10.09.2021 - 21:35 Uhr
IllschwangOberpfalz

In Illschwang ist die Hopfenernte noch traditionelle Handarbeit

Illschwang im Landkreis Amberg-Sulzbach gehört zu den kleinsten Hopfen-Anbaugebieten. Hier wird der Hopfen noch ganz traditionell angebaut. Und von Hand geerntet. Jeder, der mithelfen will, ist dabei willkommen.

Das Hopfenzupfen in illschwang bringt die Generationen zusammen.
von Heike Unger Kontakt Profil

Dass heute sogar ein Musikant bei der Hopfenernte in Illschwang ist, ist Zufall. "Der Helmut aus Hersbruck" hat mit seiner Quetschen zwischen den Hopfenzupfern Platz genommen und begleitet die muntere Runde mit Liedern, bei denen jeder mitsingen kann. Helmut hat Verwandte in Illschwang, die bei der Hopfenernte mitmachen – auf einem der drei kleinsten "Hopfen-Anbaugebiete Deutschlands", wie Lorenz Geitner mit Stolz sagt. Die beiden anderen sind Irrenlohe und Neusath-Perschen (Landkreis Schwandorf). Geitner ist der Vorsitzende des Illschwanger Gartenbauvereins, dessen jährlicher Höhepunkt das Hopfenzupfen ist. Im Hopfenmuseum erfahren Besucher alles über die Pflanze und ihre Verarbeitung, Lorenz Geitner bietet nach Absprache auch gerne Führungen an (09661/673, lorenzo55.1[at]web[dot]de).

"Alles ehrenamtlich", betont Geitner. Er lädt jedes Jahr zum Hopfenzupfen ein. Und weiß nie, wie viele Helfer dann wirklich kommen. "Bis jetzt hat es jedes Jahr geklappt", bilanziert er zufrieden, 50 bis 70 Leute seien immer da gewesen, um mit anzupacken. So viele Hände brauche er schon, die Hopfenernte nach alter Tradition ist aufwändig: In Illschwang wachsen die Dolden nicht auf Draht wie in der Holldau, erklärt Geitner, hier werden Holzstangen mit Pflöcken in Rohren in der Erde fixiert, an denen der Hopfen dann im Uhrzeigersinn hinauf klettert. Zwei Sorten wachsen in Illschwang – "der Hersbrucker" und "die Perle", erklärt Geitner. Widerstandsfähige Sorten, denn das Feld liegt in einem Tal, durch das es von Pesensricht her ordentlich zieht. Zur Ernte werden die Pflanzen jetzt abgeschnitten, die Stangen herausgenommen, der Hopfen entgegen seiner Wuchsrichtung heruntergedreht – und dann werden die einzelnen Dolden per Hand von den Helfern abgezupft.

Geitner ist sehr zufrieden mit der Qualität heuer. Und "sein" Brauer ist es auch: Arno Diener, der in Amberg die kleine Hausbrauerei am Sudhang betreibt, bezieht seinen kompletten Hopfen aus Illschwang. Er sei begeistert, besonders vom hohen "Lupulin"-Gehalt: Das "Hopfenmehl", das man deutlich riechen kann, wenn man eine Dolde zwischen den Fingern verreibt, ist wichtig für den Geschmack des Bieres. Natürlich schenkt Geitner den Helfern auch ein Seidl Bier ein, damit geht die aufwendige Arbeit leichter von der Hand. Andere kleine Brauereien scheuen diesen Aufwand, berichtet Geitner – sie nehmen statt der Dolden lieber sofort einsatzbereite Pellets. In Illschwang bleiben sie bei der Handarbeit. Etwa 110 Kilo Hopfendolden sollen geerntet werden. Getrocknet werden sie dann noch 30 Kilo wiegen. Und aus den Ranken, die nicht gebraucht werden, winden zwischendurch schon ein paar Frauen in der Runde Hopfenkränze – als duftenden Schmuck für die Haustür.

Das Hopfenmuseum in Illschwang

Illschwang

 

 

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