27.11.2020 - 11:21 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Karpfen to go löst Absatzprobleme Schwandorfer Teichwirte nicht

"Das war so ein kleiner regionaler Wirtschaftskreislauf. Genau das, was man will". Teichwirt Marco Mulzer trifft trotz mehrerer Absatzzweige der Lockdown der Gastronomie hart, wie viele Berufskollegen im Landkreis.

Nur die großen Karpfen kommen in die Pfanne. Zurzeit wegen des Schließens der Gastronomie auch diese kaum.
von Irma Held Kontakt Profil

Marco Mulzer aus Oberweiherhaus (Stadt Schwandorf) versorgt Gastronomie, Lebensmitteleinzelhandel und Fischereiverbände mit Karpfen, Forellen und Saiblingen aus seinen Teichen. Der Umsatz in der Direktvermarktung sei zwar gestiegen, sagt er auf Anfrage von Oberpfalz-Medien, aber die deutlichen Rückgänge durch das Schließen der Gastronomie können nicht kompensiert werden. Er biete auf Vorbestellung gebackene Karpfen und Forellen ab Hof an.

Der Gastronomie vertrauen

Der Aufwand, die Fische zu vermarkten, sei größer und ein Vollzeit arbeitender Angestellter müsse auch entlohnt werden. "Der Gastronomie soll wieder Vertrauen geschenkt werden." Das ist Marco Mulzer ein Anliegen. Schließlich seien Hygienekonzepte entwickelt worden, die super funktioniert hätten. Es handle sich bei heimischen Fisch um einen kleinen, regionalen Wirtschaftskreislauf. Das sei doch genau das, was man wolle.

Das Zusperren der Gaststätten trifft Teichwirt Hans Schießl aus Asbach (Markt Schwarzenfeld) hautnah. Er betreibt eine Blockhütte, die für Feiern aller Art gut gebucht wird. Auf die Situation angesprochen ist "Oh mei" noch eine wohlwollende Lageschreibung. Der Umsatz von wöchentlich 500 bis 600 Kilogramm Lebendware sei weggebrochen. Angefangen habe das Dilemma im August mit der Absage von Fischerfesten bei denen 2000 bis 2500 Kilo weggegangen seien. "Das Geld geht den Vereinen ab. Sie machen auch keine großen Besatzmaßnahmen", weist er auf eine weiteren Aspekt des Herunterfahrens hin.

30 Busgruppen wollten heuer in seiner Blockhütte einkehren. "Gekommen ist keine einzige." Und die Direktvermarktung, auch mit Drive-In, sowie treue Stammkunden reichen nicht aus, "dass Lagerbestände vor Ort vermarktet werden können." Mit etwa 10 Prozent, schätzt Hans Schießl, schlage die Direktvermarktung beim Umsatz zu Buche. Die Konsequenz aus dem Lockdown light: Die Fische müssen überwintert werden. Das führe zu Engpässen in den Teichen und der Fischbauer riskiere auch eine Kürzung der Fördermittel.

Josef Graf, Leiter der Abteilung Förderung am Amt für Landwirtschaft, erklärt auf Nachfrage dass Teichwirte 350 Euro pro Hektar erhalten, wenn sie unter dem Maximum besetzen und einmal pro Saison abfischen. Manche Teichwirte würden jetzt nicht abfischen und auf das Frühjahr hoffen. Das Problem sei bekannt und das Ministerium eingeschaltet. Laut Josef Graf ist noch nicht geklärt, wie überbesetzte Teiche in dieser Krisenzeit fördertechnisch behandelt werden.

Außer-Haus-Verkauf als neuer Markt

Stulln

Im Nürnberger Raum im Geschäft

Bernhard Dobler von der Teichwirtschaft Dobler in Bergelshof (Stadt Nabburg) überwintert Karpfen in Hälterungen. Das schützt vor Fischräubern und Überbesatz, heißt aber die Fische müssen bis bis Ostern verkauft sein. Weil die Karpfen in der Hälterung nicht in Winterruhe gingen, seien sie im Frühjahr zu schwach, um wieder in einen Teich eingesetzt zu werden. Wie bei den meisten Teichwirten läuft Weihnachten das Hauptgeschäft. Der Teichbetrieb Dobler ist im Nürnberger Raum gut im Geschäft. Dort ist nach den Worten von Bernhard Dobler der Karpfen to go ein durchaus bewährtes Modell, das durch Corona wieder neu belebt worden ist.

Dobler Teichwirtschaft geht neue Wege

Nabburg

Weniger hart trifft die Pandemie die Kleinen unter den Nebenerwerbsteichwirten. "Wir können zufrieden sein", heißt es von einem aus dem Raum Oberviechtach. Mit dem frischen Oberpfälzer Naturprodukt würden ausschließlich private Abnehmer versorgt.

Frittiert kommt der Karpfen oft auf den Teller.
Am liebsten ist den Oberpfälzern der Karpfen auf der Pfanne gebacken mit Kartoffelsalat als Beilage.
Hintergrund:

Oberpfälzer Karpfen

  • Beim "Oberpfälzer Karpfen" handelt es sich um eine kontrollierte Erzeugung.
  • Oberpfälzer Karpfen ist seit August 2002 als geschützte geografische Angabe (g.g.A.) gemäß der Verordung 1151/2012 bei der EU eingetragen
  • Karpfen werden nach den Worten von Teichwirt Hans Schießl zufolge nach einem alten Bruch in den Monaten mit R verzehrt. Diese Monate brechen jetzt weg.
  • Die Teichgenossenschaft Oberpfalz führt eine Liste mit Teichwirten im Landkreis Schwandorf. Informationen dazu unter: www.teichgenossenschaft-oberpfalz.de

 

 

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