23.03.2020 - 18:47 Uhr
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Sport in Coronazeiten und Schutzmasken: Antworten auf Leserfragen [Teil 6]

Vieles ist weiter offen. Kann man sich etwa beim Joggen anstecken? Kann mir mein Chef Urlaub anordnen? Und sind selbstgenähte Schutzmasken sinnvoll? Der nächste Teil der Antworten auf die Fragen unserer Leser.

Sport an der frischen Luft tut gut, auch in der derzeitigen Situation. Wichtig ist allerdings: Entweder alleine oder zu zweit laufen. Der Abstand zueinander sollte immer mindestens zwei Meter sein.
von Julian Trager Kontakt Profil

Unsere Leser schicken uns weiter ihre Fragen zur Coronakrise. Hier finden Sie Teil 6 der Antworten auf die Fragen unserer Leser.

Arbeitsausfall, Supermärkte, ÖPNV: Teil 1 der Leserfragen

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Polizei, Handwerk, Urlaub: Teil 2 der Leserfragen

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Kurzarbeit, Ärzte, Soforthilfen: Teil 3 der Leserfragen

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Ausgangssperre in Mitterteich: Teil 4 der Leserfragen

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Ausgangsbeschränkungen in Bayern: Teil 5 der Leserfragen

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Kann man sich beim Joggen oder Radfahren anstecken?

Ja, wenn man keinen Abstand von zwei Metern zu anderen Menschen einhält. „Das ist wirklich wichtig. Je nach Witterung verteilt sich so ein Virus wie Rauch in der Luft; es sinkt mal schneller, mal langsamer zu Boden“, sagt Sportmediziner Perikles Simon dem "Tagesspiegel". „Deshalb ist es durchaus möglich, dass man sich beim Joggen ansteckt oder eben andere ansteckt, wenn man den Abstand von zwei Metern nicht einhält.“ Die Risiken seien am größten, wenn es neblig und feucht sei sowie wenig Wind gebe. UV-Strahlen seien hingegen schlecht für Viren. „Deswegen empfehle ich Sport bei schönem Wetter.“ Wer moderat physisch aktiv ist, der stärkt sein Immunsystem. Das steht über den möglichen Risiken“, sagt Simon.

Wie wichtig ist Sport in der Coronakrise?

Bewegung und Ausgleich sind gerade in der aktuellen Situation wichtiger denn je: Bewegung und körperliche Aktivität fördern das psychische und körperliche Wohlbefinden. Je schlechter man sich fühlt, desto mehr profitiert man von körperlicher Aktivität. Das gilt sowohl für die Stimmungslage als auch für das körperliche Befinden.

Was ist, wenn der Chef die Firma schließt? Bekomme ich weiterhin mein Gehalt?

Ja. Entschließt sich der Arbeitgeber aus freien Stücken den Betrieb vorübergehend zu schließen, kann er dies natürlich tun, teilt der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) mit. Der Arbeitgeber „muss dann aber auch in diesem Fall das Entgelt weiterzahlen und darf ohne ausdrückliche Vereinbarung auch hier nicht auf die Stundenkonten der Beschäftigten zurückgreifen“. Arbeitnehmer einfach nach Hause schicken, ohne Lohn zu zahlen, dürfe der Arbeitgeber auch nicht. „Vielmehr trägt der Arbeitgeber das sogenannte Betriebs- und Wirtschaftsrisiko, auch bei unrentabler Beschäftigung.“ In der augenblicklichen Situation können Unternehmen vermehrt auf Kurzarbeit zurückgreifen und die Entgeltausfälle über Kurzarbeitergeld abfedern. Diese Leistung muss vom Arbeitgeber beantragt werden.

Kann mir der Chef anordnen, Urlaub oder Überstunden zu nehmen?

Grundsätzlich kann der Arbeitgeber den Arbeitnehmer nicht gegen seinen Willen in den Urlaub schicken, erklärt der DGB. Ausnahmen gelten für Betriebsferien. Diese müssen allerdings – falls vorhanden – mit dem Betriebsrat vereinbart werden. „In betriebsratslosen Betrieben ist zwar eine einseitige Anordnung möglich, es muss aber mit ausreichend Vorlauf passieren; zudem ist billiges Ermessen zu berücksichtigen; auch muss genug Resturlaub zur freien Verfügung verbleiben und sind die Belange der Beschäftigten zu berücksichtigen.“ Von heute auf morgen den Urlaub einseitig anzuordnen, ist also laut DGB grundsätzlich nicht zulässig. In der augenblicklichen Situation seien alle gut beraten, nach einvernehmlichen Lösungen zu suchen. Auch der einvernehmlich vereinbarte Abbau von Überstunden kann ein Mittel sein, um die Zeit zu überbrücken. Was die Minusstunden betrifft: Arbeitgeber dürfen laut Gewerkschaft nicht einseitig Arbeitszeitkonten mit Minusstunden belasten. Denkbar sind allerdings tarifvertragliche oder arbeitsvertragliche Regelungen, die die Nutzung von Arbeitszeitkonten zur Überbrückung von Auftragsschwankungen vorsehen.

Immer öfter liest man im Internet von selbstgemachten Schutzmasken. Ist das ein Schmarrn oder sinnvoll?

