18.03.2020 - 13:33 Uhr
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Alltag mit Corona: Antworten auf Leser-Fragen [Teil 3]

In Bayern herrscht seit Montag der Katastrophenfall. Was bedeutet das für den Alltag der Bevölkerung? Hier geht's zum dritten Teil der Antworten auf unsere Leserfragen.

Der neuartige Coronavirus ist nicht nur im Alltag der Menschen angekommen, sondern auch in der Kunst: Die Glasskulptur des Coronavirus vom britischen Künstler Luke Jerram ist mit einem Durchmesser von 23 Zentimeter rund eine Million Mal größer als der eigentliche Virus.
von Julian Trager Kontakt Profil

Wir haben unsere Leser aufgerufen, uns ihre konkreten Fragen zum stark eingeschränkten Alltag mit dem Coronavirus zu schicken. Hier finden Sie den dritten Teil der Antworten.

Strom, Arbeit, Supermärkte: Teil 1 der Leser-Fragen

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Polizei, Betriebe, Urlaub: Teil 2 der Leserfragen

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Ausgangssperre und Geschäfte: Teil 4 der Leser-Fragen

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Meine Firma meldet Kurzarbeit an: Muss ich erst Urlaub abbauen?

Kurzarbeit meldet der Arbeitgeber an, wenn der Arbeitsausfall unvermeidbar ist und das Unternehmen alles getan hat, um ihn zu vermindern oder zu beheben. “Das bedeutet, dass zunächst auch Zeitguthaben, Überstunden oder Ähnliches “abgefeiert” werden müssen”, sagt Johannes Schipp, Fachanwalt für Arbeitsrecht dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Was bedeutet Kurzarbeit für mein Gehalt?

Arbeitnehmer erhalten 60 Prozent ihres Nettolohns für die ausfallende Arbeitszeit, wenn sie Kurzarbeit machen müssen, sagt Arbeitsrechtsanwalt Schipp. Ein Beispiel: Wer wie üblich statt fünf Tage nur noch vier Tage pro Woche arbeitet, bekäme 80 Prozent des Lohns weiter vom Arbeitgeber. Für die übrigen 20 Prozent erhalten Beschäftigte die Kompensationszahlung von der Arbeitsagentur. Lebt mindestens ein Kind mit im Haushalt, beträgt das Kurzarbeitergeld 67 Prozent. Arbeitgebern werden die Sozialversicherungsbeiträge erstattet.

Kurzarbeit, Soforthilfe, Schließungen: Wo können sich Betriebe informieren?

Die IHK Regensburg für Oberpfalz/Kelheim hat für Unternehmen Info-Hotlines eingerichtet. Die IHK reagiert damit auf die riesige Nachfrage ihrer Mitglieder. Seit Montag gingen mehr als 1000 Anrufe ein, teilte die IHK mit. „Wir haben die Anfragen thematisch gebündelt und mehrere zentrale Expertenhotlines eingerichtet, damit wir unseren rund 91.000 Mitgliedsunternehmen zielgerichtet weiterhelfen können“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Jürgen Helmes. Die Hotlines sind Montag bis Donnerstag von 8 bis 17 Uhr und Freitag von 8 bis 15 Uhr erreichbar. Es kann zu Wartezeiten kommen. Finanzierung, Hilfsgelder, Überbrückungskredit, Selbstständige: 0941/5694-111; Internationales Geschäft, Export, Logistik, Verkehr und Tschechien: 0941/5694-112; Arbeitsrecht und weitere rechtliche Fragen: 0941/5694-113; Dienstleistungen, Handel, Gastgewerbe und Steuern: 0941/5694-114; Kurzarbeit: 0941/5694-115; Ausbildung: 0941/5694-116; Weiterbildung: 0941/5694-117.

Welche Werke in der Oberpfalz schließen? Gibt es dazu zentrale Infos?

Nein. Bisher ist bekannt, dass BMW seine Werke in Europa für vier Wochen stilllegt, also auch die Werke in Regensburg und Wackersdorf. Auch die Glashütte Lamberts in Waldsassen stellt die Produktion ein. Zudem gab ATU am Dienstagabend bekannt, ihre Filialen zu schließen.

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Sollten Verkäuferinnen in Bäckereien, Metzgereien, etc. nicht einen Mundschutz zu ihrem Schutz tragen?

