26.07.2020 - 13:33 Uhr
SchirmitzOberpfalz

Vom Arzt zum Landwirt

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Grüne Wiesen statt weiße Krankenhausflure: Der gebürtige Schirmitzer Veit Straßer machte sein Hobby zum Beruf und hängte den Arztkittel an den Nagel. Nun kümmert er sich um 600 gefiederte Damen.

Bei seinen Hühnern fühlt sich der junge Landwirt Veit Straßer, der gebürtig aus Schirmitz stammt, am wohlsten. Sein erster Weg am Morgen und sein letzter Gang am Abend führen ihn auf die Wiese zu den mobilen Ställen seiner 600 Masthühner.
von Kathrin Moch Kontakt Profil

Sie sind klein, gelb, gefiedert und Teil von Veit Straßers neuem Glück: Der erste Weg am Morgen führt den jungen Landwirt zu seinen Küken. Sicher behütet verbringen sie die ersten Wochen in einem warmen Stall. Immer dem Duft von frischem Gras entgegen geht es für den 31-Jährigen dann auf seine Wiese zu den rund 600 Hühnern. Sein Arbeitstag als Quereinsteiger-Landwirt hat nicht mehr viel mit seinem erlernten Beruf gemein: Veit Straßer ist eigentlich Arzt.

Vom Hobby zum Beruf

Nächtelang Bücher wälzen, harte Prüfungen bestehen, Zeit und Geld investieren: Ein Medizinstudium ist kein Zuckerschlecken. Nach seinem Abschluss hätte Veit Straßer auch Karriere als Mediziner machen können. Zwei Jahre lang arbeitete der gebürtige Schirmitzer als Anästhesist. Dann ließ er seinen Vertrag auslaufen und schlug einen ganz anderen Weg ein.

Obwohl er erreicht hatte, wovon viele Medizinstudenten sicher träumen, wagte Veit Straßer etwas, dass sich viele Menschen ihr lebenlang nicht trauen: Er kehrte dem sicheren Job den Rücken und machte sein Hobby zum Beruf. Nun sucht er sein Glück als Hühnerbauer in Regensburg.

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"Meine Familie war schon etwas schockiert", erzählt der 31-Jährige. "So eine Ausbildung hat einen gewissen Wert, und man investiert Zeit und Energie." Trotzdem ist er sich sicher. Wenn nicht jetzt, wann dann? 2018 tauscht Veit deshalb Arztkittel gegen Arbeitshose und gründet "Veits Hof". Gerade einmal fünf Jahre nach seinem "Erstkontakt zur Landwirtschaft", wie er sagt.

Tiere hätten ihm aber schon immer gefallen. Bereits während seines Medizinstudiums hält Veit hobbymäßig Hühner. Das Feedback darauf ist durchweg positiv, und der Kontakt mit den Tieren bereitet ihm viel Freude: "Das sind einfach tolle Tiere, die einen tollen Charakter haben. Das macht einfach Spaß, ihnen zuzusehen."

Der Grund für seinen Berufswechsel ist deshalb nicht unbedingt, dass ihn etwas am Arztberuf gestört hat, sondern vielmehr die starke Affinität zur Natur und den Tieren. Außerdem habe er ein Defizit von Fleisch aus guter Haltung auf dem Markt bemerkt.

Gründung von "Veits Hof"

Würdevoll und nachhaltig möchte er seine Masthühner deshalb halten. "Auch die Umwelt soll von der Tierhaltung profitieren und nicht noch Schaden nehmen." Schafe halten das Gras kurz, denn das würden die Hühner bevorzugen. Auf der Wiese findet er jeden Tag ein neues Fleckchen für die Mobilställe. Dann kann sich die nicht genutzte Wiese für eine Zeit regenerieren. Für ihn als Neuling in der Landwirtschaft seien die Hühner ideale Tiere: "Das ist auch nichts wo man von Null auf Hundert gehen kann, trotzdem sind sie für mich als Einsteiger relativ leicht zu kontrollieren."

