Landwirte fürchten um ihre Existenz

Rund 150 Landwirte wollen wissen, wie es beim Süd-Ost-Link weitergeht. Die Vertreter des Netzbetreibers Tennet haben dabei auch Informationen für die Konnersreuther Sportvereine und die Bewohner von Rosenbühl dabei.

Vollbesetzt war am Montagnachmittag der Saal der „Petersklause“ in Großbüchlberg. Dies zeigte, wie sehr das Thema Stromtrassen die Landwirte interessiert.
von Josef RosnerProfil

Kaum fassen konnte der große Saal der "Petersklause" die vielen Besucher, die am Montagnachmittag zur Veranstaltung des Kreisverbandes des Bayerischen Bauernverbandes gekommen waren. Drei Vertreter des Netzbetreibers Tennet stellten den Landwirten den Süd-Ost-Link vor. Dabei ging es auch emotional zu, als der Konnersreuther Ortsobmann Franz Pflaum davon sprach, dass durch die Stromtrassen die Existenz der jahrhundertelangen Tradition der Landwirte in Gefahr sei. Von seinen Kollegen erhielt er dafür starken Beifall.

Entschädigung gefordert

Kreisobmann Ely Eibisch machte deutlich, dass der Süd-Ost-Link die Landwirte schon lange beschäftige. "Wir haben an dieser Trasse aber kein Interesse, null Komma null." Zwar räumte er durchaus Bedarf ein, was auch per Gesetz verordnet sei, "aber dann wollen wir für unsere Landwirte das Bestmögliche herausholen. Wir wollen eine wiederkehrende Entschädigung für alle Betroffenen. Wir wollen Entschädigung, weil etwas von uns genommen wird." Eibisch machte darauf aufmerksam, dass die Energiebetreiber "uns Landwirte brauchen. Ohne uns können sie diese Leitung nicht bauen".

Im Anschluss stellten die drei Vertreter der Firma Tennet, Torsten Grampp, Wolfgang Graf und Thomas Arnold, den Trassenverlauf und die bisherige Planung vor. Grampp dankte dem Bauernverband, dass er zu einem vernünftigem Dialog bereit sei. Für Bayern kündigte der Sprecher zu 100 Prozent eine Erdverkabelung an. Noch heuer im Herbst soll der endgültige Trassenverlauf im bisher festgestellten Korridor feststehen. Danach beginne das Planfeststellungsverfahren. Die Inbetriebnahme ist für 2025 vorgesehen.

Nicht über Sportplatz

Thomas Arnold betonte, dass die Wünsche der Bürger und Behörden in die Planung mit einfließen. Ein Verlassen des Korridors sei nicht möglich. Die Voruntersuchungen für die Trasse laufen bereits. Die Kartierungen in der Oberpfalz sollen Ende des Jahres beginnen. Der finale Trassenverlauf soll bis 2020 stehen.

Gleichzeitig machte Arnold deutlich, dass der Ort Rosenbühl nicht östlich umfangen wird, sondern dort der Süd-Ost-Link mit dem Ostbayernring gebündelt ausgebaut wird. "Die östliche Umgehung von Rosenbühl war nur ein Vorschlag, der öffentlich wurde", sagte Arnold. Mit Blick auf die Proteste des TSV Konnersreuth und des Eisclub fügte er hinzu: "Wir queren auch keine Sportplätze."

Wolfgang Graf ging abschließend auf den technischen Bereich der Gleichstrom-Trasse ein. Obwohl die Planungen noch nicht abgeschlossen sind, läuft bereits die Ausschreibung für die Erdkabel. Noch heuer erfolgt die Ausschreibung für den Tiefbau. Die Bauphase soll von 2022 bis 2024 sein, die Inbetriebnahme ist für 2025 geplant. Bei der Diskussion wollte Eibisch wissen, warum nicht ein Ausbau entlang der Autobahn angedacht ist. Arnold verwies auf viele Schwierigkeiten mit beispielsweise Schutzgebieten und Böschungen. "Die Trasse wird da gebaut, wo es den geringsten Widerstand gibt. Es wird über landwirtschaftlichen Grund einfach verfügt", warf der Konnersreuther Ortsobmann Franz Pflaum ein.