Aus Expertensicht sind solche selbstgenähten Masken nicht völlig abwegig. Wenn jemand beim Tragen eines solchen Mundschutzes ein gutes Gefühl habe, könne man das ruhig machen, sagte etwa Christian Drosten, Virologe an der Berliner Charité, dem NDR. Der niedersächsische Hausärzteverband verschickte sogar eine Nähanleitung für einen Behelf-Nasen-Mund-Schutz. Dieser sei allerdings weder geprüft noch zertifiziert und stelle lediglich ein Hilfsmittel dar, hieß es in einem Brief des Landeschefs des Hausärzteverbandes, Matthias Berndt, an die Mitglieder. Das Amberger Klinikum hat von rund 50 Näherinnen aus Amberg und dem Kreis Amberg-Sulzbach mehr als 300 Mund-Nasen-Schutzmasken bekommen.

Aktuell verbreitet sich eine Sprachnachricht über Whatsapp, in der eine angebliche Amberger Krankenschwester von mehr als zehn neuen Intensivfällen im Amberger Klinikum spricht. Stimmt das?

Nein, das ist falsch. „Das können wir dementieren“, sagt eine Presssprecherin des Amberger St.-Marien-Klinikums. Klinikumsvorstand Manfred Wendl appellierte in einer Pressemitteilung: „Wir weisen ganz ausdrücklich darauf hin von Gerüchten Abstand zu nehmen und diese auch noch zu verbreiten – wie es in den vergangenen Tagen geschehen ist. Wir dementieren vehement das Gerücht, unsere Kapazitäten seien erschöpft.“ Eine Verbreitung solcher Falschnachrichten erschwere nur die Arbeit, besonders die des medizinischen Personals, das hervorragende Arbeit leiste. „Bitte nehmen Sie Rücksicht, damit wir alle die derzeitige Situation gut bewältigen können.“ Derzeit befänden sich im St.-Marien-Klinikum drei bestätigte Covid-19-Patienten sowie sieben Verdachtsfälle.

Was macht die Polizei bei solchen Falschnachrichten?

Auf Instagram, Facebook und Whatsapp verbreiten sich solche Fake-News in Windeseile. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) rief auf Twitter dazu auf, nicht auf „diesen Quatsch“ und „Unsinn“ zu hören. Für die Verbreiter der Nachrichten fand sie klare Worte auf Twitter: „Das ist kein Spaß, ihr spielt mit der Angst der Leute. Das ist unanständig.“ Und auch ein Fall für die Polizei. „Wenn uns so etwas bekannt ist, verfolgen wir das und ermitteln“, sagt Franziska Meinl von der Pressestelle des Polizeipräsidiums Oberpfalz.

Wie kann man solche Falschnachrichten erkennen?

Viele Kettenbriefe auf Whatsapp tarnen sich als persönliche Erfahrungsberichte. Dort heißt es dann etwa: „Der Onkel eines Klassenkameraden von mir hat einen Masterabschluss und arbeitet im Krankenhaus in Shenzhen …" Grundsätzlich gilt: Wer rund ums neuartige Coronavirus vermeintlich hilfreiche Informationen per Whatsapp und die sozialen Medien erhält, sollte skeptisch sein. Erklären angebliche Ärzte, wie man sich vermeintlich gegen eine Infektion mit dem Virus schützt, und was man bei einer Infektion tun sollte, handelt es sich dabei ziemlich sicher um einen Kettenbrief mit unsinnigen Inhalten, berichtet das Fachportal "Heise online".

Was sollte man tun, wenn man solche Nachrichten erhält?

In den meisten Fällen kommen Nachrichten in sozialen Netzwerken von Bekannten. Ihnen zu sagen, dass sie auf Fake-News hereingefallen sind, kann unangenehm sein. Klicksafe, eine Online-Plattform zur Förderung der Medienkompetenz im Internet, rät. "Prüft man die Information und findet heraus, dass es sich um eine Falschmeldung handelt, sollte man doch freundlich darauf aufmerksam machen und über Fake-News aufklären." Im Zweifel gilt: Nicht teilen und prüfen, woher die Information tatsächlich kommt. Vertrauenswürdige Informationen gibt es beim Robert-Koch-Institut, bei der WHO oder auf der Seite des Bundesgesundheitsministeriums.

Gibt es Vorschriften für Bewohner von Altenheimen? Dürfen sie jederzeit raus?

Rein rechtlich dürften die Bewohner das Heim verlassen, erklärt Martin Preuß, Leiter des Seniorenzentrums Am Herzogschloss in Sulzbach-Rosenberg. Aber: „Wir bitten unsere Bewohner inständig, vernünftig zu sein und das Haus nicht zu verlassen.“ Die aktuelle Situation sei eben „hochgefährlich“. Die Lage in Würzburg, wo in einem Altenheim neun Menschen an Covid-19 gestorben sind, zeige, wie dramatisch die Lage sein könne. Die Bewohner sollen aber trotz allem nicht auf Kontakt zur Außenwelt verzichten. „Wir bemühen uns, zu vermitteln, mit vielen Telefonaten, Bildern und Briefen“, so Preuß. Die Senioren halten sich an die Bitte des Heimleiters, erklärt Preuß. „Sie sind sehr, sehr vernünftig.“ Sie verstünden die Situation. Preuß erzählt von einem Gespräch mit eine 90-jährigen Bewohnerin. Sie habe gesagt: „Da kann man nichts machen. Da müssen wir jetzt zusammenhalten.“

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