Das ist nicht nötig. Laut Robert-Koch-Institut ist der beste Schutz das Einhalten der Husten- und Niesregeln, eine gute Händehygiene sowie Abstand. Die Weidener Bäckerei Brunner etwa teilt mit, dass sich ihre Verkäuferinnen noch öfter die Hände waschen sollen – auch wenn dadurch vielleicht ein Kunde kurz warten muss. Ein Mundschutz kann dann sinnvoll sein, wenn man selbst an einer akuten Atemwegsinfektion erkrankt ist - um das Risiko einer Ansteckung anderer Personen zu verringern.

Fragen und Antworten im Video

Dürfen Tierärzte noch offen haben?

Ja, das teilt die Bayerische Landestierärztekammer (BLTK) am Mittwoch mit. Die BLTK und der Bundesverband praktizierender Tierärzte (BPT) Landesverband Bayern haben die Gesundheitsministerin Melanie Huml gebeten, alle Tierärzte, tiermedizinischen Fachangestellten und Tierpfleger als systemrelevante Berufe einzustufen. „Diese Maßnahmen sind zur Sicherstellung der Behandlung kranker Tiere im Nutztier- und Heimtierbereich sowie der Aufrechterhaltung der Tierseuchenbekämpfung und Lebensmittelsicherheit in Bayern wichtig“, heißt es in einem Schreiben. Für die Tierpraxen gibt es mehrere Maßnahmen, die sie nun einhakten sollen.

Haben alle Allgemeineärzte und Fachärzte noch offen?

Ja, also auch Orthopäden oder Psychiater. Aber einzelne Praxen können geschlossen haben. „Da müssen sich die Menschen selbst vorher informieren“, sagt Axel Heise, Pressesprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB). Per Anruf beim Arzt oder im Internet. „Eine Praxis hat nur zu, wenn sie unter Quarantäne steht“, so Heise. Das werde vom Gesundheitsamt entschieden.

Haben Zahnärzten offen?

Ja, allerdings nicht mehr alle. Aufgrund der Corona-Pandemie richtet die Kassenzahnärztliche Vereinigung Bayerns (KZVB) einen zahnärztlichen Notdienst unter der Woche ein – zusätzlich zum laufenden Praxisbetrieb. Teilnehmen können daran alle Praxen, die behandlungsfähig sind. Patienten, die einen Zahnarzttermin brauchen, werden gebeten, zunächst telefonisch ihren Hauszahnarzt zu kontaktieren. Sollte diese Praxis den Betrieb eingestellt haben, können Patienten eine der Praxen aufsuchen, die sich für den Notdienst unter der Woche gemeldet hat. Die KZVB erstellt derzeit eine entsprechende Liste, die voraussichtlich ab Montag, 23. März 2020, auf kzvb.de stehen wird. Die Versorgung sei aber sicher, es werden pro Landkreis weiter mehrere Praxen, die genügend Ausrüstung haben, offen bleiben.

Haben Zahnärzte genügend Schutzausrüstung?

Nein. Es fehlt laut KZVB unter anderem an Mundschutz, Desinfektionsmitteln und Schutzkleidung. „Wir bräuchten eigentlich Atemschutzmasken wie in den Intensivstationen. Aber die kriegen wir momentan nicht“, heißt es von der KZVB.

Sollte man noch zum Zahnarzt gehen?

„Nur bei Schmerzen und wenn eine Behandlung unbedingt noch fertigstellt werden muss“, erklärt ein KZVB-Sprecher. Ansonsten sollte man Behandlungen verschieben. „Nicht, weil man sich bei der Behandlung infizieren kann, sondern weil man mögliche soziale Kontakte vermeiden soll.“ Auch der zahnärztliche Notdienst soll nur in Notfällen genutzt werden – und nur mit vorheriger Terminvereinbarung am Telefon.

Können die Patienten weiterhin zur Physiotherapie kommen?

Ja, aber nur in medizinisch dringenden Notfällen. Jeder Arzt, der aktuell eine Verordnung über Physiotherapie ausstellt, wird in der momentanen Situation neben der Frage, ob ein Behandlung medizinisch notwendig ist, auch abwägen, ob eine Behandlung mit Blick auf mögliche Infektionsrisiken dringend erforderlich oder doch aufschiebbar ist, schreibt der bayerische Landesverband für Physiotherapie.

Bleiben die Physiotherapie-Praxen weiterhin geöffnet?

