25.11.2021 - 16:47 Uhr
MantelOberpfalz

Vorhang auf für Franz Troglauer: Manteler Räuber im Burgtheater Vilseck

Ende des 18. Jahrhunderts waren die Troglauer Buam keine singenden Gaudiburschen, sondern Kriminelle. Warum das so kam, zeigt ein Theaterstück, das auf der Recherche des Mantelers Bernhard Weigl basiert und in Vilseck Premiere hat.

Vom Räuber Franz Troglauer gibt es kein überliefertes Bild. Sein Leben ist dank des Buchs von Bernhard Weigl aber nicht völlig von der Geschichte ausgeblendet.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

1995 tat Heimatforscher Bernhard Weigl, was ein Heimatforscher so macht. Er wälzte Akten im Staatsarchiv Amberg. "Es ging um was ganz anderes, durch Zufall stieß ich dann auf den Franz Troglauer." Neun Jahre später entstand aus diesem Fund ein Buch namens "Der Galgen ist mein Grab" über den berüchtigten Räuber aus Mantel, der an der Schwelle zum 19. Jahrhundert ganz Nordbayern unsicher machte und danach komplett in Vergessenheit geraten ist. Im Juni 2022 soll der Halunke nun seine Bühnenpremiere feiern.

Ein Räuber aus prekären Verhältnissen, der es zum Schauspielhelden bringt, da läuft im Vorspann zum Kopfkino der hundertfach verkitschte Robin-Hood- und Jennerwein-Mythos ab. Im Falle Troglauer hat Weigl der Legendenbildung gleich vorgebaut. Autor des Bühnenstücks, das auf Basis dieser Recherchen eine fiktive Geschichte erzählt, ist Bernhard Setzwein. "Da ist der Stoff in guten Händen", ist Weigl überzeugt.

Denn dieser 1754 geborene Franz Troglauer, Sohn einer Weber- und Hausiererfamilie aus Mantel, war kein Outlaw mit Herz. Schon als Jugendlicher geriet er mit dem Gesetz in Konflikt. Als er in seinem Heimatort als Soldat geworben werden sollte, soll er einen anderen Söldner mit dem Säbel verletzt haben. Bis zu seiner Hinrichtung 1801 in Amberg liest sich sein Strafregister nach heutigen Maßstäben so: räuberische Erpressung, Diebstahl, Einbruch, Hehlerei, Bedrohung, Wilderei, Körperverletzung, versuchte Tötung, Landfriedensbruch, Mitglied einer kriminellen Vereinigung.

Geschichte von unten

"Ein wahnsinnig interessanter Stoff. Das ist Geschichte von unten, aus der Sicht der Armen", beschreibt Weigl seine Faszination. Die hat auch Bernhard Setzwein angesteckt. Er hat sie in ein Drama umgesetzt, das die Zeitumstände stark zum Verhalten Troglauers in Beziehung setzt, ohne den Räuber zu romantisieren oder zu verdammen. Die Stadt Vilseck will diese Geschichte im Sommer mit bis zu zehn Vorstellungen unter freiem Himmel auf Burg Dagestein unter der Regie von Till Rickelt vom Landestheater Oberpfalz präsentieren. "Es wird mit Sicherheit kein 08/15-Räuberstück", verspricht Adolfine Nitschke vom Kulturamt der Stadt.

Das Team Setzwein/Nitschke schickte bereits "Lola Montez - Die falsche Spanierin" unter freiem Himmel ins Rampenlicht. Wie bei der Königsmätresse ist auch bei Troglauer der Vilseck-Bezug gegeben. Dort saß der Manteler 1796/97 auf Dagestein in der Zelle. Der Vorwurf lautete Pferdediebstahl.

