06.04.2021 - 18:07 Uhr
PoppenrichtOberpfalz

Koreanisch kochen mit Youtube-Videos aus Poppenricht

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Was hilft gegen Heimweh? Kochen. Zumindest bei Sun-Hwa Jung ist das so. Die Koreanerin lebt gern in Poppenricht (Amberg-Sulzbach). Aber das koreanische Essen fehlt ihr. Deshalb kocht sie. Und teilt ihre Rezepte per Video über Youtube.

Videodreh in Nachbars Küche: Christian Kreil filmt Sun-Hwa Jung, wenn sie alle zwei Wochen ein neues koreanisches Gericht vorstellt und zeigt, wie man es nachkocht. Zum Auftakt werden immer erst einmal die Zutaten vorgestellt – die sind meist gar nicht so exotisch, wie man meinen könnte.
von Heike Unger Kontakt Profil

In ihrem Heimatland Korea hatte Sun-Hwa Jung keinen Grund, selbst zu kochen. Jetzt, in ihrer Wahlheimat, in Poppenricht, gibt es einen: Heimweh. Sun-Hwa Jung lebt gern hier, aber sie vermisst koreanisches Essen. Und weil das in den hiesigen Restaurants nicht zu bekommen ist, hat sie angefangen, selbst zu kochen. Und lässt andere, die koreanische Küche lieben oder sie kennenlernen möchten, daran teilhaben: Sun-Hwa Jung lässt sich in ihrer Küche von ihrem Nachbarn Christian Kreil filmen – in Amberg-Sulzbach kennt man ihn als Gründer des Produktions-Teams "Filmmaschine". Die koreanischen Koch-Videos aus Poppenricht sind seit Ende 2011 bei Youtube zu sehen. Zehn sind es bislang – Fortsetzung folgt.

Sun-Hwa Jung ist mit einem Oberpfälzer verheiratet. Ihr Mann, Christoph Lindenberger, stammt aus Auerbach. Vor einigen Jahren führte ihn sein Beruf nach Korea, wo sich die beiden dann begegnet sind. Neun Jahre ist das her. Inzwischen sind sie verheiratet, ein Stellenangebot für Christoph Lindenberger in Amberg brachte das Paar 2018 nach Poppenricht. Auch Sun-Hwa Jung arbeitet in Amberg, sie forscht im Bereich der Bioverfahrenstechnik. Und ist neuerdings auch Hobbyköchin. "In Korea hab' ich fast gar nicht gekocht", verrät sie lachend: Essen gehen sei dort nicht teuer und die Auswahl an Restaurants groß. "Wir arbeiten beide so lang, da hat man keine Lust, dann noch zu kochen."

Typisch: Fermentiertes

Seit sie in Deutschland lebt, hat sich das geändert. Sun-Hwa Jung fehlt das koreanische Essen. "Es ist der Geschmack, den ich vermisse", so formuliert sie es: Sojasauce, Chili-Pepper-Sauce, fermentierte Bohnenpaste. "In Korea wird überhaupt viel fermentiert", fügt sie hinzu. Der fermentierte Kohl "Kimchi" hat es inzwischen auch hierzulande zu einer gewissen Bekanntheit gebracht. All das macht für Sun-Hwa Jung die Küche ihrer Heimat aus. "Das ist das, was ich am meisten vermisse": Deshalb hat sie mit dem Kochen angefangen. Dabei lässt sie sich von Rezepten auf koreanischen Webseiten inspirieren. "Ich suche viel im Internet", sagt sie – aber sie übernimmt sie nicht eins zu eins, sondern verändert die Gerichte. So, wie sie für sie schmecken müssen.

Die nötigen Zutaten zu bekommen, sei gar nicht so schwierig, erzählt sie. Gekocht wird "viel mit Lauch, Zwiebeln, Knoblauch, Karotten, Chinakohl". All das bekommt sie auch problemlos in ihrer Wahl-Heimat. Manches kauft sie im Internet, vieles gibt es auch im Asia-Laden in Amberg. Nur beim rohen Fisch sei es schwierig. "Der ist hier nicht so, wie er sein muss." Manches, was in Korea auf den Tisch kommt, kennt man in Deutschland auch gar nicht. Zum Beispiel Sesamblätter, die als Salat gegessen werden, wie Christoph Lindenberger anmerkt. "Sehr fein und nussig im Geschmack." Seine Frau fügt hinzu, dass zum Teil auch die ganze Pflanze gegessen wird – also zum Beispiel auch das Grün von Knoblauch und Süßkartoffel oder die jungen Blätter der Chili.

Essen in großer Runde

"Ich liebe Kochen", sagt Sun-Hwa Jung. Deshalb gibt es im Haus der Lindenbergers in Poppenricht auch überwiegend koreanisches Essen. In Korea war es umgekehrt, da kochte Christoph Lindenberger gern deutsch oder oberpfälzisch. Sein Lieblingsessen dort war Leberwurst. Kann man die denn in Korea kaufen? Er lacht. "Die hab' ich selbst gemacht."

