29.08.2021 - 15:58 Uhr
SchnaittenbachOberpfalz

Seit 1951 besitzt Schnaittenbach ein Mahnmal für Krieg und Vertreibung

Seit 70 Jahren steht der Gedenkstein der Heimatvertriebenen auf dem Kirchplatz neben der Lourdesgrotte. Die Verbände, die ihn initiierten, existieren nicht mehr, aber er hat kürzlich neue Patinnen gefunden.

Um den Gedenkstein der Heimatvertriebenen am Kirchplatz kümmert sich jetzt der Katholische Frauenbund Schnaittenbach.
von Autor SHProfil

Als 1945 Schlesien ein Teil Polens und das Sudetenland in die Tschechoslowakei eingegliedert wurde, mussten die dort lebenden Deutschen diese Gebiete verlassen. Über 700 Heimatvertriebene wurden in Schnaittenbach sesshaft, das den Zweiten Weltkrieg ohne Zerstörungen überstanden hat. Die Neubürger fanden Arbeit und gründeten Familien. So wurde Schnaittenbach zu ihrer zweiten Heimat, in der sie beim Wiederaufbau und der Aufwärtsentwicklung mit anpackten. Die Heimatvertriebenen haben Schnaittenbach wirtschaftlich, sozial, politisch und kulturell ungemein bereichert.

Um diese schicksalhafte Zeit mit dem Verlust von Heimat, Hab und Gut besser zu verkraften, ihre Verbundenheit mit der alten Heimat zu bekunden und deren Brauchtum zu pflegen, schlossen sich die Neubürger in der Sudetendeutschen Landsmannschaft, im Verband der Heimkehrer und in der Schlesischen Landsmannschaft zusammen. Heute existiert in Schnaittenbach keine dieser Vereinigungen mehr. Geblieben ist der 1951 auf Initiative des Heimkehrerverbandes mit Spenden und Zuschüssen der Marktgemeinde am Kirchplatz aufgestellte Gedenkstein; ein Mahnmal für Krieg und Vertreibung und zur steten Erinnerung an die Toten der Heimatvertriebenen.

Aus einem von kleinen Felsblöcken locker zusammengefassten, 3,10 Meter breiten Sockel erhebt sich ein 1,80 Meter hoher naturbelassener Granit. Darin ist unter einem schwarzen Eisenkreuz eine ebenfalls schwarze Tafel eingelassen mit der Inschrift "Heimatvertriebene ihren Toten". Der Stein fertigte der Steinmetzmeister Hans Wendl aus Kohlberg. Seine Einweihung durch Pfarrer Simon Utz und Bürgermeister Nagler umrahmten die Kaolinkapelle, der Chor der Amberger Heimatvertriebenen und die Knappschaftskapelle. Viele Landsmannschaften aus der ganzen Oberpfalz entsandten Vertreter zu diesem Gedenkakt.

Obwohl die damaligen Landsmannschaften und der Heimkehrerverband seit Jahren nicht mehr existieren, ist der Fortbestand des Denkmals gesichert. Der Katholische Frauenbund Schnaittenbach hat kürzlich die Patenschaft für das Vertriebenen-Denkmal übernommen, so dass die Pflege des Mahnmals in besten Händen und für die Zukunft gesichert ist.

Hintergrund:

Die Heimatvertriebenen und ihre Verbände in Schnaittenbach

  • Sudetendeutsche Landsmannschaft: Gegründet 1948 mit dem Ziel, durch
    Veranstaltungen, Vorträge und Feiern die Sitten und Bräuche der alten Heimat zu bewahren. Aufgelöst zum 1. September 1982.
  • Verband der Heimkehrer: Gegründet von etwa 130 Mitgliedern im Dezember 1949 als Interessenvertretung bei Ansprüchen der Hinterbliebenen von Vermissten sowie aus Kriegsgefangenschaften. Aufgelöst im Juli 1990.
  • Schlesische Landsmannschaft: Gegründet von rund 70 Mitglieder am 10. Juni 1951, um die verlorene Heimat im Gedächtnis zu halten. Aufgelöst zum 31. Dezember 1996.

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