09.09.2020 - 17:12 Uhr
KümmersbruckOberpfalz

Kümmersbruck baut jetzt sozial gefördert

Kümmersbruck steigt in den sozialen Wohnungsbau ein, mit einem eigenen Appartmentkomplex im gerade entstehenden neuen Seniorenwohnpark. Das sei ein Thema, "das uns überregional bekannt macht", sagt Bürgermeister Roland Strehl.

Neben dem Kümmersbrucker Rathaus (im Hintergrund rechts) entsteht das neue Wohnviertel Seniorenwohnpark. Die beiden Gebäude mit Eigentumswohnungen, die private Investoren errichten, sind schon fast fertig. Unterhalb des Komplexes mit den leuchtend orangen Balkonen will die Gemeinde einen dritten Bau mit Sozialwohnungen hinstellen.
von Heike Unger Kontakt Profil

Der Seniorenwohnpark war am Dienstagabend erneut Thema im Gemeinderat Kümmersbruck. Diesmal ging es um den Teil des Projekts, den die Gemeinde umsetzt – sie errichtet hier sozial geförderte Wohnungen und beschreitet damit Neuland. Direkt neben dem Rathaus entsteht gerade ein komplett neues Viertel, speziell auf ältere Menschen zugeschnitten. Der Seniorenwohnpark ist ein Gemeinschaftsprojekt der Gemeinde und privater Investoren. Letztere bauen hier zwei Gebäudekomplexe in Holzbauweise mit seniorengerechten Eigentumswohnungen, die sich bereits ihrer Fertigstellung nähern. Die Gemeinde ist zuständig für die ebenfalls bereits weitgehend abgeschlossene Erschließung und steigt mit einem dritten Baukomplex in den sozialen Wohnungsbau ein.

Ein Besuch auf der Baustelle Seniorenwohnpark in Kümmersbruck

Kümmersbruck

Regierung gibt grünes Licht

Zuletzt war Bürgermeister Strehl nicht ganz sicher, ob man diesen Teil wegen sinkender Steuereinnahmen durch Corona in absehbarer Zeit umsetzen können würde. Doch der Gemeinderat hält weiter an dem wichtigen Vorhaben fest, wie in seiner ersten Sitzung nach den Sommerferien am Dienstag deutlich wurde: Vertreter des beauftragten Münchener Architekturbüros Stark stellten dem Gremium ihre ersten grundsätzlichen Vorüberlegungen zu diesem Projekt vor und bekamen grünes Licht für weitere, konkretere Planungen. Die sollen dann im nächsten Schritt auch einen Zeitplan und Kostenrahmen enthalten.

In den sozialen Wohnungsbau einzusteigen, sei für eine Gemeinde der Größe von Kümmersbruck "schon ambitioniert", merkte Bürgermeister Strehl einleitend an. Umso mehr freue es ihn, dass die Reaktionen in Vorgesprächen mit der Regierung wie auch den beiden Fraktionen des Kümmersbrucker Gemeinderates sehr positiv gewesen seien. Jürgen Stark, Chef des gleichnamigen Architekturbüros, berichtete dem Gemeinderat am Dienstag, dass seine Firma seit Februar/März an den ersten Entwürfen gearbeitet habe.

15 oder 17 Wohnungen

Ergebnis sind zwei Varianten, die Stark dem Gremium kurz vorstellte – eine mit größeren Gemeinschaftsflächen für die künftigen Bewohner des Gebäudekomplexes und eine ohne. In ersterer finden 15 Wohnungen in dem Gebäude Platz, in dem zweiten, wirtschaftlicheren Entwurf sind es 17. Stark freute sich, dass die Vorschläge bei der der Regierung auf große Begeisterung gestoßen seien, wie er dies "in 30 Jahren im Beruf" noch nicht erlebt habe. Sein Fazit dieses Abstimmungs-Termins: "Das war eine Punktlandung", die Förderung für sozialen Wohnungsbau von 2400 Euro pro Quadratmeter damit möglich. Und die Regierung habe signalisiert, dass die Planer in diese Richtung weiterarbeiten könnten.