Es könne nicht sein, dass schon die Planungen beginnen, wenn noch nicht mal der Trassenverlauf fachlich festgestellt ist. Außerdem stellte er fest: "Diese Stromleitung zerstört unsere landwirtschaftliche Existenz. Warum baut ihr diese Trasse nicht im Staatswald? Lasst unseren Bauerngrund in Ruhe." Er kündigte die Ausschöpfung aller rechtlichen Mittel an. "Ich gehe bis zur letzten Instanz." Seine Berufskollegen forderte Pflaum zum Widerstand gegen diese Trasse auf.

"Du hast uns aus der Seele gesprochen", sagte stellvertretender Kreisobmann Martin Härtl. Walter Siller wollte wissen, warum die beide Strommtrassen nicht gebündelt nebeneinander verlegt werden. Arnold verwies darauf, dass dies in Teilen in Oberfranken geschehe.

Hintergrund:

Rechte der Grundstückseigentümer

Zum Ende referierte Rechtsanwalt Anton Hess (Landvokat) zu „Die Rechte der Grundstückseigentümer beim Leitungsbau“. Er machte deutlich, dass es in diesem Bereich nicht mehr viele Rechte gebe. Der Jurist sprach von einem Rechtsabenteuer der Bundesnetzagentur. „Wenn der Trassenverlauf festgestellt ist, erfolgt eine Veränderungssperre. Das bedeutet, in diesen festgestellten Bereichen darf nichts mehr gebaut werden.“ Zudem seien die jetzt getätigten Einwände rechtlich ohne Bedeutung. Dennoch sollten die Landwirte davon regen Gebrauch machen, um ihren Widerstand zu signalisieren. Der Sprecher befürchtete, dass die Landwirte vor vollendete Tatsachen gestellt werden.

Hubert Hofmann von der BBV-Hauptgeschäftsstelle Oberpfalz rief die Landwirte zum Widerspruch auf, der bis zum 12. April möglich ist. Auch der Bauernverband werde eine Stellungnahme dazu abgeben. Wichtig nannte er in diesem Zusammenhang den Bodenschutz, der durch die Leitungen gefährdet sei. Weitere Themen seien das Grundwasser und die Drainageeinrichtungen. Hofmann wusste, wonach sich die Erdtemperatur im Bereich der Leitungen um mindestens zwei Grad erhöhen werde. Abschließend forderte er eine Entschädigung als wiederkehrende Leistungen. Während das Bundeskabinett dies schon abgelehnt habe, sah er den Freistaat Bayern auf seiner Seite. Gleichzeitig bat er die Landwirte, bei Tennet nichts zu unterschreiben. Derzeit gebe es noch keine Entschädigungsvereinbarung.

Der Süd-Ost-Link war auch Thema im Kreisausschuss.

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Dicht an dicht saßen die Bauern bei der Informationsversammlung. Mit dabei waren auch drei Vertreter der Firma Tennet Torsten Grampp und Thomas Arnold (von links) sowie Wolfgang Graf (rechts).
Kreisobmann Ely Eibisch: „Wir Landwirte haben null Komma null Interesse an dieser Stromtrasse.“
BBV-Ortsobmann Franz Pflaum aus Konnersreuth wurde emotional. Er sprach von der Vernichtung der landwirtschaftlichen Existenz.
Rechtsanwalt Anton Hess machte deutlich, dass die derzeit getätigten Einwände keinen Rechtsanspruch haben. Dennoch sollten die Landwirte davon regen Gebrauch machen, um ihren Widerstand zu signalisieren.

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