06.10.2021 - 12:49 Uhr
HirschauOberpfalz

Die Goldene Straße: Wandern auf den Spuren Kaiser Karls IV.

Die Goldene Straße ist mehr als ein Weg von Prag nach Nürnberg: Sie atmet Geschichte bis zurück zum europäischen Kaiser Karl IV. Und sie verläuft durch herrliche Natur, wie dieser Wanderausflug zwischen Hirschau und Kohlberg belegt.

Das macht auch den Enkeln Spaß: Waten durch den Ehenbach.
von Redaktion ONETZProfil

Von Hans Meindl

Der glänzende Name der Goldenen Straße hat viele Väter. An ihrem östlichsten Punkt in Prag wollte Kaiser Karl IV. vergeblich seine klügsten Köpfe das wertvolle Metall verarbeiten lassen. Am Westende in Nürnberg leuchtet am Hauptmarkt ein Schöner Brunnen in goldener Farbe. In ihrem Lauf reihen sich Burgen wie Perlen an einer Schnur. Sie trug die Waren von Jahrtausenden auf ihren staubigen Schultern und verband, was viel später ein Eiserner Vorhang trennte.

„Gulden Straß“ als ihr Adelsprädikat tauchte erstmals 1513 in einer Urkunde des Bärnauer Pflegers Hans von Uttelhofen auf. Kaiser Karl IV. – Vater Deutscher, Mutter Tschechin, Kindheit in Paris – ließ die Verbindung von seiner bevorzugten Residenzstadt Prag nach Nürnberg nach dem Erwerb großer Teile der Oberpfalz im 14. Jahrhundert zu einer militärisch geschützten Reichs- und Handelsstraße ausbauen.

Lebhafter Handel zwischen Bayern und Böhmen

Er steckte eine von „Pflegern“ bewachte Route über Weiden, Bärnau und Tachov ab, auf der er selbst 52 Mal reiste. Doch nicht erst die Speditionen unserer Zeit versuchten Maut und Zoll zu umgehen – eine Alternativstrecke über Wernberg, Leuchtenberg, Waidhaus und Přímda erfreute sich als Verbotene Straße großer Beliebtheit. Der lebhafte Handel zwischen Bayern und Böhmen ließ sich nicht auf einen Strich reduzieren, den ein Herrscher in Gewinnabsicht auf einer Landkarte zog.

Das pulsierende Leben im „Ruhrgebiet des Mittelalters“ mit seinen zahllosen Bergwerken und Hammerschlössern, seinen gefragten Handwerkern und Künstlern, seinen jüdischen Gelehrten und Kaufleuten brach sich in einem verzweigten Wegedelta Bahn, das alle wichtigen Städte und Orte miteinander verband.

Die Handeltreibenden versuchten ihr Glück nicht nur in den „Rastplätzen“ entlang der Fernstraße, sondern machten auf den alten Hohlwegen gewinnbringende Abstecher zu nahe gelegenen Orten wie Amberg, Nabburg oder Eger. So entstand über viele Jahrhunderte ein europäischer Wirtschafts- und Kulturraum, der in der Sprache wie auf der Speisekarte, in den Kirchen wie in den Schlössern, in den Familien wie der Politik Spuren hinterließ.

Auf den Spuren der Kaiser und Könige

Buchstäblich auf den Spuren der Geschichte wandert man zwischen Hirschau und Kohlberg: Der Anstieg auf den Höllberg über 14 teilweise tief eingeschnittene Hohlwege ist ein sichtbares Geodokument. Der schmale Wanderpfad schlängelt sich quer durch Hohlwege, dann wieder parallel an ihnen entlang. So bekommt man einen Eindruck davon, wie schwierig es für ein schwer beladenes Fuhrwerk damals sein musste, den Höllberg zu bezwingen, wenn selbst Wanderer ins Schwitzen kommen.

Startpunkt der Wanderung ist der Parkplatz P1 hinter der Kirche (kostenfrei) in Hirschau. Durch den angedeuteten Torbogen betreten wir die Altstadt und biegen links in die Hauptstraße ein, die parallel zur Kirche Mariä Himmelfahrt verläuft. Nach 100 Metern bei Hausnummer 70 sehen wir auf der linken Seite über dem Hauseingang des ehemaligen Sitzes eines königlichen Amtmanns den zweigeschwänzten silbernen Böhmischen Löwen. Rechts daneben auf dem großen Marktplatz das prächtige Rathaus aus dem 16. Jahrhundert mit Treppengiebel und dem Pranger rechts neben dem Eingang auf der Ostseite.

Am Ende des Marktplatzes, wo seit 2020 zwei goldene Hirsche übereinander posieren, zweigt links die Verbotene Straße ab. Die beiden Hirsche symbolisieren die Goldene Straße und deren Verlauf. Einer blickt nach Osten, der andere nach Westen. Karl IV. verfügte am 30. Januar 1367 unter Strafe, dass die Böhmenkönige die Goldene Straße und nicht die in Hirschau abzweigende Verbotene Straße, die über Leuchtenberger Gebiet führt, nehmen müssen. Wir schlendern geradeaus Richtung Schloss, zum wohl ältesten Bauwerk der Stadt – ein Wasserschloss, bereits 1296 bezeugt.

