17.06.2021 - 15:45 Uhr
Raigering bei AmbergOberpfalz

"Einfach erbärmlich": Blumen-Kriminalfall in Raigering

Es geht nicht um hohe Geldsummen, sondern um Anstand: In Raigering bei Amberg hat jemand eine von Ehrenamtlichen liebevoll gepflegte Geranienschale gestohlen. Die Polizei erklärt, warum der "blumige Kriminalfall" kein Kavaliersdelikt ist.

Blumen-Kriminalfall in Raigering: Am Brunnen in Raigering hat jemand eine von Ehrenamtlichen liebevoll gepflegte Blumenschale gestohlen. Das Gegenstück der Pflanzenschale auf der rechten Seite fehlt deshalb.
von Tobias Gräf Kontakt Profil

Gerda Eiber, die Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins Raigering-Aschach ist geschockt. "Es ist einfach erbärmlich", verurteilt sie den Diebstahl einer Pflanzenschale vom Brunnen in Raigering durch einen Unbekannten. Weil die linke Schale fehlt, präsentiert sich die Blumenampel – eine Betonstele mit einem Pflanzentrog links und rechts – deshalb nun recht "einseitig".

Von einem schweren Kriminalfall lässt sich hier natürlich nicht sprechen, doch ein Ärgernis ist der Vorfall für Eiber trotzdem. Gemeinsam mit anderen Ehrenamtlichen aus dem Obst- und Gartenbauverein kümmert sich die 60-Jährige liebevoll um die Blumen, die den öffentlichen Brunnen verschönern sollen. "Jedes Jahr hängen wir die Schalen an der Blumenampel auf, die Stadtgärtnerei bepflanzt sie anschließend und wir gießen und pflegen die Geranien dann die ganze Saison über", erklärt die Vereinsvorsitzende ihre Verbindung zu der Ampel. Dass es sich um Diebstahl und nicht etwa um einen Streich von Jugendlichen handeln muss, da ist sich Eiber sicher. "Wäre es Vandalismus gewesen, dann würde die Schale ein paar Meter weiter im Graben oder irgendwo in einem Nachbargrundstück liegen." Die Blumenliebhaberin gibt sich überzeugt: "Die hat jemand für seinen eigenen Garten brauchen können."

Blumendiebstahl keine Ordnungswidrigkeit

Dass es sich hier nicht um einen Spaß handelt, bestätigt auch Polizeihauptkommissar Achim Kuchenbecker, der ähnliche Fälle von gestohlenen Grabschmuck im Friedhof kennt. "Ein Diebstahl ist nie ein Kavaliersdelikt", sagt der Pressesprecher der Amberger Inspektion über das ungeklärte Verschwinden der Geranien im Wert von circa 15 Euro. Sollte der Täter gefasst werden, gehe es deshalb nicht nur um eine Ordnungswidrigkeit. "Die Grenze für den sogenannten Diebstahl geringwertiger Sachen liegt bei fünf Euro." Darüber seien laut Strafgesetzbuch Geld- oder Freiheitsstrafen möglich. "Ob es um einen millionenschweren Diamanten oder um eine Blumenschale geht, Diebstahl bleibt zunächst einmal Diebstahl. Die Höhe der Strafe unterscheidet sich aber natürlich trotzdem und richtet sich unter anderem nach der aufgewendeten kriminellen Energie oder ob dabei Personen verletzt wurden", erklärt Kuchenbecker.

Mit dem Diebstahl abfinden wird sich Gerda Eiber übrigens nicht. Damit die Blumenampel am Raigeringer Brunnen wieder vollständig wird und sich die Bürger weiterhin an ihrem Anblick erfreuen können, hat die Vereinsvorsitzende bereits neue gekauft. "Ich war beim Obi und habe eine Schale, Ketten und Geranien geholt." Große Unsummen hat das nicht gerade verursacht, aber: "Es geht hier nicht ums Geld, sondern dass sich jemand etwas zu eigen macht, das anderen gehört und von ihnen gehegt und gepflegt wird."

Gießkanne taucht plötzlich wieder auf

Dass sich der "blumige Kriminalfall von Raigering" vielleicht doch noch zum Guten wendet und die Geranien womöglich plötzlich wieder auftauchen, auch das ist nicht völlig ausgeschlossen. Wie Eiber zu berichten weiß, hat sich nämlich im vergangenen Sommer schon einmal ein ähnlicher Fall zugetragen: "Neben dem Brunnen steht eine Gießkanne. Die hat jemand mitgenommen. Und nach zwei Monaten war sie im Herbst plötzlich wieder da."

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Poppenricht

"Es geht hier nicht ums Geld, sondern dass sich jemand etwas zu Eigen macht, das anderen gehört und von ihnen gehegt und gepflegt wird."

Gerda Eiber, Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins Raigering-Aschach

Gerda Eiber, Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins Raigering-Aschach

 

 

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