09.06.2020 - 18:51 Uhr
KönigsteinOberpfalz

Tee aus eigenem Anbau

Fertige Mischungen aus dem Supermarktregal versprechen viel. Landfrauenberaterin und Kräuterexpertin Markusine Guthjahr betrachtet diese Tees allerdings mit Skepsis. Sie empfiehlt, die Kräuter dafür selbst anzubauen.

„Mein Garten ist zwar nicht besonders groß“, sagt Markusine Guthjahr. „Aber darin ist Platz für sämtliche Kräuter, die ich für meine verschiedenen Tees benötige.“
von Christa VoglProfil

Harmonisierend, vitalisierend, belebend, beflügelnd und beruhigend soll er wirken. Die Mischungen tragen verheißungsvolle Namen wie "Gute-Laune-Tee", "Glückstee", "Lebensfreude", "Sonnenschein-Tee", "Aufblühen", "Dankeschön-Tee" oder auch "Druidentrank". Die Landfrauenberaterin und Kräuterexpertin Markusine Guthjahr aus Königstein lässt sich von diesen Namen und den Versprechungen auf der Verpackung nicht verführen. Denn sie kauft generell keine Kräutertees. Weil sie ihren Bedarf an Kräutern, im eigenen Garten anbaut.

"Mein Garten ist zwar nicht besonders groß", sagt sie. "Aber darin ist Platz für sämtliche Kräuter, die ich für meine verschiedenen Tees benötige." Das sind in ihrem Fall nicht wenige: Kamille, Majoran, Melisse, Johanniskraut, Thymian, Süßdolde, Zitronenverbene, Salbei, Käsepappel, Brennnessel, Schafgarbe, Beifuß, Rosmarin, Alant, Andorn, Dost und Eberraute.

Nicht pflegeintensiv

In Guthjahrs Kursen, Seminaren und Vorträgen geht es hauptsächlich um Ernährung, Gartenbau, Ökonomie und Ökologie. Ein weites Feld. Doch wann immer dabei die Sprache auf das Thema Kräuter kommt, betont sie, dass ein Anbau im eigenen Garten oder auf dem Balkon dem Kauf im Geschäft auf jeden Fall vorzuziehen sei. "Erstens stellen Kräuter keine hohen Anforderungen an den Boden und sind auch nicht pflegeintensiv", erklärt sie.

Noch viel wichtiger sei jedoch ein ganz anderes Argument. "Die Kräuter aus den Tees im Handel stammen oft aus osteuropäischen Plantagen", weiß die Fachfrau. Dass es dort meist weniger strenge Vorgaben für Pestizide und Insektizide gebe, wäre bekannt. Untermauert werden ihre Bedenken durch eine Untersuchung der Stiftung Warentest aus dem Jahr 2017. Das Ergebnis: "Wir haben insgesamt 64 Tees der vier Sorten (Anm. d. Red.: Pfefferminz, Fenchel, Kamille sowie Kräutermischungen) auf Schadstoffe geprüft, zum Beispiel auf Pestizide und Gifte aus Wildkräutern. Gut die Hälfte der Produkte überzeugt, einige sind aber kritisch belastet."

Diese Unsicherheit bezüglich der Qualität könne man leicht umgehen durch den Anbau der Kräuter im heimischen Garten. Und: Selbst wenn die gekauften Tees nicht belastet seien, dann zähle immer noch der lange Transportweg als Argument gegen den Kauf von fertigen Kräuterteemischungen. Daher wird Guthjahr nicht müde, in ihren Vorträgen die Selbstversorgung zu propagieren: "Wenn ihr euch was Gutes tun wollt, dann baut euren Tee selbst an. Sammelt ihn selbst, dann seid ihr auf der sicheren Seite."

Sortenrein lagern

Markusine Guthjahr erntet ihre Kräuter während des Sommers in regelmäßigen Abständen. Und vor allem sortenrein. "Ich pflücke sie, trockne sie getrennt und bewahre die einzelnen Kräuter dann in verschiedenen Dosen auf. Der Vorteil: "Ich kann mir immer wieder neue Teemischungen selbst zusammenstellen, je nachdem was anliegt. Habe ich Husten? Dann nehme ich beispielsweise Thymian. Habe ich Halsschmerzen? Ich bediene mich beim Salbei. Will ich entspannen? Hier hilft vielleicht Johanniskraut. Schlafe ich schlecht? Ich greife zur Zitronenmelisse." Wichtig sei dabei aber, nicht zu vergessen, dass bestimmte Heilpflanzen nur gezielt eingesetzt werden sollen. Sie sind also nicht als Haustee für den täglichen Gebrauch geeignet. Ganz grundsätzlich gilt: Man sollte die Teesorten nach einiger Zeit wechseln.

Feines Aroma

Eine bestimmte Pflanze möchte die Landfrauenberaterin besonders empfehlen: die Süßdolde, die auch den Namen Myrrhenkerbel trägt und ursprünglich aus Skandinavien stammt. "In den Gärtnereien bei uns in der Gegend ist die Süßdolde kaum bekannt. Man muss gezielt danach fragen", erklärt die Pflanzenliebhaberin aus Königstein. Die Gärtner wären aber oftmals dankbar für einen Hinweis auf eine "neue Pflanze" und würden sie dann auch gerne in ihr Sortiment aufnehmen. Die Süßdolde ist winterhart, wachstumsfreudig, kommt mit wenig Pflege aus, ist mehrjährig und hat ein sehr feines Aroma. Der Geschmack ist süß und anisähnlich. "Auch zum Aufbrühen von frisch gezupften Blättern eignet sie sich sehr gut", sagt Guthjahr, die vor fast zwei Jahrzehnten diese Pflanze aus Niedersachsen mitgebracht hat und seitdem in der "rauen" Oberpfalz erfolgreich kultiviert.

Wer sich mit dem Gedanken trägt, ein Kräuterbeet anzulegen und dazu noch verschiedene Pflanzen benötigt, dem gibt die mehrfache Buchautorin einen guten Rat mit auf den Weg: "Wenn man lange Freude an den Kräutern haben möchte, dann sollte man die Pflanzen in einer Gärtnerei kaufen." Denn dort bekomme man im Normalfall gut durchwurzelte und abgehärtete Freilandpflanzen und "nichts Hochgezüchtetes" wie aus dem Supermarkt. Sobald die kräftigen Jungpflanzen ihren Platz im Kräuterbeet gefunden haben, dann heißt es eigentlich nur noch: Abwarten und Tee trinken.

Tipps:

Trocknen von Kräutern

Ernte vor der Blühphase

Ernte zum richtigen Tageszeitpunkt: am besten gegen Mittag, wenn der Tau abgetrocknet ist.

Von Schmutz und Insekten befreien

Holzige Stängel entfernen

Trocknung an der Luft, aber nicht in der prallen Sonne oder im Ofen

Aufbewahrung in einer Dose, nicht in Plastiktüten

Eine Pflanze möchte Markusine Guthjahr besonders empfehlen: die Süßdolde.

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