10.06.2021 - 15:45 Uhr
IllschwangOberpfalz

Illi und die Rodung am begrasten Hang: 900 Jahre Illschwang

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Die große Sause zum Dorfjubiläum in Illschwang fällt aus. Aber wenn der Bürgermeister und der Ortsheimatpfleger in der Chronik blättern, gibt es Spannendes zu erzählen.

Das Ensemble Illschwangs mit der St.-Vitus-Kirche und der alten Schmiede samt dem Lindenbaum davor, wie es sich in den 1950er- und 1960er-Jahren präsentierte.
von Norbert WeisProfil

An diesem Wochenende wollte der Ort Illschwang sein 900-jähriges Bestehen nachfeiern, doch wie schon im eigentlichen Jubiläumsjahr 2020 stand die Corona-Pandemie einem Fest im Weg. Das historische Lagerleben mit dem Stiber-Fähnlein aus Sulzbach-Rosenberg, ein Familiennachmittag mit historischen Kinderspielen, eine Märchenstunde mit Tanja Weiß, ein Markttreiben, ein Bürgerwettbewerb beim Illschwanger Schützenverein, ein Kanonenschießen mit der Amberger Stadtwache, eine Abendserenade mit einheimischen Chören und ein von Armin Hase inszeniertes Feuerwerk - all das fällt aus, ein für allemal. Im nächsten Jahr wollen die Verantwortlichen keinen neuen Anlauf mehr starten.

Diese Entwicklung bedauert Bürgermeister Dieter Dehling sehr. Gemeinsam mit Ortsheimatpfleger Richard Koller traf er sich mit den Oberpfalzmedien zu einem Pressetermin im Rathaus, um in den Geschichtsbüchern zu blättern. Koller ist seit 2014 in dieser Funktion tätig. In dieser Zeit setzte er mit der Hausnamensschilder-Aktion und zwei Kalendern mit historischen Motiven Akzente. Zudem hat er in einer Gemeinderatssitzung angeboten, die umfassenden Ordner mit geschichtlichem Gemeindebezug neu zu archivieren.

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Ein Buch nennt das Gründungsjahr

Der Ortsname und auch die Sage von der Teufelskanzel geben Hinweise auf eine erste Besiedelung im achten Jahrhundert. Schaubilder auf der Empore der Pfarrkirche zeigen den Heiligen Wunibald als Illschwanger Missionar. Sein Bruder, der Heilige Willibald, wurde zum ersten Bischof der Diözese Eichstätt. Die Missionierung unserer Gegend fand zwischen 736 und 748 statt.

Der Name Illschwang beinhaltet, erklärt Dieter Dehling, die Endung "wang", was so viel wie "Rodung an einem begrasten Hang" bedeutet. Viele Orte in Bayern mit dieser Silbe seien in jener Epoche entstanden. "Ill" könne vom Namen des Gründers, einem "Illi", abgeleitet sein.

Die mutmaßlich erste schriftliche Erwähnung von Illschwang ist in einem Buch des Klosters Reichenbach am Regen zu finden. Es wird dabei von einer Gründung im Jahr 1120 geschrieben. Dieses Dokument wird als Begründung der 900-Jahr-Feier angesehen.

Wappen weist auf Ursprünge hin

Das Wappen der Gemeinde, so wie es jetzt aussieht, weist auf die Ursprünge des Dorfes hin. Ortsheimatpfleger Richard Koller erzählt, dass der abgebildete Drache die fast 700-jährige Verbindung mit dem Kloster Reichenbach zum Ausdruck bringt. Dieses Bild geht auf das Wappen des Klostergründers Markgraf Diepold III. zurück, der 1120 im Besitz von Illschwang war und dieses an Reichenbach schenkte. Die Lilie unten ist dem Wappen des Klosters Kastl entnommen. Dieses besaß seit spätestens 1139 das Zehentrecht in der Pfarrei Illschwang. 1325 wurde ihm die Pfarrei Illschwang einverleibt. Noch im 12. Jahrhundert, erläutert Koller, errichteten die Reichenbacher Mönche die heutige Kirche St. Vitus mit dem charakteristischem romanischen Turm. Das Kirchenschiff wurde 1700 nach den Plänen Wolfgang Dientzenhofers umgebaut und erweitert. Das Recht zur Besetzung der Pfarrstelle lag beim Kloster Kastl.

Den Abt des Klosters Reichenbach vertrat in Illschwang ein Propst. Der Streit zwischen ihm, dem Großherzogtum Sulzbach und der kurpfälzischen Regierung in Amberg um die vom Propst reklamierte Selbstständigkeit überdauerte die Jahrhunderte. Das Ende der alten Propsteiverwaltung markierte 1803 den Beginn einer neuen Ordnung. Das "Propsteischlösschen" ist jetzt der katholische Pfarrhof, macht der Ortsheimatpfleger aufmerksam.

Reformation und Gegenreformation haben Illschwang bis in die Gegenwart hinein geprägt. 1543 drang der lutherische Glaube von Sulzbach her vor, 1627 setzte sich von Neuburg aus die Gegenreformation durch. 1652 kam schließlich durch einen Vergleich das Simultaneum zustande; das heißt, es wurden die gemeinsame Kirchenbenutzung und die Teilung des Kirchenvermögens geregelt. Selbst nach dem Westfälischen Frieden, der dem Dreißigjährigen Krieg ein Ende setzte, ging das Ringen in Illschwang weiter.

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Mehrfach preisgekröntes Dorf

"Illschwang kann auf eine bedeutende geschichtliche Tradition zurückblicken", sagt Bürgermeister Dieter Dehling. Im Zentrum des Ortes steht auf einem Hügel die Pfarrkirche St. Vitus, Sie ist umgeben von einem Friedhof und war früher die Wehranlage des Dorfes. Der Wehrturm mit seinen Schießscharten zeugt noch heute davon. Im alten Kerndorf mit seinen Fachwerkbauten handelt es sich um ein besonderes Ensemble, das unter Denkmalschutz steht. 1992 bekam Illschwang in der Amtszeit des Bürgermeisters Karl Burger den Europäischen Dorferneuerungspreis für das erfolgreiche Bemühen, den unverwechselbaren Charakter des alten Dorfes zu bewahren. Bereits 1989 hatte der Ort den Bayerischen Staatspreis für mustergültige Dorferneuerung erhalten. Von der Prämie wurde ein Hopfenmuseum eingerichtet und ein Hopfengarten angelegt. Alljährlich werde beim Hopfenfest, so Richard Koller, original Illschwanger Hopfenbier ausgeschenkt.

Illschwang ist heute ein beliebter Fremdenverkehrsort. Zur gleichnamigen Gemeinde gehören 32 Ortschaften, die sich auf einer Fläche von 55 Quadratkilometern verteilen. Durch die Schaffung neuer Baugebiete ist die Einwohnerzahl der Gemeinde in den vergangenen Jahren auf rund 2000 angestiegen.

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Hintergrund:

Denkwürdige Daten der Dorfgeschichte

  • 1120: Gründungsjahr des Orts nach einer im Kloster Reichenbach verwahrten Handschrift
  • 1652: Beide Konfessionen schaffen durch Vergleich das Simultaneum in Illschwang
  • 1992: Europäischer Dorferneuerungspreis würdigt „das erfolgreiche Bemühen, den unverwechselbaren Charakter des alten Dorfes zu bewahren“.

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