14.07.2021 - 10:01 Uhr
PressathOberpfalz

Gibt es heuer wieder eine Schwammerlschwemme?

Es ist warm und feucht – eigentlich perfektes Wetter für die leckeren Schwammerl aus dem Wald. Aber schon im Juli? Wie schätzen Pilzexperten aus dem Landkreis Neustadt/WN und aus Weiden die Schwammerlsaison 2021 in der Region ein?

Das feucht-warme Wetter würde schon mal passen. Gibt es heuer wieder körbeweise Schwammerl? Das meinen Experten aus dem Landkreis Neustadt/WN und aus Weiden.
von Anne Wiesnet Kontakt Profil

2020 war ein gutes Jahr für Pilzfans. Vielerorts schossen im Landkreis Neustadt/WN und in Weiden die Schwammerl aus dem Waldboden. Ausschlaggebend dafür könnte das optimale Wetter gewesen sein: Wärme und Nässe. Ob es daher heuer auch wieder eine Schwammerlschwemme gibt? Leidenschaftliche Pilzsammler aus der Umgebung haben da eine Vorahnung.

Norbert Griesbacher, Pilzberater aus Weiden und Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Mykologie, ist sich sicher: Es wird in diesem Jahr sogar noch früher als sonst Steinpilze und Co. geben. "Die Niederschläge, die sich fortsetzen, und mit dieser Wärme, ich bin schon sehr optimistisch, dass wir spätestens Ende Juli Steinpilze haben." Vergangenes Jahr gab es die meisten der Schwammerl Anfang September – auch das sei schon früh. "Wir hatten aber auch schon sein Jahr, in dem wir am 1. Juli schon eine Steinpilzschwemme hatten", erinnert sich der Weidener Pilzsachverständige. Heuer hat er bereits zwei der Schwammerl gefunden, die er allerdings als Zufallsfund einschätzt. "Aber das kann sich von heute auf morgen ändern." Besonders durch die derzeitige Bodenfeuchtigkeit und den Nebel morgens erhofft er sich, dass die Saison bald startet. "Der Nebel ist das A und O von guten Pilzernten", weiß er.

Ein Eierschwammerljahr

Während die Steinpilz-Massen scheinbar erst noch sprießen müssen, kommen dagegen schon einige Pfifferlinge zum Vorschein. Jedes Mal findet Griesbacher eine Handvoll Eierschwammerl, wenn er zwei Mal pro Woche auf dem Weidener Fischerberg mit dem Fahrrad unterwegs ist. Das sei in den vergangenen Jahren nicht so gewesen. Auch von anderen Pilzsammlern hat er schon gehört, dass es die Delikatesse zuhauf geben soll. "Es soll heuer allgemein ein Eierschwammerljahr sein."

In Pressath war der leidenschaftliche Pilzsammler Erhard Walberer noch nicht auf der Pirsch, wie er berichtet. Dazu fehlte ihm bislang die Zeit. Doch auch er habe schon von Pfifferlingsfunden gehört. "Die Feuchtigkeit ist heuer sehr gut, an der dürfte es nicht liegen", sagt er. Dass heuer im Juli schon Steinpilze sprießen könnten, daran glaubt er allerdings nicht. Walberer meint sogar, dass es noch wärmere Tage brauche für eine Steinpilzexplosion. Das führt er auf die äußerst trockenen Sommer in den vergangenen Jahren zurück, in denen es dann massenweise Steinpilze gab. "Aber es kommt immer überraschend", meint er und will demnächst einfach mal eine Streiftour durch die Pressather Wälder unternehmen.

Steinpilzfund kein Einzelfall

Dass aber Norbert Griesbachers Steinpilzfund kein Einzelfall mehr zu sein scheint, zeigt ein Foto aus Eschenbach. Robert Dotzauer, ebenfalls begeisterter Sammler, hat im Eschenbacher "Oberwald" auch schon die ersten frischen Steinpilze geerntet. Die gab es dann gleich in einer Sahnesoße zu Bandnudeln, schwärmt er. "Wir haben schon lange damit gerechnet, dass bei der feucht-schwülen Witterung die Saison bald beginnen muss", erklärt er und freut sich schon auf viele weitere der Leckerbissen.

Und auch in Vohenstrauß scheinen die Schwammerl-Bedingungen schon optimal: Denn die Leckerbissen, auf die andere noch hoffen, hat Stefan Hartwig, Pilzexperte aus Vohenstrauß, bereits in der Tasche, beziehungsweise im Gefrierschrank. Er ist ebenfalls Pilzsachverständiger der Deutschen Gesellschaft für Mykologie und hat heuer schon einige Schwammerl entdeckt, sowohl Eierschwammerl und Steinpilze als auch andere Arten. "Dazu muss man aber sagen, es sind Sommersteinpilze. Das ist ein anderer als der Fichtensteinpilz." Der Sommersteinpilz könne oft schon vor den Pfifferlingen gefunden werden, meint Hartwig. Der Pilzsachverständige vermutet, dass es heuer aber auch wieder mehr Fichtensteinpilze geben wird. Das Wetter sei ideal.

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Waren es in den vergangenen Tagen die goldgelben Pfifferlinge, die aus den moosigen Flächen herausleuchten, hielt es auch zur Freude der Schwammerlsucher den begehrtesten Speisepilz nicht mehr im Waldboden, wie dieses Bild von den ersten Steinpilzfunden des Jahres im Eschenbacher „Oberwald“ zeigt.
Service:

Pilze sammeln im Wald: Das gilt es zu beachten

  • Nur gesunde, frische Pilze mitnehmen, die man kennt
  • Den Pilz am besten unten am Stiel abschneiden oder vorsichtig herausdrehen
  • Nur für den Eigenbedarf mitnehmen, also ein bis zwei Kilogramm pro Sammler und Tag
  • Pilze müssen beim Transport luftig liegen. Dafür eignet sich am besten ein Korb, Plastiktüten sind ungeeignet, da die Schwammerl dann "schwitzen". (Quelle: Deutsche Gesellschaft für Mykologie)

"Der Nebel ist das A und O von guten Pilzernten."

Pilzberater Norbert Griesbacher aus Weiden

Pilzberater Norbert Griesbacher aus Weiden

"Die Feuchtigkeit ist heuer sehr gut, an der dürfte es nicht liegen."

Pilzsammler Erhard Walberer aus Pressath

Pilzsammler Erhard Walberer aus Pressath

"Dazu muss man aber sagen, es sind Sommersteinpilze. Das ist ein anderer als der Fichtensteinpilz."

Pilzberater Stefan Hartwig aus Vohenstrauß

Pilzberater Stefan Hartwig aus Vohenstrauß

 

 

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