30.12.2020 - 11:24 Uhr
SchnaittenbachOberpfalz

Der erste Posthalter von Schnaittenbach verdiente 24 Gulden

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Vor etwas mehr als 400 Jahren war Schnaittenbach ein wichtiger Standort, um Post von Nürnberg nach Prag zu transportieren. Im Stadtbild erkennt man das heute nur noch an einem Gebäude. Ein Blick in die Chroniken der Stadt verrät noch mehr.

Bild zeigt das frühere Rasel-Anwesen, das heute im Eigentum von Martin Nagler ist. Vor etwas mehr als 400 Jahren war hier die Poststation in Schnaittenbach untergebracht.
von Autor SHProfil

Die Großgemeinde Schnaittenbach hat geschichtlich gesehen eine bedeutende Vergangenheit hinter sich. Man denke hierbei nur an die früher existierende Keltenfliehburg sowie Burg Haldenrode am Buchberg, die Turmhügelburg "am Höflas", die Lage an der ehemaligen Bernsteinstraße, die einst Adria und Nord- beziehungsweise Ostsee verbunden hat, und an der ehemals "Verbotenen Goldenen Straße" zwischen Nürnberg und Prag, die Bombardierung von Kemnath am Buchberg Ende des Zweiten Weltkriegs als einziges Dorf in der Gegend oder die Geburtsstätte der oberpfälzischen beziehungsweise europäischen Kaolinindustrie vor 185 Jahren. Den wenigsten ist bekannt, dass 1618/19 von Amberg aus ein Postdienst nach Prag mit Posthaltereien in Schnaittenbach, Oberlind und Waidhaus eingerichtet wurde und Schnaittenbach damals die älteste Posthalterei nach Amberg in der Region besaß. In den Geschichtsbüchern und den drei existierenden Stadtchroniken von Schnaittenbach von Georg Landgraf, Walter Volland und Heribert Batzl findet sich dazu einiges.

Bedingt durch die Regierungsgeschäfte war der Nachrichtenverkehr zwischen Heidelberg und der damaligen Hauptstadt der Oberen Pfalz, Amberg, bis zum 30-Jährigen Krieg bereits gut ausgebaut und funktionierte auch ohne größere Probleme. Nun erforderte die Entwicklung der politischen Verhältnisse im böhmischen Raum die Einrichtung eines Postverkehrs von Amberg nach Prag. Zu Beginn der Unruhen in Böhmen wurde ein solcher von Amberg nach Weiden - Königswart nach Prag in Betrieb genommen. Nach der Eroberung von Pilsen hat man außerdem vor 400 Jahren einen zweiten Postdienst zwischen Amberg und Prag, der über Schnaittenbach und Waidhaus verlief, eingerichtet.

An der "Verbotenen Goldenen Straße"

Hauptinteressent an dieser Linie war sicherlich der Kurfürst. Die herrschenden Unruhen in Böhmen, die Verhandlungen des Kurfürsten mit den Aufständischen und die Bemühungen der Kurpfalz um die böhmische Königskrone sowie die Beförderung der Staatsdepeschen mögen Hauptgründe für die Einrichtung dieser Poststrecke gewesen sein. Die damalige Schnaittenbacher Posthalterei befand sich im "Poppschen-Gebäude", das im Ortsmittelpunkt gegenüber der Kirche an der damals bedeutenden Handelsstraße Nürnberg - Prag, der sogenannten "Verbotenen Goldernen Straße", lag. Dort war zum gleichen Zeitpunkt auch eine "Tafern-Wirtschaft", darunter versteht man ein "gehobenes Gasthaus", untergebracht. Das im Volksmund als "Rasel-Anwesen" bekannte Gebäude an der Hauptstraße B14 befindet sich jetzt im Eigentum von Martin Nagler. In der amtlichen Denkmalliste ist das Anwesen, eines der schönsten und markantesten von Schnaittenbach, als "Ackerbürgerhaus, bezeichnet. Untersuchungen im Jahre 2000 haben es ans Tageslicht gebracht, dass das Gebäude älter ist als angenommen und die Fundamente des Bauwerkes bis ins Jahr 1570/71 zurückreichen.

Der erste Posthalter Popp bezog bei der Inbetriebnahme der neuen Posthalterei 1618/19, wie die anderen in Oberlind und Waidhaus auch, monatlich 24 Gulden für je zwei zu haltende Pferde. Wegen der vermehrten Postritte und der damit verbundenen Mehrarbeit wurde diese Entschädigung bereits ein Jahr später auf monatlich 30 Gulden angehoben. Bis 1750 war Georg Popp Posthalter in Schnaittenbach. Nach seinem Tode heiratete seine Stieftochter dessen Neffen Georg Matthias Popp von Hirschau, dem Eigentümer des Gasthofes "Zum Bären" (Bärnwirt).

