02.08.2020 - 15:56 Uhr
PressathOberpfalz

Kirchen und Kapellen in der Stadt Pressath

Neben der Stadtpfarrkirche St. Georg gibt es in Pressath noch mehrere Gotteshäuser und kleine Kapellen. Sie haben eine bewegte Geschichte hinter sich. Hier ein Überblick.

von Autor ISProfil

In den Geschichtsbüchern der Pfarrgemeinde sind mehrere Kapellen verzeichnet. So ist zum Beispiel im Jahr 1804 von eine Kapelle "am oberen Thor" von einer "Kapelle am Wasserthor" und von einer "beim Kirchhof" zu lesen. Außerdem wird von der Letten- und der Wendelinkapelle geschrieben. Seitdem hat sich aber viel verändert. Mehrere Kapellen bestehen nicht mehr und vor allem in den Ortschaften sind einige neue hinzugekommen.

Stadtpfarrkirche St. Georg

Die Geschichte der Stadtkirche lässt sich bis ins Jahr 1244 zurück verfolgen. Die Baugeschichte ist, selbst nach den im Laufe der Restaurierungen 1983/1984 und 1994/1995 vorgenommenen Untersuchungen, voller offener Fragen. Nach den archäologischen Grabungen wurde das mittelalterliche Bauwerk zunächst nach Westen erweitert und im 18. Jahrhundert nach Westen und Norden vergrößert. Bei dieser letzten Erweiterung wurde ein privates Haus überbaut, von dem ein mittelalterlicher Keller erhalten ist. Zu dieser Anlage gehörte möglicherweise auch ein mittelalterlicher Rundturm, der noch auf das 12. Jahrhundert zurückgeht.

Das gotische Bauwerk hatte damals bereits die Breite des heutigen Langhauses. Eine Zerstörung im Jahr 1633 und der danach erfolgte Wiederaufbau ist durch schriftliche Überlieferungen belegt, das bauliche Ausmaß dieser Maßnahmen ist jedoch unklar. Vermutlich erfolgte zu dieser Zeit die Erneuerung des Gewölbes der heutigen Sakristei. Unter dem ehemaligen Altar wurde eine 1748 erwähnte Gruft gefunden, die 1983 nach Dokumentationen wieder zugemauert wurde.

Unklar ist weiterhin, warum die heutige Sakristei neben der Mittelachse und in einer Flucht mit der Südwand der Kirche erbaut wurde. Möglicherweise war eine Erweiterung des Schiffs nach Süden geplant und deshalb eine Verlagerung der Gräber des umliegenden Friedhofs in die Gruft erforderlich. Möglich ist ebenfalls, dass des Chorschluss nach dem Brand von 1759 einstürzte und das übriggebliebene Joch seit dieser Zeit als Sakristei genutzt wurde.

Nach einem Brand vom 1759 wurden in den Jahren 1761–1765, laut Inschrift am Turm, Baumaßnahmen an der Kirche und am Turm zunächst durch den Maurermeister Wolfgang Diller aus Amberg und nach 1763 durch Wolfgang Reger aus Pressath vorgenommen. Von den Salesianerinnen aus Amberg wurden der Altäre aus der Zeit um 1700 und die heute als Ambo verwendete Kanzel gestiftet, von den dortigen Jesuiten ein Bild des heiligen Georg.

An der Außenwand der Kirche sind mehrere Grabplatten angebracht. So an der Südseite die Platte der Juliana Kreß von Kreßenstein, geborene von Hirschberg († 1514) mit einem Flachrelief der Verstorbenen in Mantel und Haube unter einem aus zwei verschlungenen Ästen gebildeten Bogen mit sechs Ahnenwappen. Die Rotmarmorgrabplatte für Elisabeth, Gemahlin des Sebald Kreß von Kreßenstein († 1502) ist mit einem Flachrelief der Verstorbenen gestaltet. Das Rotmarmorepitaph für Sebald Kreß zu Dietfurth († 1495) zeigt den Verstorbenen im Halbrelief unter einem Kielbogen in pelzgeschmücktem Mantel und Hut.

