17.08.2021 - 18:22 Uhr
IllschwangOberpfalz

Hopfenmuseum: Nicht nur für Bierliebhaber ein Genuss

Hopfenanbau in Illschwang? Bis Mitte der 1930er-Jahre gang und gäbe. Mittlerweile gehört ein kleiner Hopfengarten wieder zum Ortsbild. Das benachbarte Hopfenmuseum dokumentiert aber auch eine spannende Geschichte des Widerstands.

Hopfenzupfer-Gemütlichkeit gehört ebenfalls zum Museums-Programm.
von Anke SchäferProfil

Der 13 Meter lange, 6 Meter breite, 1897 erbaute Stadel, der sich wie der Hopfen in die Höhe streckt, sollte eigentlich abgebaut und im Oberpfälzer Freilandmuseum Neusath-Perschen wieder zusammengesetzt werden, um dort Zeugnis abzulegen von der längst vergangenen, seit über 1000 Jahren in Deutschland verankerten Tradition. Beim Ankauf hatte der Bezirk Oberpfalz die Rechnung allerdings ohne die Illschwanger Bürgerinnen und Bürger gemacht.

Mit Leidenschaft dabei

Einem berühmten gallischen Dorf nicht ganz unähnlich, wehrte man sich erbittert gegen die musealen Pläne – und hatte Erfolg. Nun ist also wieder die Gemeinde Illschwang Eigentümerin, der örtliche Gartenbauverein übernimmt ehrenamtlich Verwaltung und Organisation. Zum 25. Vereinsjubiläum 2010 wurde das Museum im Hopfen-Stadel eingeweiht, seit 2012 ist Lorenz Geitner die ebenso gute wie rührige Seele des Hauses: „Die Leidenschaft kommt automatisch.“ Und dass er seither eine gehörige Portion dieser Leidenschaft entwickelt hat, ist der Ausstellung anzusehen. Vor allem aber durchzieht sie all die Geschichten, die Geitner beim Rundgang zu erzählen weiß.

Zum Einstieg liegen je nach Jahreszeit getrocknete oder frische Hopfendolden bereit. Zerrieben machen sie die Nase mit dem Stoff bekannt, ohne den jedes Bier eine ziemlich fade Angelegenheit bliebe: Lupulin sorgt für den Geschmack und ermöglicht je nach Hopfen-Sorte auch den experimentierfreudigen Craft-Beer-Brauern völlig neue Geschmackskreationen ohne Verletzung des Reinheitsgebotes. In Illschwang hält man allerdings nur den beiden alten Brausorten „Perle“ und „Hersbrucker Spät“ die Treue.

Vielfältige Heilwirkungen

Die Liste der dem Hopfen zugeschriebenen Heilwirkungen erweitert dann den Horizont jedes Bierfreundes beträchtlich: Der beruhigende Effekt liegt vielleicht noch auf der Hand, aber daneben soll der Hopfen auch fiebersenkend, entzündungshemmend oder gar Mittel der Wahl bei Verdauungsstörungen, Angstzuständen, Migräne, Haarausfall oder Wechseljahresbeschwerden sein. Einen Versuch ist es allemal wert.

Um jedoch überhaupt ans gute Stöffchen zu kommen, sind vielerlei Gerätschaften notwendig: Hopfenstangen, Transportkessel, Metzen, die als Maßeinheit für die Hopfenpflücker dienten, und die dekorativ drapierten Hopfensäcke vermitteln einen Eindruck von der Arbeit, die vom Setzen der Hopfenstöcke bis zu Ernte, Transport und Verarbeitung eine schwere war und ist.

Besonderes Gerät

Hier kommt auch wieder Lorenz Geitners Zielstrebigkeit ins Spiel. Hopfensäcke aufschneiden ist keine Kunst, aber zuvor mussten sie auch genäht werden. Über ein paar Zufälle und Kontakte gelang es schließlich, dem Hopfenmuseum in Wolnzach, das Geitner sehr schätzt und in höchsten Tönen lobt, eine eigens dafür konstruierte Nähmaschine zu entlocken.