Vor diesem Hintergrund strickte Setzwein ein Drama, das sowohl die Zeitumstände in der Oberpfalz kurz nach der Französischen Revolution schildert, als auch gruppendynamische Prozesse beschreibt, die es heute noch gibt. Troglauer und seine Geschwister waren Mitglieder oder Rädelsführer einer Räuberbande, die 60 bis 80 Mann stark war. "Ich könnte mir da schon Parallelen zur heutigen Zeit vorstellen, etwa in der arabischen Welt", sagt Setzwein. In seiner Adaption steht ein junger Vilsecker im Mittelpunkt, der einen inneren Konflikt durchmacht. Er weiß, dass Troglauer und Konsorten die schiefe Bahn bedeuten. Er ist auf der anderen Seite aber fasziniert von den schweren Jungs, die sich mit Gewalt das nehmen, was ihnen das Leben vorenthält. So ähnlich könnten junge Männer in Syrien oder Irak in die Fänge des IS geraten, spekuliert Setzwein.

Kind seiner Zeit

Daher hat er eine Kommentarebene in die Dramaturgie eingezogen. Ein Bänkelsängerpaar führt das Publikum zwischen den Szenen am roten Faden entlang durch das lokale Zeitgeschehen der Epoche zwischen Sturm auf die Bastille und Wiener Kongress.

Wie Weigl stellt sich Setzwein die Frage, was für ein Charakter dieser Troglauer war. Alles, was man heute über ihn weiß, stammt aus den Akten seiner Strafverfolger, andere Zeitdokumente sind bislang nicht bekannt. Setzwein lässt diesen Menschen heftige Gefühlsaufwallungen durchleben und kommt dabei auf spannende Ideen. So schildert er den Einbruch beim Bischof von Bamberg, bei dem es an sich wenig zu holen gibt, als eine Art Racheakt dafür, dass Troglauer im zum Fürstbischoftum Bamberg gehörenden Vilseck am Pranger dem Spott und dem Volkszorn ausgeliefert war.

Das Ende lässt Setzwein offen, ähnlich wie bei seinen Bühnenfassungen der Schicksale der Konnersreuther Resl oder Dietrich Bonhoeffers. Der Zuschauer soll sich gedanklich noch ein bisschen weiter mit dem Gezeigten beschäftigen. Die Besetzung steht noch nicht fest, ebenso wenig, wer neben Rickelt für die Inszenierung verantwortlich sein wird. Regieassistentin ist wie bei Lola Montez Maria Friedrich. Premiere ist am 24. Juni.

Bernhard Setzweins Lola Montez auf Burg Dagestein

Vilseck
So die Pandemie es zulässt, wird der Hof der Burg Dagestein in Vilseck Kulisse für die szenische Umsetzung des Lebens des Manteler Räubers Franz Troglauer unter der Regie von Till Rickelt.

Mehr zu Bernhard Weigls Forschungen über Franz Troglauer

Hintergrund:

Zur Person: Franz Troglauer

  • Geboren am 8. Juli 1754 in Mantel, erhängt am 6. Mai 1801 in Amberg
  • Ältester Sohn einer vielköpfigen Weber- und Kleinhändlerfamilie, die hausierend auch im Fränkischen unterwegs ist; Franz wird schon bald als Dieb straffällig; mit einigen Geschwistern schließt er sich der "Großen Fränkischen Räuberbande" an, die bis zu 180 Mitglieder stark gewesen sein soll
  • 1786 erstmals in Haft in Parkstein, mutmaßlich wegen Wilderei
  • 1796/97 in Vilseck als Pferdedieb zu einem halben Jahr Haft auf Burg Dagestein verurteilt
  • Später Gründung einer eigenen Räuberbande
  • Größter Coup: Einbruch beim Bamberger Weihbischof samt Diebstahl des Bischofsstabs
  • Versuch der Ermordung des Parksteiner Landrichters Georg von Grafenstein
  • Verhaftung in Regensburg, Flucht bei einem Gefangenentransport, weitere Verhaftung und Flucht in Straubing
  • Erwischt im Dezember 1800 in Freystadt bei Neumarkt, Prozess mit Verurteilung zum Tod in Amberg

 

 

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