Einen Hauch von Hirschauer Stückl hatte die Einladung an die Mitglieder des Stadtrats-Ausschusses für Stiftung und Tourismus für ihre März-Sitzung. Sollten sie doch unter anderem über „Ideen, Planung und Verschiebung der 750-Jahr-Feier der Hirschauer Stadterhebung“ beraten, wie es in der Tagesordnung hieß.
Stadtheimatpfleger Sepp Strobl, der dazu geladen war, klärte das Gremium denn auch gleich darüber auf, dass Hirschau zwar am 23. April 1271 zum ersten Mal urkundlich erwähnt worden sei, als die Grafen Gebhard – Rapato und Diepold von Murach – ihren Besitz in den Ämtern Nabburg und Amberg, zu dem auch „Hirzzowe" gehörte, an den Herzog Ludwig II., den Strengen von Oberbayern, verkauften. Das Datum sei jedoch keineswegs identisch mit dem Termin der Stadterhebung, sondern eben nur die erste urkundliche Erwähnung, sagte Strobl.
Aus der Häuserchronik von Joseph Weinberger mit dem Titel „Die Stadt Hirschau – ihre Bürger und Häuser“ ist ersichtlich, dass Hirschau 1307 noch als Markt bezeichnet wurde. „Am 13.12.1307 hat König Albrecht beide (Red.: gemeint sind Rudolf und Ludwig von Wittelsbach) mit den Allodien des 1305 verstorbenen Grafen Gebhard, nämlich den früheren Sulzbachischen Burgen – Rosenberg – Sulzbach – Werdenstein Kreis Sulzbach – Pfaffenhofen bei Kastl – der Burg Ammerthal – dem oppidum Hyrzawe und all ihren Zugehörigen belehnt.“ Im Mittelalter verstand man unter einem Oppidum eine kleine stadtähnliche Siedlung mit Marktfunktion, der jedoch das Stadtrecht fehlte.
Interessantes zu dem Thema Stadterhebung bietet auch die von Heribert Batzl verfasste Hirschauer Stadtchronik: „1329 fiel Hirschau – zu diesem Zeitpunkt als Markt bezeichnet – durch den Hausvertrag von Pavia an die pfälzische Linie der Wittelsbacher.“ Erst während der neuböhmischen Zeit unter Kaiser Karl IV. wurde Hirschau zur Stadt erhoben. Die erste Nennung als Stadt stammt demnach aus dem Jahr 1367, als er den Bürgermeister der Stadt anschrieb.
In Weinbergers Häuserchronik findet sich folgende Textstelle: „Am 30.1.1367 verleiht der Kaiser in Auerbach, für die getreuen Dienste, die uns Bürgermeister, der Ratt und die Bürger der Stat zu Hirschau oft nützlich getan und fürder tun wöllen, nämlich einen Wochenmarkt, und verfügt, daß die bisher an der Stat vorbeiziehende Straße, nunmehr durch die Stat selbst führen solle, gibt ihr auf 10 Jahre Freiung für alle jene, welche in die Stat ziehen und Bürger werden wollen, wenn sie sich mit ihrer früheren Herrschaft abgefunden haben und verordnet, daß in keinem Dorfe zu Hirssau feiler Kauf stattfinden dürfe.“ Ein genauer Termin der Stadterhebung konnte aber bisher nicht ermittelt werden. Historiker vermuten sie vor 1367. Die entsprechende Urkunde wurde wohl während späterer Kriege und Raubzüge vernichtet. So kann heuer also 750 Jahre Hirschau gefeiert werden, aber nicht 750 Jahre Stadterhebung.
Begangen wird dieses Jubiläum am Freitag, 23. April, ab 19 Uhr, an dem zusätzlich noch 505 Jahre Bayerisches Reinheitsgebot gefeiert wird. Die Stadt Hirschau und die Schloss-Brauerei laden gemeinsam ab 19 Uhr für rund zweieinhalb Stunden zu einer Bierprobe und einer Live-Show ein. Braumeister Johann Wild hat dazu extra ein Jubiläums-Märzen mit fünf verschiedenen Malzen, drei Sorten Hopfen, einer Stammwürze von 13,8 Prozent und einem Alkoholgehalt von 5,7 Prozent eingebraut. Für dieses Bier wurden die gleichen Rezepte verwendet, wie für das Festbier, das man 2012 für das Firmenjubiläum der Brauerei, vor fünf Jahren anlässlich 500 Jahre Reinheitsgebot und vor drei Jahren beim 150-Jährigen der Feuerwehr aufgelegt hatte.
Für Stimmung und Live-Musik sorgt die Band „Jedsmal anerschd“. Rektor a. D. Hans Meindl wartet mit Geschichten und Anekdoten aus 750 Jahren Hirschau auf, Sebastian Dorfner verrät ein paar Geheimnisse des Jubiläums-Märzens. Bürgermeister Hermann Falk gibt interessante Einblicke in das Goldene Buch der Stadt. Auch sein Amtsvorgänger Hans Drexler, der Vorsitzende des Festspielvereins, verspricht interessante Informationen. Bei der Veranstaltung kann man live und interaktiv über Zoom dabei sein. Den Link und das Passwort für die Teilnahme an der digitalen Jubiläumsfeier erhält man zusammen mit sechs Flaschen Jubiläums-Märzen direkt in der Schloss-Brauerei oder bei Getränke Lutz.















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