Den Weg aus Wolnzach nach Illschwang legte auch eines der zentralen Ausstellungsstücke des Museums zurück – die originale Hopfen-Presse. Einstmals wichtiges Utensil des Illschwanger Bäckermeisters und Hopfenhändlers Johann Georg Haas, wurde sie 1979 vom Bezirk Oberpfalz erworben und trat die Reise nach Neusath-Perschen an. Aus dem neuen Leben als Schaustück im Freilandmuseum wurde aber nichts und auch die nächste Station Wolnzach war irgendwie nicht das Richtige für das wohl einzige Holz-Modell in ganz Deutschland. In Illschwang ist sie nun der Stolz des Museums und veranschaulicht zusammen mit einer Einschub-Trockenhorde, wie es mit dem Hopfen weitergeht, wenn er erst einmal geerntet ist, beispielsweise mit der ebenfalls zu begutachtenden Zupfmaschine.

Museums-Abfüllung

Ist alles erst einmal getrocknet und verpackt, schlägt die Stunde des Brauers, der mit Hilfe von lediglich 500 Gramm Hopfen stattliche 500 Liter Bier herstellt. Die Spezial-Abfüllung fürs Museum übernimmt übrigens die Amberger Hausbrauerei Diener, die dafür besonders hübsche Siphonflaschen verwendet. Das ist obendrein auch praktisch, passt doch mengenmäßig gleich einiges mehr hinein. Wie sich die fleißigen Pflücker ebenfalls am flüssigen Ergebnis ihrer Arbeit erfreut haben, zeigt das Hopfenmuseum in einer kleinen Abteilung oben unter dem Dach.

Doch Lorenz Geitner ist weit über den Hopfen hinaus ein ambitionierter Sammler und Chronist. Das verhilft dem Museum zu weiteren Attraktionen: Ein kleiner Abriss der Fotografie-Geschichte anhand diverser Apparate und der damit entstandenen Bilder hat hier ebenso Platz gefunden wie eine bunte Mischung allerlei Gerätschaften im angrenzenden Schuppen. Sie reicht von antiken Bügelmaschinen bis zu Sackkarren und vielem, was sonst als Dachboden- oder Kellerfund einfach entsorgt werden würde.

Abstecher ins Gärtlein

Ein empfehlenswertes Muss beim Besuch ist der kurze Abstecher zum nahe gelegenen Hopfengarten. Unter durch und durch biologischen Bedingungen streben hier die Hopfenranken gen Himmel, aufwendig von Hand an die Stangen gebunden so weit die Leiter reicht und nicht weniger aufwendig geerntet. Immerhin entschädigt die schöne Lage mit angrenzendem Blumen- und Insekten-Paradies sicher für die harte Arbeit.

Man muss also kein bekennender Biertrinker sein, um den Besuch im Hopfenmuseum zu genießen – aber auf den Geschmack lässt sich hier leicht kommen. Und über Besucher freut sich Lorenz Geitner in diesem Jahr besonders – Pandemie und Lockdown haben auch ihm das geliebte Ehrenamt schwer gemacht.

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Service:

Hopfenmuseum Illschwang

  • Standort: Das Hopfenmuseum befindet sich in der Ulrichstraße in 92278 Illschwang.
  • Öffnungszeiten und Kontakt: Geöffnet ist von Mai bis September nach Vereinbarung mit Lorenz Geitner unter Telefon 09661/673 oder E-Mail lorenzo55.1[at]web[dot]de. Gruppenführungen sind möglich. Weitere Informationen online auf www.illschwang.de (Freizeit und Gäste). Das Museum ist nicht barrierefrei.
  • Tipps: Illschwanger Hopfenweg mit Museumsführung und optionaler Bierprobe: Dorfrundgang mit Simultankirche, Hopfenfeld und Hopfenmuseum. Der Rundgang dauert ungefähr 2,5 Stunden und kostet fünf Euro pro Person (Eintritt ins Hopfenmuseum enthalten). Die Bierprobe mit echtem Illschwanger Bier aus Bio-Hopfen kostet extra. Anmeldungen und weitere Informationen bei Lorenz Geitner. In der näheren Umgebung gibt es zahlreiche ausgeschilderte Wanderwege, unter anderem Nr. 8 zu Kalmusfelsen, Osterloch, Bildbaum, Bettelküche und Teufelskanzel. Informationen auf www. illschwang.de. Einkehr: Landhotel/Restaurant „Weißes Ross“, Wellness-Angebot mit „Hopfentherme“.

 

 

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