Neustadt an der Waldnaab
11.12.2020 - 17:57 Uhr

Wenn die Maßnahmen gegen die Pandemie die Personalplanung prägen

In der Corona-Pandemie gelten neue Bedingungen für eine familienfreundliche Personalpolitik. Homeoffice, Schulschließung, Teil- Lockdown - Oberpfälzer Unternehmen berichten, wie sie diese Zeit meistern.

Masken, Handschuhe und das übliche Werkzeug der Friseure liegen im Salon Sengenberger bereit. Die Einhaltung der Hygieneregeln ist Friseurmeister Armin Sengenberger ein Muss, ebenso eine familienfreundliche Personalpolitik, damit alle gut durch die Pandemie kommen. Bild: Gabi Schönberger
Masken, Handschuhe und das übliche Werkzeug der Friseure liegen im Salon Sengenberger bereit. Die Einhaltung der Hygieneregeln ist Friseurmeister Armin Sengenberger ein Muss, ebenso eine familienfreundliche Personalpolitik, damit alle gut durch die Pandemie kommen.

Manchmal trifft alles zusammen - gerade in der Corona-Pandemie. Plötzlich muss das Kind eines Mitarbeiters in Quarantäne, oder Schule- und Kindertagesstätte sind geschlossen. Das stellt die Personalpolitik in Unternehmen vor besondere Herausforderung und erfordert Flexibilität - von Arbeitnehmern und Arbeitgebern. Flexibilität ist auch jetzt in den Tagen vor Weihnachten wieder gefragt. Die Verlängerung der Ferien wirft für Eltern die bange Frage auf: Wer betreut mein Kind? Für Friseurmeister Armin Sengenberger aus Neustadt/WN ist klar: Falls es in diesem Fall einer Mitarbeiterin nicht gelingen sollte, eine Lösung zu finden, versucht er zu helfen. Sein Betrieb war vor zwei Jahren als Bayerns familienfreundlichstes Unternehmen ausgezeichnet worden.

Der Friseur- und Kosmetiksalon ist eines von mehr als 70 Oberpfälzer Unternehmen, die sich am "Familienpakt Bayern" beteiligen. Bayernweit sind es mehr als 1000. Der 1000. Betrieb, der beigetreten ist, ist auch in der Region zu Hause: die Leistritz Produktionstechnik GmbH in Pleystein (Kreis Neustadt/WN). Dort ist zumindest in der Verwaltung möglich, was einem Friseursalon verwehrt bleibt - dass Mitarbeiter ins Homeoffice wechseln. In der Produktion sind es vor allem Teamgeist und Hilfsbereitschaft der Kollegen untereinander. Sie tauschten Schichten, falls einer einen freien Tag benötige, sagt Personalreferentin Carina Müller.

Neustadt an der Waldnaab26.10.2020

Verwandtschaft als Helfer

Müller weist noch auf einen anderen Aspekt hin. Im ländlichen Bereich hätten Mitarbeiter häufig Verwandtschaft in der Nachbarschaft, die bei der Betreuung der Kinder aushelfen könnten.

Das hat auch Markus Block, Personalreferent bei emz - Hanauer in Nabburg (Kreis Schwandorf), beobachtet. Um die Mitarbeiter zu unterstützen, hatte emz, ebenfalls Mitglied im "Familienpakt", im Sommer zeitweise sogar die Betreuungsmöglichkeit im Unternehmen geschaffen. Am Buß- und Bettag war diese wegen der Hygieneregeln nicht mehr möglich, obwohl emz dies gerne eine weiteres mal angeboten hätte. Auch Block berichtet, dass die Kollegen in der Produktion durch Tausch der Schichten selbst für die nötige Flexibilität sorgen.

Seine Beobachtung ist, dass Mitarbeiter im Homeoffice mit ganz neuen Problemen kämpfen. Gerade kleinere Kinder müssten erst verstehen lernen, dass Vater oder Mutter nicht gestört werden dürfen, wenn sie arbeiten. Beim Schaltanlagenbauer Jokiel in Amberg haben sie in der Produktion keinen Schichtbetrieb, so dass Mitarbeiter Urlaub nehmen oder Überstunden abfeiern müssen, wenn sie Betreuungsbedarf haben. Kollegen in der Verwaltung hätten die Möglichkeit, ins Homeoffice zu wechseln, sagt Matthias Hummel.

Wie wichtig eine familienfreundliche Haltung des Betriebes ist, hat Ulrike Guttenberger erlebt, als sie mit ihrem Mann Michael den Handwerksbetrieb Elektro Guttenberg in Moosbach (Kreis Neustadt/WN ) aufgebaut hat und ihre Kinder noch klein waren. Inzwischen sind diese selbst im Betrieb. Sie berichtet, dass bei manchen Kunden das Verständnis fehle, wenn wegen der Pandemie nicht alles möglich sei.

Nabburg06.04.2020

Prämie für Mitarbeiter

Arbeitnehmer belastet in der Pandemie aber nicht nur die Frage der Kinderbetreuung. Dazu kommen manchmal Existenzsorgen, etwa wegen Kurzarbeit. Das blieb emz Hanauer erspart, sagt Block. Im Gegenteil. Der Zulieferer für große Hausgeräte-Hersteller zahlt an seine Mitarbeiter eine Corona-Prämie. Das plant auch Friseurmeister Sengenberger. Was ihn antreibt? Vertrauen und Loyalität sind für ihn wichtige Werte.

Hintergrund:

„Familienpakt Bayern“ und die Corona-Pandemie

Was ist der Familienpakt?

Der „Familienpakt Bayern“soll helfen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf kontinuierlich zu verbessern. Dazu hat die Staatsregierung mit der Wirtschaft einen Pakt geschlossen, an dem sich inzwischen mehr als 1000 Unternehmen Beteiligen.

Was bietet der Pakt?

Eine Servicestelle dient als Ansprechpartnerin für Unternehmen und Initiativen, die sich für eine familienbewusste Arbeitswelt einsetzen. Diese bietet Beratung, auch im Hinblick auf Corona-Pandemie, und eine Lotsenfunktion, etwa durch Hinweise auf Unterstützungsangebote, sowie die Möglichkeit zur Vernetzung aller Akteure.

Der Familienpakt im Netz

 
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