30.06.2021 - 15:08 Uhr
SchnaittenbachOberpfalz

Seit zehn Jahren Kreisbrandrat: Fredi Weiß ist Feuerwehrmann mit Leib und Seele

Als Fredi Weiß 1975 als 16-Jähriger der Schnaittenbacher Feuerwehr beitrat, dachte er nicht im Traum daran, knapp 36 Jahre später als Kreisbrandrat Chef der 114 Feuerwehren im Landkreis Amberg-Sulzbach zu werden. Ein Portrait.

Fredi Weiß ist Feuerwehrmann mit Leib und Seele. Am 1. Juli 2011 trat er sein Amt als Kreisbrandrat an, 2017 wurde er für weitere sechs Jahre wiedergewählt. Als 16-Jähriger trat er 1975 der Schnaittenbacher Feuerwehr bei. Am 1. April 1985 wurde er deren stellvertretender Kommandant, am 1. April 1997 ihr Kommandant. Die Ernennung zum Kreisbrandmeister erfolgte am 1. März 2005, zum Kreisbrandinspektor am 1. August 2006.
von Werner SchulzProfil

Fredi Weiß ist seit zehn Jahren Kreisbrandrat (KBR) für Amberg-Sulzbach. Genau übt der 61-Jährige das Amt seit 1. Juli 2011 aus, 2017 wurde er wiedergewählt. Seitdem gehört er als Bezirksvorsitzender auch dem Landesvorstand an und ist für die Feuerwehr jährlich 35 000 bis 40 000 Kilometer unterwegs. Er genießt nicht nur das Vertrauen der rund 4800 Feuerwehrleute sondern in besonderer Weise auch das von Landrat Richard Reisinger: „Fredi Weiß besitzt ein effizientes Feuerwehr-Netzwerk, ist oberpfalzweit anerkannt, steht hinter der Jugend und Ausbildung und hat trotz der Führungsverantwortung immer einen menschlichen Umgangston.“

Dass der so Gelobte ein Feuerwehrmann mit Leib und Seele ist, kommt wohl nicht von ungefähr. „Das muss in meinen Genen liegen“, meint er schmunzelnd und erzählt, dass sein Opa Kommandant der Steiningloher Wehr und sein Vater ebenfalls Feuerwehrmann war. Auf jeden Fall empfindet er sein Feuerwehr-Engagement als Berufung, ja als sein Leben. Im gleichen Atemzug betont er, dass er von einem exzellenten Team mit vier Kreisbrandinspektoren und 15 Kreisbrandmeistern unterstützt wird. In Sachen Kreisbrandmeister wartet er mit einer Anekdote aus seiner KBR-Anfangszeit auf. Als ihm Kreisbrandinspektor Peter Deml als neuen Kreisbrandmeister einen Feuerwehrmann aus Achtel vorschlug, habe er erwidert: „Du, der Kreisbrandmeister muss fei aus dem Landkreis sein.“

Den Nachwuchs ausbilden

Mehr als zufrieden ist der Schnaittenbacher mit den Ortsfeuerwehren. Dort stecke man viel Zeit und Energie in die Werbung und Ausbildung des Nachwuchses. Aktuell gäbe es über 100 Jugendgruppen mit rund 1000 Jugendlichen. Hinzu kämen 14 Kinderfeuerwehren mit über 300 Mitgliedern. Beim Thema Ausbildung kommt Fredi Weiß unwillkürlich auf die Corona-Pandemie zu sprechen. „Sie war eine sehr schwierige Phase, da der Ausbildungsdienst über lange Zeit überhaupt nicht oder nur sehr eingeschränkt in Kleingruppen stattfinden konnte.“ Die optimale Ausbildung sei aber die Grundvoraussetzung für den Einsatz. Die Hygiene- und Schutzmaßnahmen seien für die Feuerwehrleute wegen der körperlichen Anstrengungen unter der Schutzmaske eine enorme Belastung gewesen. Soziale Kontakte hätten praktisch lange nicht stattfinden können. Dabei seien Gespräche und ein gutes Miteinander unverzichtbare Bausteine für eine echte Kameradschaft. Diese sei die Basis für einen erfolgreichen Feuerwehrdienst, der ehrenamtlich, freiwillig und unentgeltlich geleistet wird. „Hoffentlich können wir bald wieder Schulter an Schulter sitzen.“

