer zuständige Staatssekretärin im US-Verteidigungsministerium.
  • Vor ihrem Wechsel ins Pentagon war sie Direktor des International Defense and Security Center bei der "RAND Corporation". Davor arbeitete sie unter anderem in der Regierung von US-Präsident Barak Obama.
  • Christine Wormuth ist verheiratet und hat zwei Töchter. Ihr Mann ist ein pensionierter Offizier der US-Marine.
  • Sie hat einen Bachelor-Abschluss in Politikwissenschaft und Kunstwissenschaft (Williams College) und einen Master in Öffentlicher Verwaltung (University of Maryland).

 

 

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