Christine Harm, zuständige Projektleiterin des Architekturbüros, stellte den Räten grob die ersten Überlegungen vor. In dem geplanten Gebäude könnten neben dem Rathaus, unterhalb der gerade entstehenden beiden neuen privaten Häuser mit privaten Eigentumswohnungen, 17 seniorengerechte Sozialwohnungen Platz finden, je sieben in Erdgeschoss und erstem Obergeschoss plus drei weitere im zweiten Obergeschoss, alle mit Loggia, Balkon oder Terrasse und in unterschiedlichen Wohnungsgrößen (ein bis drei Zimmer). Im Untergeschoss können sich die Architekten Kellerabteile und 17 Garagen-Stellplätze vorstellen, davon zwei behindertengerechte mit entsprechender Breite. Hinzu kommen zwei oberirdische Stellplätze sowie sieben an der Erschließungsstraße, um den Stellplatzschlüssel von insgesamt 26 für die 17 Wohnungen zu erfüllen. Alle Appartments sind barrierefrei geplant, zwei sogar rollstuhlgerecht.

Nicht allen gefällt die dunkle Fassade

Dem Wunsch der Gemeinde, diesen dritten Baukomplex des Seniorenwohnparks den beiden bereits vorhandenen in Holzbauweise anzupassen, kommen die Planer ebenfalls nach, um ein einheitliches Bild zu schaffen. Die Architekten favorisieren laut Jürgen Stark eine komplette Holzbauweise wie bei den anderen beiden Gebäuden. "Wir werden im nächsten Schritt aber auch darlegen, wie die Kosten in konventioneller Bauweise mit Holzfassade aussehen." Zunächst habe man eine Variante untersucht, die mehr Gemeinschaftsfläche für die Bewohner vorsah: Dies wäre eine Frage der Wirtschaftlichkeit, weil dann nur 15 statt 17 Wohnungen Platz hätten. Zudem stelle sich die Frage, wer sich dann um Pflege und Betreuung dieser Bereiche kümmern würde. Dass bislang noch keine Kosten genannt werden liegt laut Bürgermeister Strehl an dem noch frühen Stadium: "Das wäre unseriös". Klar sei, dass man im sozialen Wohnungsbau wegen der Förderung "einen bestimmten Kostenwert nicht überschreiten darf". Die Planer hätten ihm diesbezüglich "Mut gemacht" mit der Zusage, "das werden wir schaffen".

Aus beiden Fraktionen kam große Zustimmung zu den Vorschlägen der Architekten. SPD-Fraktionsvorsitzende Veronika Frenzel meinte, "das scheint eine gute Sache zu werden", merkte aber auch an, dass die Gemeinde darauf achten müsse, welche Bewohner dort einmal einziehen, "nicht, dass eine Gruppe der Bevölkerung abgehängt wird". Bürgermeister Strehl (CSU) sieht das ähnlich: "Wir müssen uns da schon Gedanken machen", schließlich bringe man im Seniorenwohnpark Eigentumswohnungen und sozialen Wohnungsbau zusammen.

"Lieber zwei Wohnungen mehr"

Aus ihren Erfahrungen als Lehrerin war Frenzel skeptisch bezüglich der Gemeinschaftsräume, um deren Pflege sich in der Praxis dann oft keiner kümmere: "Lieber zwei Wohnungen mehr", votierte sie für die Variante mit den 17 Appartments, die auch das Gremium insgesamt favorisiert. Unterschiedliche Meinungen gab es zur möglichen Fassaden-Gestaltung. Die dunklen Holzflächen gefielen etlichen Räten nicht, auch wenn sie dem Look der bestehenden beiden Bauten entsprechen. Jürgen Stark versicherte, dass es hier viele Möglichkeiten gebe, ohne dass man sich jetzt schon festlegen müsse.

Mehrere Räte machen sich Gedanken über die Breite der Tiefgaragenstellplätze, die ihnen angesichts der immer größer werdenden Autos und der Tatsache, dass man gezielt für Senioren plane, zu schmal erschienen. Auch hier signalisierte Jürgen Stark, dass man Alternativen prüfe: "Wenn wir unten zwei Stellplätze weglassen können und oberirdisch noch was finden, bin ich dabei." Am Ende bilanzierte Bürgermeister Strehl, der Gemeinderat sei "euphorisiert" und habe die Vorüberlegungen der Architekten "wohlwollend zur Kenntnis genommen". Jürgen Stark sagte, nun sei die Gemeinde gefordert. Sie müsse möglichst schnell kompetente Fachingenieure, Statiker und Fachplaner, etwa für Brand- und Schallschutz, beauftragen: "Wir sind startbereit, dass wir in die konkrete Planung übergehen können."

Projektleiterin Christine Harm, Katerina Äffaosyniolou und Jürgen Stark (von links) vom Münchener Architekturbüro Stark sind die Planer der Gemeinde Kümmersbruck bei deren sozialem Wohnungsbau-Projekt.
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