Ja, nach Aussage der Bundesregierung sollen alle medizinischen Einrichtungen weiterhin geöffnet bleiben. Ein Blick ins europäische Ausland zeigt, dass der Bedarf an Therapieangeboten im ambulanten Bereich bei einem Anstieg der Covid-19-Patienten, die stationär versorgt werden müssen zunimmt, da andere Patientengruppen (z.B. Unfallpatienten) nicht mehr stationär versorgt werden können, so der bayerische Landesverband für Physiotherapie.

Ich vermiete Ferienwohnungen. Dürfen Gäste noch anreisen?

Nein, jedenfalls keine Touristen. Bundesregierung und Bundesländer haben vereinbart, dass Übernachtungsangebote im Inland nur zu notwendigen und ausdrücklich nicht zu touristischen Zwecken genutzt werden dürfen.“Wir empfehlen, die Privatreisenden umgehend über die staatlich angeordnete Stornierung zu informieren“, erklärt der Bayerische Hotel- und Gaststättenverband.

Muss ich Gäste, die vor dem Erlass angereist sind, nach Hause schicken?

Ja. „Alles, was privater Natur ist, muss heim“, teilt die Dehoga-Pressestelle mit.

Können Taxifahrer weiterarbeiten?

Ja. "Soweit mir bekannt ist, gibt es derzeit noch keine Anweisung, den Fahrbetrieb einzustellen", erklärt Hans Artmann von der Taxizentrale Amberg. "Wir sind als Beförderungsmittel insbesondere für Dialysepatienten und Krebspatienten unentbehrlich."

Wie werden Taxifahrer geschützt?

"Als Schutzmaßnahmen kann ich nur empfehlen, nach jeder Personenbeförderung die Hände mit Desinfektionsmittel einzureiben und, wenn möglich, so oft wie möglich die Hände zu waschen", sagt Artmann. "Des Weiteren habe ich an der Seitenscheibe eine Info angebracht, dass die Fahrgäste im hinteren Bereich des Taxis Platz nehmen sollen, um einen Sicherheitsabstand zum Schutz des Fahrers einzuhalten."

Warum sind die Maßnahmen nötig?:

Ohne Maßnahmen breitet sich das Virus ungebremst aus. Da Experten derzeit davon ausgehen, dass sich mehr als zwei Drittel der Bevölkerung anstecken wird, ist es nötig, die Ausbreitung zu bremsen. Dazu müssen soziale Kontakte begrenzt werden. Trifft es ein, dass sich zwei Drittel der Bevölkerung in Deutschland anstecken, würde das Virus im Land rund 58 Millionen Menschen infizieren. Rechnet man, so wie es die Zahlen aus China nahe legen, mit etwa einem Sechstel schwerer Verläufe, müssten 8,7 Millionen Menschen im Krankenhaus behandelt werden, rechnet die "Süddeutsche Zeitung" vor. Zwischen 300.000 und 1,8 Millionen Menschen könnten demnach letztlich an der neuen Krankheit sterben. Nicht eingerechnet sind dabei die Patienten mit anderen Krankheiten, die wegen des überlasteten Gesundheitssystems nicht behandelt werden könnten.

Fragen und Antworten zum Coronavirus selbst

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Haben Werkstätten für behinderte Menschen noch offen?

Nein. Ab Mittwoch werden alle Werkstätten für Menschen mit Behinderung vorerst bis 19. April geschlossen. Das teilte Bernhard Albrecht, Leiter der Jura-Werkstätten in Amberg, am Dienstag auf Nachfrage mit. Für Notfälle soll es wie in Schulen und Kindergärten eine Notbetreuung geben. "Die Schließung gilt nur für unsere betreuten Mitarbeiter", sagt Albrecht. Alle anderen Angestellten arbeiten weiter.

Welche Auswirkungen hat die Krise auf die Zeitung?

Weiden in der Oberpfalz

Weltweite Reisewarnung: Kann ich jetzt meinen Urlaub kostenlos stornieren?

Ja, auch wenn das Zielland kein Einreiseverbot verhängt hat wie aktuell noch Großbritannien. Durch die allgemeine Reisewarunung des Auswärtigen Amts ergibt sich für die Kunden eine neue Rechtslage. Zumindest galt eine Reisewarnung vor der Coronakrise als eine wesentliche Voraussetzung für die Absage einer Pauschalreise ohne Stornogebühren. Reiseveranstalter müssen den Preis der gesamten Reise zurückerstatten, wenn die Bundesregierung vor der Reise in eine bestimmte Region warnt. So haben es die Gerichte zumindest bisher entschieden. Aber: „Letztendlich ausschlaggebend ist nicht die Reisewarnung des Auswärtigen Amts, sondern die juristische Frage, ob außergewöhnliche, unvermeidbare Umstände vorliegen. Dies ist im Einzelfall zu klären“, erklärt das Außenministerium laut der "Welt".