Besuch beim Specht

Im strammen Wandertempo verlassen wir den Stadtkern auf der Kohlberger Straße, der ursprünglichen Trasse, stadtauswärts. Der weiße zweigeschwänzte Löwe auf rotem Grund weist uns den Weg. Am Ortsende biegt er neben der Staatsstraße (2238) auf einen Feldweg ein. Nach 300 Metern zweigt er links ab. Der erste Anstieg liegt vor uns. Oben angekommen, geht es links zu einem alleinstehenden Baum, an dem wir rechts zum Wald abbiegen. Wir folgen dem Löwen, der uns auf ruhigem Pfad durch unberührte Natur führt – um mit etwas Glück den Specht bei der Fütterung seiner Jungen beobachten zu können. Wir lassen den Forst hinter uns, sehen weit vor uns die Waldmühle und biegen links Richtung Bach ab. Der Feldweg, dem wir folgen, führt mitten durch den Ehenbach. Den Kindern macht es immer Sommer Spaß, durch den Bach zu waten. Daneben führt eine kleine Brücke ans andere Ufer. Nach rund 200 Metern an einer Waldwegkreuzung, gehts rechts ab. Am Ende des Weges liegt am Fuße des Höllbergs die Waldmühle direkt vor uns.

Vorspannrecht des Müllners

Im Mittelalter hatte der Müllner das Vorspannrecht, er durfte gegen Entlohnung zwei kräftige Ochsen oder Pferde an die vollbeladenen Handelswagen spannen. Ein Bild von Johann Adam Klein (Stadtmuseum im Fembohaus Nürnberg) dokumentiert ein Gespann mit holzspeichenbereiftem Wagen bis obenhin vollgeladen. Von nun an geht's linker Hand bergauf. Wir befinden uns wieder auf der alten Teerstraße, die zur Hälfte aufgerissen wurde und einer neuen Linienführung 200 Meter südlich weichen musste.

Im Wald wird der breite Weg zum schmalen Pfad. Schon geht es durch den ersten Hohlweg hinunter, mit Schwung wieder hinauf. Die schmalen Holzspeichenrädern der schweren Wagen mussten sich bei Regenwetter tief in den weichen Waldboden eingegraben haben. Ging es nicht mehr weiter, eröffnete man daneben eine neue Spur. So entstanden hier auf dem Bergrücken bis zu 14, teilweise mehr als fünf Meter tief eingeschnittene Hohlwege. Harziger Kiefernduft liegt in der Luft, Vogelgezwitscher begleitet uns, dann wieder Stille.

Knallen der Peitschen, Fluchen der Knechte

Mit etwas Fantasie sieht man Kaiser und Promis ihrer Zeit auf ihren Wagen, hört das Knallen der Peitschen, das Fluchen und Schimpfen der Rossknechte und riecht den Schweiß der Pferde. Kurz vor der Höhe entdecken wir ein Marterl, daneben eine Rundsäule aus Sandstein. Alte Waldmühler sagen, sie markiere eine alte Postübergabestelle. Kurz danach stehen wir am flachen Gipfel des 514 Meter hohen Höllbergs. Wir folgen der Markierung sanft bergab und überqueren die geteerte Verbindungsstraße Ehenfeld – Schnaittenbach. Nach kurzem Marsch auf dem Zubringer der Staatsstraße 2238 biegen wir kurz vor der Einmündung links in den Wald ein. Ein kleiner Teerweg führt zur Staatsstraße, der alten Straße nach Kohlberg, die wir überqueren. Wir folgen ihr bis zur Biegung und marschieren geradeaus in den Wald.

Noch einmal geht es sanft bergan, bis ein Pfeil nach links weist. Bald erreichen wir den letzten Gipfel, den Kohlbühl mit seinen 589 Metern. Am Gipfelkreuz lädt eine Bank zum Ausruhen, beides erneuert von den Faschterern aus Schnaittenbach. Ab jetzt geht es bergab auf Kohlberg zu. Am Waldrand öffnet sich ein herrlicher Blick Richtung Norden, wo wir den Vulkankegel des Rauen Kulms und weiter rechts den „schönsten Basaltkegel Europas“ (Alexander von Humboldt), den Parkstein erkennen.

Vorbei am Schwammerl, einer pilzförmigen Unterstellmöglichkeit, an drei mächtigen Linden mit einem Marterl in der Mitte geht es hinein in den Ort Kohlberg, der seinen Namen den vielen Köhlereien des Mittelalters zu verdanken hat, die für die Eisenverhüttung gebraucht wurden. Jetzt haben wir wirklich eine kräftige Brotzeit verdient und vielleicht sogar ein Zoigl in der Zoiglstubn, die nur einmal im Monat offen hat.

Die Goldene Straße auf deutscher Seite (Der Abschnitt Hirschau–Kohlberg ist besonders markiert)

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