Wenn nicht gerade Corona alles ausbremst, haben die beiden gern Besuch. Auch zum Essen. "Ich koche dann für alle", sagt Sun-Hwa Jung. Freunde und ganz besonders die Familie ihres Mannes lieben ihre koreanische Küche. Und irgendwann kommt immer die Frage nach dem Rezept. Alles immer extra aufzuschreiben, war Sun-Hwa Jung aber einfach "zu unpraktisch". Auch, weil man manches besonders gut erklären muss – zum Beispiel, weil einige Zutaten in besonderer Weise geschnitten werden müssen.

Alle zwei Wochen ein Video

So kam das Paar auf die Idee, Kochvideos zu machen. Wie man die Filmaufnahmen am besten schneidet, wollten die beiden von ihrem Nachbarn wissen: Schließlich ist Christian Kreil ein Fachmann rund ums Filmemachen. Kochvideos fand er allerdings immer langweilig, erzählen die Lindenbergers lachend – bis bei einem Bierchen unter Nachbarn dann doch das gemeinsame Projekt "Koreanische Koch-Videos für Youtube" entstand. "Seit dem zweiten Lockdown machen wir alle zwei Wochen ein neues Video", berichtet Lindenberger. Zehn sind schon fertig und auch veröffentlich, das jüngste, "Gekochtes Schweinefleisch (Suyuk)", ist gerade erst online gegangen.

Sun-Hwa Jung versucht, die Vielfalt der koreanischen Küche zu zeigen. Dabei darf es auch mal "ungesund und schnell" sein, verrät sie. Sie hat zum Beispiel auch einen Video-Tipp, was man aus koreanischer Instant-Suppe und Schmelzkäse machen kann. Längst hat die Koreanerin bei Youtube einen feste Stamm von 110 Abonnenten. "Es gibt einige, die alles nachkochen und auch Feedbeck geben", freut sich Christoph Lindenberger. Natürlich sind die Video-Aufnahmen auch immer mit einem Abendessen mit dem filmenden Nachbarn verbunden. Zwei bis drei Stunden dauert es, bis das Material für ein Koch-Video im Kasten ist, am Tag darauf wird dann noch einmal extra nachvertont. "Danach diskutieren wir, was wir nächstes Mal kochen", sagt Sun-Hwa Jung.

Die Sache mit dem Schnaps

Und was ist ihr Lieblingsgericht? "Vieles", sagt sie und will sich nicht festlegen. Das Was ist für sie beim koreanischen Essen gar nicht so wichtig, sondern das Wie: "In Korea kommt immer ein Gericht in die Mitte des Tisches und alle bedienen sich." Diese besondere Atmosphäre sei wunderbar. Ein kleiner, besonderer Hinweis auf den kulinarischen Genuss in gemütlicher Runde findet sich in den Videos der Poppenrichterin: Sun-Hwa Jung schenkt zu Beginn oft einen klaren Schnaps aus einer hübschen Flasche in ein Glas, mit dem sie am Ende ihren Zuschauern zuprostet. Das ist "Soju", wie ihr Mann erklärt: Eine Spirituose aus Süßkartoffeln, die 20 Prozent Alkohol hat und in Korea wie bei uns Bier zum Essen getrunken wird.

Essen spiele einfach eine große Rolle in Korea, sagt Sun-Hwa Jung. Sie verdeutlicht das mit dem Hinweis, "eine Möglichkeit, auf Koreanisch nach dem Befinden zu fragen, heißt übersetzt ,Hast Du gegessen?'" Sie hofft, ein bisschen davon in ihren Youtube-Videos vermitteln zu können. Geld verdienen will sie damit nicht: Es ist und bleibt ein Hobby, das sie übers Internet mit anderen Menschen teilen will.

Kochen auf Koreanisch bei Youtube

Mit unserer Rezept-Serie einfach mal selber kochen

Amberg
Sun-Hwa Jung hat in Deutschland ihre Liebe zum Kochen entdeckt.
Sun-Hwa Jung bringt Rezepte aus Korea in die Oberpfalz.
Rezept:

Kartoffeln in Sojasauce

Reis ist Beilage Nummer eins in Korea. Aber Kartoffeln gibt es auch, in Suppen oder als gezuckerter Snack an Autobahn-Raststätten. Sun-Hwa Jung verrät ihr Rezept, in dem sie Kartoffeln in Sojasauce kocht:

  • Zutaten:
    3 Kartoffeln
    1/2 Zwiebel
    3 EL Sojasauce
    4 EL Reissirup
    2 EL Öl
    160 ml Wasser
    Sesam
  • Zubereitung: Kartoffeln und Zwiebel schälen und in 2x2 cm Würfel schneiden. Das Gemüse in eine Pfanne geben und mit Sojasauce, Reissirup, Öl und Wasser übergießen. Alles auf hoher Stufe bei geschlossenem Deckel etwa zehn Minuten kochen lassen, dabei gelegentlich umrühren. Wenn die Kartoffeln gar sind, die Soße ohne Deckel eindicken lassen. Vor dem Servieren mit Sesam garnieren. Diese Kartoffeln schmecken sowohl warm als auch kalt.

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