Viele Intensivstationen sind derzeit am Anschlag. In rund jedem vierten Land- und Stadtkreis in Deutschland gibt es derzeit maximal noch ein freies Intensivbett für Erwachsene. Das ging am Donnerstag aus den aktuellen Zahlen der Intensivmedizinervereinigung Divi hervor. In etwa 50 von rund 400 Kreisen sind demnach sogar alle Betten belegt, besonders häufig in Bayern und Baden-Württemberg. Allerdings können sich die Kreise in gewissem Rahmen untereinander aushelfen, wenn es Engpässe gibt.
Professor Christian Karagiannidis, wissenschaftlicher Leiter des Divi-Intensivregisters, warnte im Gespräch mit dem "Kölner Stadt-Anzeiger" die Intensivmedizin in Deutschland gerate an ihre regulären Grenzen. Kliniken in Großstädten wie München und Regensburg seien "nächste Woche voll".
Universitätsklinik nimmt Covid-19-Patienten aus ganz Bayern
Ins Universitätsklinikum Regensburg werden wegen seiner Rolle als Maximalversorger für Ostbayern und aufgrund seiner ECMO-Expertise (extrakorporale Membranoxygenierung, ein Verfahren, das den Gasaustausch der Lungen auf eine Maschine verlagert) viele Covid-19-Erkrankte aus ganz Bayern gebracht. Dies bringt das Klinikum inzwischen an seine Grenzen.
Beim Besuch von Wissenschaftsminister Bernd Sibler am Mittwoch in Regensburg sagte Professor Oliver Kölbl, Ärztlicher Direktor der Universitätsklinik: "Die Lage ist derzeit nicht einfach. Auch ohne die Coronavirus-Pandemie waren die Betten unserer Intensivstationen immer sehr gut ausgelastet." Der Mediziner warnt, dass die steigende Zahl von Covid-Patienten, die eine intensivmedizinische Behandlung benötigen, dazu führe, dass es "zunehmend Engpässe in der Behandlung von schwerstkranken Patienten" am Universitätsklinikum geben werde. Davon seien auch die Patienten mit Herzinfarkt, Schlaganfall, Unfällen oder Krebserkrankungen betroffen.
Patientenversorgung entspricht nicht mehr den Regeln
Der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, warnte am Mittwochabend, für Menschen mit Schlaganfall und andere Schwerkranke müsse inzwischen mancherorts bis zu zwei Stunden nach einem freien Intensivbett gesucht werden. "Die Versorgung ist bereits in allen Bundesländern nicht mehr der Regel entsprechend." Und das werde zunehmen.



















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