Viel Geld investiert

Den Gemeinden bescheinigt er, in den vergangenen Jahren viel Geld investiert zu haben, um die Gerätehäuser, Fahrzeuge und die Ausrüstung auf aktuellem Stand zu halten. Positiv bewertet er die Fortschritte bei der Digitalisierung. Mittlerweile habe man für die Führungsarbeit viele digitale Endgeräte in den Einsatzfahrzeugen. Über die Web-Portale sei bei Besprechungen ein schneller Austausch möglich. Die montäglichen Online-Schulungen mit bis zu 150 Teilnehmern seien ein Erfolg gewesen. Erfreut ist Weiß darüber, dass man als einer der wenigen Landkreise in Bayern den neuen Fachbereich „Digitales Einsatztraining“ einführen konnte.

Anerkennung zollt der KBR den Arbeitgebern. Sie zeigten meist Verständnis für die Freistellungen ihrer Beschäftigten bei Einsätzen und Lehrgangsbesuchen. Als ausgezeichnet und „echt kameradschaftlich“ bezeichnet er das Verhältnis zu den Polizeidienststellen und anderen Rettungsorganisationen. Seine eigenen Kenntnisse im Rettungswesen bringt er im Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung ein. Ein Dorn im Auge sind ihm jene Zeitgenossen, die die Einsatzkräfte anpöbeln, beschimpfen oder gar bedrohen, zum Beispiel bei Absperrmaßnahmen. Erleichtert ist er darüber, dass die Feuerwehrleute bei ihren Einsätzen von schweren Verletzungen verschont blieben. Von den Einsätzen entfällt ca. ein Drittel auf die Brandbekämpfung, der Rest sind technische Hilfeleistungen oder Rettungen. Von den Einsätzen, die er mitgemacht hat, ist ihm der Unfall auf der B 14 zwischen Wernberg und Schnaittenbach in unauslöschlicher Erinnerung. Am 26. November 2003 kamen dort fünf Menschen ums Leben, nachdem ihr Auto ins Schleudern und bei voller Fahrt mit dem Dach gegen einen Baum gerast war. „So etwas habe ich weder vorher noch nachher mehr erlebt.“

In der CSU engagiert

Engagiert ist Fredi Weiß außerdem in der Kommunalpolitik. Seine politische Heimat ist die CSU. Als Jugendlicher trat er in die Junge Union ein, später in die CSU Schnaittenbach. Bei den Kreistagswahlen 2014 wurde er von Platz 41 der CSU-Liste auf Platz 26 nach vorne gewählt, bei den Wahlen 2020 von Platz 29 auf Platz 8.

Kein Hehl macht Fredi Weiß daraus, dass sein Engagement nur möglich war, weil seine Familie mitgespielt hat – allen voran seine Frau Marianne. Als Dank für ihre Unterstützung „schwänzte“ er 2019 den Florianstag und fuhr mit seiner Marianne anlässlich des 40. Hochzeitstages zum Besuch einer Messe im Regensburger Dom.

2023 könnte Fredi Weiß noch einmal zur Wahl als Kreisbrandrat antreten, müsste aber nach einem Jahr wegen Überschreitung der Altersgrenze für den aktiven Dienst wieder aufhören. „Eine erneute Kandidatur wäre Unfug, 2023 ist Schluss“, lacht Fredi Weiß. Für die Zeit danach hat er sich eine Menge vorgenommen. An erster Stelle: Mehr Zeit für die Familie. Er will viel draußen in der Natur sein („Ich geh narrisch gerne zum Bergwandern“), sich der Fotografie widmen und außerdem die Familiengeschichte erforschen.

Fahrertraining für Feuerwehrleute

Amberg

Fredi Weiß als Kreisbrandrat wiedergewählt

 

 

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