13.07.2021 - 15:19 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Flugzeugabsturz bei Maxhütte-Haidhof: Pilot akzeptiert Geldstrafe

Der Pilot der FK 12 Comet, die am 31. März 2019 bei Maxhütte-Haidhof abgestürzt ist. zieht während der Verhandlung am Schwandorfer Amtsgericht seinen Einspruch zurück. Er akzeptiert den Strafbefehl. Auf eines legt er aber Wert.

Wegen eines Strömungsabrisses während einer Außenlande-Übung stürzte das Ultraleichtflugzeug nördlich von Maxhütte-Haidhof ab. Es ging sofort in Flammen auf. Der Pilot und ein einweisender Fluglehrer wuden verletzt.
von Irma Held Kontakt Profil

Amtsrichterin Jennifer Jäger nennt den Strafbefehl vom Juni 2020 in Höhe von 90 Tagessätzen wegen gefährlichen Eingriffs in den Luftverkehr durch Unterschreiten der Mindestflughöhe und fahrlässiger Körperverletzung ein mildes Angebot. Ein Urteil würde erfahrungsgemäß höher ausfallen. Dies ist zu Beginn der Verhandlung ein erster Fingerzeig in Richtung Angeklagter, den Einspruch zurückzuziehen. Dem 52-jährigen Piloten ist es aber ein Anliegen, seine Sicht der tragischen Ereignissen darzustellen. Vor allem die Formulierung "grob pflichtwidriges Verhalten" macht ihm zu schaffen, habe er doch aus seiner Sicht zutiefst verantwortungsvoll gehandelt.

Er habe sich im Januar 2019 diesen "relativ sportlichen Flieger" gekauft. Eine Fluglizenz, auch für Hubschrauber, besitzt der Mann aus dem südlichen Landkreis Schwandorf. Weil die Comet jedoch nicht einfach zu fliegen sei, "habe er einen Fluglehrer ganz bewusst ins Boot geholt". Es war ein heute 64-Jähriger aus Regensburg, der bei einer Flugschule angestellt ist. Eine Einweisung sei zwar nicht vorgeschrieben, aber sinnvoll.

Außenlandung geübt

Diese Einweisung gilt explizit nicht als Ausbildungsflug. Verantwortlich ist der Pilot. Bis zum Unfallzeitpunkt habe er noch keinen Alleinflug mit diesem Ultraleichtflugzeug gemacht, sagt der Angeklagte. Bei Maxhütte-Haidhof sollten am 31. März 2019 Außenlandungen geübt werden, bevor es wieder zurück zum Flugplatz Weiden-Latsch gegangen wäre. Bei einer solchen Übung werde das Gebiet in sogenannten Clearing-Turns überflogen, Höhe abgebaut, die Mindestflughöhe zwangsweise unterschritten und dann eine Landung simuliert, wobei das Flugzeug nicht auf dem Boden aufsetze. Über bewohntem Gebiet beträgt die Mindestflughöhe 1000 Fuß (etwa 300 Meter), bei unbewohntem 500 (etwa 150 Meter).

Bei niedrigen Geschwindigkeiten bestehe die Gefahr des Strömungsabrisses. Dazu ist es gekommen. "Wir versuchten die Leistung zu erhöhen, worauf die Triebwerke nicht ansprangen", sagt der Pilot aus. Das Gasgeben scheitert. Beim Aufprall auf den Boden zerbrach der Kunststofftank. Sprit floss auf die heiße Auspuffanlage und entzündete sich sofort. Während der 52-jährige noch glimpflich davon kam, erlitt der Fluglehrer schwere Verbrennungen an den Beinen und leichte an den Armen.

"Spektakuäre Zeugenaussagen"

Der Angeklagte verwahrt sich gegen "spektakuläre Zeugenaussagen", es seien Loopings oder halbe Rollen geflogen worden. "Es wird versucht, das Bild eines Luftrowdys zu zeichnen, das nicht meinem Naturell entspricht." Er habe "hoch verantwortlich" gehandelt. Sowohl die Richterin Jennifer Jäger als auch Oberstaatsanwalt Jürgen Konrad wiesen den Verdacht des Kunstflugs zurück. Davon stehe nichts im Strafbefehl, sagt Jäger, Das seien Aussagen, "die nicht bewusst gegen Sie gestreut worden sind", entgegnet Konrad.

Hätte der Angeklagte die Geldstrafe in Höhe von 90 Tagessätzen nicht akzeptiert, wären jedoch im Verlauf des Prozesses diese Zeugen zu Wort gekommen. So wurde nur noch der erfahrene Fluglehrer gehört, der auch weiterhin schult und mit dem Angeklagten wieder geflogen ist. Durch den Absturz habe er keinerlei Beeinträchtigungen. An die entscheidenden Momente könne er sich allerdings nicht mehr erinnern.

"Bedauere alles sehr"

"Das war ein Einweisungsflug." Es wurden jedoch keine Rechnungen gestellt, die Flugschule aus dem Spiel gelassen. Da sich beide schon lange kennen, sei es auf ein "Gentlemen-Agreement" hinausgelaufen. Er hätte mal mit der Maschine fliegen dürfen. Der Einzuweisende steuere, soweit es möglich sei, das Flugzeug. "Ich weiß es nicht mehr genau. Ich nehme an, dass ich das Flugzeug nicht gesteuert habe." Konkrete Vereinbarungen seien nicht getroffen worden. Er habe gedacht, der Einweiser sei verantwortlich. Das, klärt der Gutachter auf, sei vor etwa zwei Jahren präzisiert worden. Seine neue Expertise war nicht mehr nötig. Einweisungsflüge seien keine Ausbildungsflüge. "Der Angeklagte ist der verantwortliche Flugzeugführer", betont die Amtsrichterin. "Ich bedauere alles sehr", sagt der Pilot bei der Rücknahme des Einspruchs nach Beratung mit Anwältin Selina Riemer. Um in Zukunft alles richtig zu machen, werde er sich ganz genau informieren.

Der Absturz

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Hintergrund:

FK 12 Comet

Der Angeklagte erklärt dem Gericht die Besonderheiten dieses Flugzeuges.

  • Der FK12 Comet ist ein zweisitziger Sport-Doppeldecker.
  • Die Insassen sitzen hintereinander. Der Pilot sitzt wegen der Gewichtsverteilung auf dem hinteren Sitz. Alle erforderlichen Steuerungselemente sind auch auf dem vorderen Platz vorhanden.
  • Die FK 12 Comet ist ein Spornradflieger. Der Schwerpunkt liegt hinter dem Hauptfahrwerk.
  • Beide Tragflächen werden vom Querruder aus angesteuert.
  • Der Vergasermotor seines Flugzeuges ist weder für Kunstflug zugelassen noch geeignet.

"Es wird versucht, das Bild eines Luftrowdys zu zeichnen, das nicht meinem Naturell entspricht."

Angeklagter Pilot, zu Aussagen über angeblich spektakuläre Manöver

Ich weiß es nicht mehr genau. Ich nehme an, dass ich das Flugzeug nicht gesteuert habe."

Einweisender Fluglehrer zum Flug am 31. März 2019

 

 

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