Schnaittenbacher Geschichte in drei Chroniken gut dokumentiert

Schnaittenbach

Mitgift war unter anderem die Schnaittenbacher Posthalterei und so wurde auf recht seltsame Weise im Jahre 1756 die kaiserliche Reichsposthalterei von Schnaittenbach nach Hirschau verlegt. Als Popp im Jahre 1778 verstarb, bewarben sich sein Sohn Johann Bonifaz Popp in Hirschau und der Schnaittenbacher Löwenwirt Johannes Popp um die Posthalterei. Die Bemühungen des Letzteren um eine Zurückverlegung nach Schnaittenbach waren nicht von Erfolg gekrönt. Die Posthalterei blieb in Hirschau.

Maßgebend hierfür war ein Gutachten des Oberpostamtsverwalters Valentin Welz in Nürnberg vom 15. Juli 1778, der, offenbar der ständigen Bestrebungen der Poppschen Familie leid, eine Wiederübertragung der Posthalterei nach Schnaittenbach ablehnte. "Diese Leute", so schrieb er, "sind unverschämt genug gewesen, mich durch große Geldversprechungen mehr als einmal anzugehen, ihnen behilflich zu sein". Hirschau blieb also Poststation und Schnaittenbach hatte das Nachsehen.

Kein Zurück nach Schnaittenbach

Im Österreichischen Erbfolgekrieg gewann der Postkurs über Waidhaus erneut große Bedeutung. Um die Verbindung der vereinigten bayerisch-französischen Armee mit dem kurfürstlichen Hof in München herzustellen, richtete Kurfürst Karl Albrecht einen Kurierdienst ein, der von München über Ingolstadt, Neumarkt und Kastl auch Schnaittenbach beziehungsweise seit 1756 Hirschau berührte. Seit 26. August 1829 verkehrte einmal in der Woche ein königlicher Eilwagen von Nürnberg über Schnaittenbach nach Weiden und wieder zurück. 1836 ist niedergeschrieben: "In diesem Jahr ging auch am Samstag ein Eilwagen nach Prag hier durch und kommt am Montag wieder retour". Am 1. Juli 1852 wurde in Schnaittenbach eine Postexpedition errichtet, die von Expeditor Joseph Reiß verwaltet wurde. Am 1. Oktober 1881 ging die Expedition an Joseph Auers über, der sie am 15. Oktober 1907 freiwillig niederlegte. Ab dieser Zeit wurden die Geschäfte von königlichen Postagenten übernommen.

So sollen nach einer Zeichnung im Zuge einer denkmalpflegerischen Erfassung aus dem Jahre 2000 die Häuser an der Hauptstraße gegenüber der Pfarrkirche ausgesehen haben. In der Mitte das große Rasel-Anwesen, die damalige Poststation.

Weitere Bemühungen im Jahre 1879, die Poststation wieder nach Schnaittenbach zurückzuverlegen, blieben abermals erfolglos. Der "Hirschauer Magistrat" sträubte sich mit Eingaben und Stellungnahmen beim Oberpostamt Regensburg erfolgreich mit Händen und Füßen gegen eine Umlagerung aus der "Hirschauer Stadtgemeinde" mit 1829 Einwohnern in die "Schnaittenbacher Landgemeinde" mit damals lediglich 776 Einwohnern und so verblieb der Poststall in Hirschau. 1886 wurde der Telegraph von Amberg nach Schnaittenbach verlegt und 1906 eine Telefonstelle eröffnet.

1969 Umzug ins neue Postamt

Im Jahre 1896 hat man eine Postomnibusverbindung von Amberg über Hirschau nach Schnaittenbach eingerichtet. Diese wurde jedoch zwei Jahre später bereits wieder eingestellt, als am 8. Oktober 1898 die Lokalbahn Amberg-Schnaittenbach eröffnet wurde. Auf der neuen Strecke verkehrten nunmehr an Werktagen drei und an Sonntagen eine Schaffnerpost. Die in Schnaittenbach eingerichtete Postagentur, die bis 1906 im Eckhaus Hauptstraße/Bachgasse (jetziges Sparkassengebäude) und danach im Nebenanwesen (einst Benefiziaten- und Schwesternhaus, jetzt auch Sparkassengebäude) untergebracht war, war nicht selbständig, sondern bis zum 1. August 1943 dem Postamt Hirschau unterstellt. Der gesteigerte Geschäftsumfang machte 1969 den Umzug von der Hauptstraße (städt. Wohnhaus Hauptstraße 8) in das neue Postamt in der Wernberger Straße 11 (ehemals Andreas Schwandner) notwendig. Fast 30 Jahre hatte das Postamt dort seinen Sitz, ehe es im Jahre 1998 aufgegeben und als Deutsche Postfiliale Nummer 506 bei Zeitschriften Roth in der Kick-Rasel-Straße integriert wurde.

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