Friedhofskirche St. Stephanus

Zwischen den Jahren 1450 und 1460 trat das Geschlecht der „Wildenreuther“ in die Geschichte der Stadt Pressath ein. Um diese Zeit wurde auch die Friedhofskirche im gotischen Stil zu Ehren des Heiligen Erzmärtyrers Stephanus erbaut. Ein Bild dieses Heiligen ziert auch den Hochaltar. Zur selben Zeit entstand auch ein Bild in der Langhausdecke des Gebäudes unter dem Dach. Dieses Gemälde mit dem Titel „Das Jüngste Gericht“ ist noch sehr gut erhalten.

Der gotische Bau wurde im 17. Jahrhundert verändert. Die drei Altäre und das Chorgestühl sind im Renaissance Stil erhalten. Die Glocke ist der Himmelskönigin geweiht. Der alte Pressather Friedhof war ursprünglich um die Stadtpfarrkirche St. Georg angelegt. Im 15. Jahrhundert wurde er wegen der Erweiterung der Pfarrkirche an die heutige Stelle verlegt, wo sich bereits eine Kapelle befand.

Altötting Kapelle

Die Geschichte dieser Kapelle die am ehemaligen Koppeltor gelegen ist, geht auf das Jahr 1754 zurück. So sind zwei Sandsteine die über dem Portal eingelassen sind wichtige Dokumente für ihre Geschichte. „Anno Christi nati MDCCLIV“ ist dort eingemeißelt und zum anderem „S.M. 1812“. Die erste steinerne Urkunde besagt, dass das Kirchlein 1754 erbaut wurde und der zweite Stein gibt uns den Hinweis, dass im Jahre 1812 das der Muttergottes Maria geweihte Heiligtum renoviert wurde.

Als in den Jahren der Säkularisation die Kapelle dem Erdboden gleich gemacht werden sollte, erwarb die damalige Marktgemeinde Pressath das Anwesen zu einem Kaufpreis von 100 Mark und täuschte dort ein Feuerwehrhaus vor. Nach den Wirren der Zeit wurde das Gebäude 1812 wieder instand gesetzt. 1909 wurde die Kirche auf Veranlassung von Pfarrer Konrad Reinwald renoviert.

1944 wurde der Kirchenraum von der Reichsrundfunkanstalt zur Unterbringung von Funkgeräten beschlagnahmt. Als nach Kriegssende die Schulen für den Unterricht nicht sofort geöffnet werden konnten, diente das Kirchenschiff längere Zeit als Schulsaal. In den Barockaltar der Kapelle ist ein Gemälde des Gnadenbildes von Altötting eingelassen, woher die Kapelle auch ihren Namen hat. Mit Vertrag vom 22. September 1967 überließ die Stadt Pressath in unentgeltlicher Weise der Kirche.

Obere Torkapelle

Die Kapelle blieb im Zuge der Säkularisation (1802 – 1804) erhalten, weil sie an einen Backofen angebaut war. Die Kapelle war der Vorraum dieses Backofens. In ihrem Umfeld wurde 2009 eine Strele zur Erinnerung an den 2001 verstorbenen Erzbischof Hans Schwemmer, einem Sohn der Pfarrei, errichtet. Die Segnung der Stele nahm Generalvikar Karl Hillenbrand aus Würzburg vor.

Lettenkapelle

Laut Saalbuch der Pfarrei St. Georg wurde bereits im Jahr 1798 durch Pfarrer Georg Andres Wiedmann „am Dreyfaltigkeitssonntag ein Amt und Predigt, mit feyerlicher Prozessionen zur Hochkapelle (Lettenkapelle) durchgeführt. Die jetzige Kapelle wurde durch Margaretha Eichermüller (geboren am 18.8.1845 als Weberstochter in Pressath) bebaut. Sie war laut Unterlagen mit Peter Eichermüller, Bäckermeister, Schellenberg 61, verheiratet.

Kapelle an der Kahrmühle

Dieses kleine Gotteshaus steht im Eigentum der Familie Eichermüller, errichtet wurde es im Jahr 1924 von Georg Vogel, renoviert im Jahr 1970 vom Pressather Künstlerehepaar Ruthild und Helmut Langhammer. 2017 wurde die Kapelle durch das Engagement von Erhard Walberer und Erwin Rodler wieder zu einem Schmuckstück. An der Stirnseite des gewölbten Raumes ist ein Bild des herrschenden Gottes in kräftigen Rot- und Blautönen. Gegenüber der Kapelle wurde in den letzten Jahren eine neue Feldkapelle durch die Familie Eichermüller errichtet.

Fahrzeugsegnung in der Pfarrei St. Georg Pressath

Pressath

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