Auch die Umwelt soll profitieren

Obwohl seine Hühner ihm viel bedeuten, sieht Veit seinen Hof als Unternehmen, in dem die Tiere den Umsatz bringen. Ein großes Thema das Straßer von Anfang an beschäftigt, ist deshalb auch das Schlachten seiner Masthühner. Seine Liebe zu den Tieren und die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens müssen nämlich irgendwie in Einklang gebracht werden. Als er anfangs noch selbst schlachtet, fragt er sich deshalb oft: "Kann ich das auf Dauer bei diesen Mengen wirklich tun?"

Immerhin würde es ihm schon weh tun, ein lebendes Tier zu töten. Mit der Zeit habe er sich aber eine gute Philosophie zurecht gelegt. "Der Tod gehört auch immer zum Leben dazu, vor allem bei diesen Tieren." Dank moderner Betäubungsmethoden bekämen die Hühner ihren Tod quasi gar nicht mit. Im Moment schlachtet Veit Straßer ohnehin nicht mehr selbst. "Das ist eine Frage der Kosten und Räumlichkeiten, und die habe ich aktuell nicht."

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In den kommenden Jahren würde der Tierfreund mit seinem Hof gerne weiter wachsen. "Ich wünsche mir, dass ich jemanden finde, der genauso von meinem Konzept überzeugt ist, damit ich mich vergrößern kann." Aus seinen 600 Hühnern sollen 1000, 2000 oder mehr werden. Aktuell liefert er seine Hühner nur auf Bestellung über den Newsletter auf seiner Website. Auch zu seinen Wurzeln nach Weiden findet das "Fleisch von glücklichen Hühnern" gelegentlich einen Weg.

Ob er noch einmal in seinen Beruf als Arzt zurückkehrt, weiß der 31-Jährige nicht. Er sei froh, diese Möglichkeit zu haben, und das Arztsein habe ihn nie wirklich gestört. Das sei ein gewisses Sicherheitsnetz. Für den Augenblick ist Veit Straßer in seinem neuen Beruf aber sehr zufrieden. Vor allem, wenn er abends noch einmal auf der Wiese nach dem Rechten sieht und eine ruhige Minute mit seinen tierischen Arbeitnehmern genießen kann.

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Hintergrund:

Landwirtschaft in Weiden und Kreis Neustadt

  • Mit rund 69 000 Hektar Waldfläche und über 51 000 Hektar landwirtschaftlicher Fläche sind mehr als 70 Prozent der Flächen in Weiden und Neustadt/WN land- und forstwirtschaftlich genutzt.
  • Mehr als 1600 land- und forstwirtschaftliche Betriebe gibt es in Weiden und Neustadt/WN. Rund die Hälfte der landwirtschaftlichen Betriebe wird heute im Haupterwerb bewirtschaftet. Die Tendenz zum Betrieb im Nebenerwerb ist in den letzten Jahren steigend.
  • Gewerbliche Hühnerhaltung: 2019 gab es in der Region 72 Halter von Masthühnern mit insgesamt 2455 Tieren. 546 Bauern widmeten sich dagegen der Haltung von 34 330 Legehennen. 24 Bauern beschäftigten sich mit der Aufzucht von 332 Küken und Junghennen bis sechs Monaten.
  • Hühner als Hobby im Trend: Zwischen März und Juni gab es 21 Anmeldungen für private Hühnerhaltung in Neustadt/WN. Im gleichen Zeitraum im Vorjahr acht und 2018 sogar nur fünf.
  • Private Hühnerhaltung muss bei drei Stellen bereits ab einem Tier angemeldet werden: Dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, der Tierseuchenkasse und dem Veterinäramt.

Quelle: Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Weiden in der Oberpfalz / Landratsamt Neustadt/WN

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