Kann ich Reisen, die in einigen Wochen oder Monaten anstehen, kostenlos stornieren?

Das ist unklar. Das hängt auch davon ab, ob es zum Zeitpunkt der Reise noch einen Einreisestopp ins Zielland oder eine allgemeine Reisewarnung des Auswärtigen Amts. Die Verbraucherzentrale empfiehlt laut BR allen, deren Reise erst in einigen Wochen oder Monaten ansteht, Kontakt mit ihrem Reiseveranstalter oder Anbieter aufzunehmen, falls sie die Reise nicht antreten wollen. Fluglinien und Reiseveranstalter zeigten sich durchaus kulant. Wer jetzt eine Reise frühzeitig auf eigenes Risiko storniert und dafür zahlen muss, bekommt das Geld zurück, wenn zum Reisezeitpunkt immer noch keine Reise möglich ist. Das stimmt nicht aber nicht ganz. „Kunden, die zum Beispiel erst im Mai fliegen und diese Entscheidung nicht abwarten wollen, können aktuell mit Stornogebühren zurücktreten, erhalten diese aber nachträglich nicht zurück, selbst wenn für das Land später die kostenfreie Regelung eingeführt wird“, erklärt Sonja Honig von Dronzella-Reisen in Amberg. Kunden sollten also erst einmal abwarten, wie die Veranstalter in Rücksprache mit dem Auswärtigen Amt entscheiden. Das erfolge teilweise erst ein bis zwei Wochen vor Reisebeginn.

Ist die Soforthilfe für kleine Betriebe in Bayern ein Darlehen?

Bei der Soforthilfe handelt es sich um einen Zuschuss und kein Darlehen, erläutert das Wirtschaftsministerium auf Nachfrage. Sie sei vergleichbar mit der Soforthilfe des Freistaates nach dem Hochwasser 2013.

Infos zu den Soforthilfen

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Wird man getestet, wenn man Kontakt zu einem Coronainfizierten hatte?

Ja. Wer Kontakt zu einem bestätigen Covid-19-Fall hatte wird getestet, genau wie Menschen, die Symptome aufweisen und sich vorher in einem Risikogebiet aufgehalten haben.

Wie wird das Coronavirus überhaupt getestet?

"Das Robert-Koch-Institut empfiehlt eine Probenentnahme aus den oberen und unteren Atemwegen“, heißt es aus Gesundheitsämtern. Es werden Abstriche aus dem Nasen-Rachen-Raum und Proben des Hustenauswurfs entnommen. Die Proben werden dann in Laboren auf das Coronavirus untersucht. Sars-CoV-2 nachzuweisen, dauert ungefähr fünf Stunden, ein Testergebnis kann also innerhalb eines Tages vorliegen. Manche Labore testen allerdings in Chargen, um den Materialverbrauch zu senken. In solchen Fällen kann es auch länger dauern. Der Test gilt als sehr zuverlässig.

Wie wird das Coronavirus behandelt?

Die Behandlung der Infektion richtet sich laut Bundesgesundheitsministerium nach der Schwere des Krankheitsbildes (zum Beispiel Sauerstoffgabe, Ausgleich des Flüssigkeitshaushalts, gegebenenfalls Antibiotikagabe zur Behandlung von bakteriellen Begleitinfektionen) und umfasst auch die Behandlung von relevanten Grunderkrankungen. Eine spezifische - sprich: gegen das neuartige Coronavirus selbst gerichtete Therapie - steht derzeit noch nicht zur Verfügung. Eine Schutzimpfung gibt es ebenfalls noch nicht. Es wird aber an der Entwicklung eines Impfstoffes gearbeitet.

Kann man sich durch Obst oder Gemüse anstecken?

Das ist unwahrscheinlich. Bundesministerin Julia Klöckner betont: „Nach derzeitigem Wissensstand ist es unwahrscheinlich, dass importierte Waren wie Lebensmittel die Quelle einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus sein könnten. Hauptgrund dafür ist die relativ geringe Umweltstabilität der Viren.“ Das gilt laut Bundesinstitut für Risikobewertung auch für aus Risikogebieten importierte Früchte.

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