20.02.2020 - 11:30 Uhr
KemnathOberpfalz

Rede-Duell der Landratskandidaten: Diskussion nimmt Fahrt auf

Barrierefreies Bauen und künftige Baugebiete: Bei der Podiumsdiskussion in Kemnath stellen sich die vier Landratskandidaten den Bürgerfragen. Zudem rücken Vorschläge zur Mobilität und die interkommunale Zusammenarbeit in den Mittelpunkt.

Die Diskussion überträgt das Jugendmedienzentrum T1 auch auf Großleinwand.
von Martin Maier Kontakt Profil

Durch die Ikom Stiftland und die Steinwald-Allianz sind alle 26 Gemeinden des Landkreises Tirschenreuth in kommunalen Zweckverbänden organisiert. Bei der Podiumsdiskussion in der Mehrzweckhalle will Moderator Jürgen Preisinger daher wissen, ob durch weitere Vernetzung nicht noch mehr erreicht werden kann. Ein "riesiges Potenzial" sieht Ely Eibisch (FW) in der Zusammenarbeit mit Tschechien. "Man sollte in größeren Räumen denken", findet auch Thomas Döhler (SPD).

Als "große Chance für die nächsten Jahre" bezeichnet Anna Toman die Lage des Landkreises im Herzen Europas. Eine einzelne Gemeinde könne alleine nicht mehr klarkommen. Daher spricht sich die Grüne für ein gezieltes Zusammenwirken mit dem Landkreis Neustadt/WN und der Stadt Weiden aus. "Die interkommunale Zusammenarbeit ist der Trumpf für unseren Landkreis", macht auch Roland Grillmeier (CSU) deutlich. Der Ikom-Vorsitzende sieht aber noch viele Sachen, "die wir interkommunal Anschieben können".

Preisinger lenkt kurz den Blick auf das Jugendmedienzentrum T1 in Tannenlohe. Da es eine solche Einrichtung weder im Landkreis Neustadt/WN noch in Weiden gibt, kann er sich eine Einbeziehung der zwei Nachbarn vorstellen. "Dadurch könnten wir Synergieeffekte herstellen, um Medienkompetenz zu vermitteln."

Aufmerksam verfolgen die vielen Zuhörer die Diskussion der Landratskandidaten.

Zum Thema Tschechien mahnt Toman an, sich mit den Partnerregionen zusammenzusetzen. Grillmeier verweist darauf, dass es Gespräch schon immer gebe. "Was uns fehlt, ist die kleine Ebene." Daher wünsche sich die CSU eine entsprechende Stelle am Landratsamt. Eibisch weist auf die große Sprachbarriere hin. Daher müsse der Schulaustausch ausgebaut werden. Nach der Ansicht von Döhler funktioniert der zwischenmenschliche Austausch mit dem Nachbarland durch Vereine und Schulen. Aber die "ewige Bürokratie" verhindere Größeres, beispielsweise bei der Zusammenarbeit im Rettungswesen.

Den Anrufbus Baxi sehen alle vier als Erfolgsmodell. Gibt es aber im Bereich Mobilität noch weiteres zu verbessern? Grillmeier erläutert, dass der Eventbus "Der mim Board" sehr gut angenommen werde, möglicherweise aber bald an seine Grenzen stoße. Daher regt er eine Erweiterung des Konzepts an. Der CSU-Politiker nennt dabei das "Fifty-Fifty-Taxi" (halber Preis für Heranwachsende), das es in benachbarten Landkreisen schon gibt.

Für Eibisch ist eine Vernetzung der Baxis Richtung Bayreuth, Marktredwitz und Neustadt/WN wichtig. "Das muss alles entsprechend ausgebaut und eng getaktet werden." Der Beitritt zum Verkehrsverbund Großraum Nürnberg steht für Döhler ganz vorne auf der Agenda, damit Schüler und Azubis an das 365-Euro-Ticket kommen.

Und Anna Toman spricht beim Baxi von einem Exportschlager. Dieses Modell müsse man weiterentwickeln. Dabei denkt die Grüne an eine eigene Baxi-App, über die der Anrufbus gebucht werden kann. Ihr langfristiges Ziel sei das Schaffen von Angeboten für Pendler.

Ein Bürger will wissen, wie die Kandidaten das Bauen auf dem Land einfacher machen wollen. Toman und Döhler sprechen sich für den Grundsatz Innen- vor der Außenentwicklung aus. Eibisch verweist auf die Abrundungssatzungen, die geordnete Entwicklungsmöglichkeiten eröffnen würden. Die Dorferneuerungs- und Städtebaumaßnahmen spricht Roland Grillmeier an. "Unsere Dörfer und Städte müssen erweiterbar bleiben", macht er seine Position deutlich.

Barrierefreie Wohnungen

Behindertenbeauftragter Reinhard Schön kritisiert die fehlenden barrierefreien Sozialwohnungen im Landkreis. Die Kewog sei hier auch nicht aktiv. Grillmeier begründet dies mit der fehlenden Wirtschaftlichkeit. Für barrierefreies Wohnen und Sozialwohnung gebe es aber für Kommunen "tolle Förderprogramme". Döhlers Wunsch ist es, in allen größeren Kommunen ein Gebäude für Generationenwohnen zu errichten: im Erdgeschoss barrierefreie Wohnungen für ältere Menschen und im ersten Stock Wohnungen für junge Menschen.

Eibisch weiß, dass die Kewog den kommunalen Wohnungsbau wieder mehr in den Mittelpunkt rücke. Die Barrierefreiheit werde mittlerweile immer mit eingeplant und "ist für mich zwingend". Laut Toman mangle es im Landkreis an Wohnungen. Daher hätten einzelne Kommunen dieses Thema schon vorangetrieben. Auch die Kewog sei gefordert. "Ich bin mir sicher: Die Renaissance des ländlichen Raums wird kommen. Daher werden wir Wohnungen brauchen", blickt sie voraus.

Kreisbehindertenbeauftragter Reinhard Schön aus Schönficht bei Plößberg ist der zuständige Behindertenbeauftragte des Landkreises. Auch er meldet sich zu Wort.
Stellvertretende Kreisbehinderten-Beauftragte Doris Scharnagl-Lindinger (Mitterteich) bringt auch die vielerorts fehlende Barrierefreiheit zur Sprache.

Die Landratskandidaten positionieren sich zu Windrädern, Süd-Ost-Link und Kliniken AG.

Kemnath

Jugendarbeit und Ehrenamt sorgen bei den Landratskandidaten für Gesprächsstoff.

Kemnath

Schlussstatements der vier Landratskandidaten.

Kemnath

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