01.09.2021 - 17:05 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Von Bad Tölz nach Sulzbach-Rosenberg: Braumeister schwärmt von Almen und Bier

Nicht jedem Braumeister ist es vergönnt, einmal im Arbeitsleben den kompletten Umbau eines Sudhauses unmittelbar mitzuerleben. Für den Tölzer Sebastian Heuschneider klappte das gleich im ersten Jahr bei der Brauerei Fuchsbeck.

Elke und Armin Ertel als Besitzer der Brauerei Fuchsbeck brauchen ihrem Braumeister Sebastian Heuschneider auch im neuen Sudhaus nicht auf die Finger schauen – der gebürtige Bad Tölzer versteht sein Handwerk.
von Andreas Royer Kontakt Profil

Nun ist es von Bad Tölz in die Oberpfalz nicht - wie hier gesagt wird – der nächste Weg, aber die Chance zur Mitarbeit in einer weiter aufstrebenden Brauerei wollte sich Sebastian Heuschneider nicht entgehen lassen - zumal der Wechsel im Jahr 2019 auch genau in seinen Lebensplan passte. Was den 38-jährigen Oberbayern die Entscheidung für die Brauerei Fuchsbeck in Sulzbach-Rosenberg sicher nicht gerade erschwerte, war die Tatsache, dass die renommierte Wirtshausbrauerei gerade im Begriff war zu modernisieren – genauer gesagt, das komplette Sudhaus zu erneuern. „Sicher hat jeder Brauer eigene Ansprüche, aber stets etwas Neues zu entdecken und zu hinterfragen, wie die Abläufe funktionieren, das hat mich schon immer interessiert“, nennt der Braumeister einen weiteren Beweggrund für seinen Wechsel zur Brauerei am Hagtor 1.

Beim Gespräch mit Oberpfalz-Medien im technisch und gastlich völlig neu gestalteten Sudhaus vermittelt Sebastian Heuschneider, der von Freunden und Bekannten im Tölzer Land kurz „Waschti“ genannt wird, den Eindruck, als sei er ein Suchender, der gerne praktisch arbeitet, sich Aufgaben stellt und Lösungen finden will. „Ich wollte schon immer wissen, was gut schmeckt, wie die Abläufe in der Gastronomie funktionieren und was hinter den jeweiligen Prozessen steckt. Deshalb habe ich auch als Hilfskoch und bei einem Winzer mitgearbeitet – aber da war ich schon fertiger Braumeister“, schildert Heuschneider seine grundsätzlichen Überlegungen.

Dass die Modernisierung des kompletten Sudhauses bei Fuchsbeck-Bräu Armin Ertel schon länger auf der Agenda stand, kam dem Wahl-Sulzbach-Rosenberger naturgemäß dann sehr entgegen. Hier konnte er sich zusammen mit Hans Ertel, dem Bruder des Inhabers, bei technischen Lösungen voll und ganz einbringen, Prozesse wurden optimiert, Qualitätsstandards überdacht, Reinigungsprozesse angepasst – insgesamt mehrere Produktionsabläufe aufeinander abgestimmt und weitgehend automatisiert. „Es ist schon sehr beruhigend zu wissen, dass gerade gleichzeitig die Würze kocht, die Lagertanks gereinigt werden und der Füller läuft, aber wir uns trotzdem hier unterhalten können, ohne das ich alle Prozesse persönlich verfolgen muss“, sagt Heuschneider beim Pressegespräch.

Einfach gutes Bier brauen

Er macht auch deutlich, dass es für ihn und das ganze Team nicht darum geht, immer nur dem allerbesten Bier nachzujagen, sondern es geht darum eine hohe Qualität zu sichern und sich den bewährten Gerstensaft-Sorten zu widmen. Andererseits, auch das verschweigt der Oberbayer in seiner ruhigen und besonnen Art nicht, habe es durchaus seinen Reiz, auch einmal Neues auszuprobieren, wie etwa das Grünhopfen-Bier.

Das hat er auch gelernt, denn in seinen Anfangsjahren fand der Brauer nach seiner Lehrzeit beim Oberbräu in Holzkirchen eine Anstellung in seiner Heimatstadt Bad Tölz, die ursprünglich einmal gut 20 Brauereien im Gewerbeverzeichnis führte, im neu eröffneten „Mühlfeldbräu“. In dieser Gasthaus-Brauerei rückten mit der Zeit immer mehr die sogenannten „Craft-Biere“ in den Fokus. „Wir haben dort mit einer Fünf-Hektoliter-Anlage gearbeitet, mussten wegen der starken Nachfrage immer weiter expandieren, so dass ich eigentlich keinen Urlaub mehr nehmen konnte. Für das Bier hatten wir wirklich gute Rahmenbedingungen. Und wenn die passen, ist es nirgends schwer, gutes Bier zu brauen“, gibt sich Heuschneider überzeugt, in dem er auf die neuen 50-Hektoliter-Sudkessel der Brauerei Fuchsbeck zeigt.

Irgendwann nahm der 38-Jährige, dem das nach zwei Semestern abgebrochene Brauer-Studium in Weihenstephan zu praxisfern war, dann ein Sabbat-Jahr, um sich zu hinterfragen und neu zu orientieren. Er arbeitete in München in der Großmarkthalle, bei einem Metzger und war Schankwirt auf der Wiesn, jobbte am Bau und in der Gastronomie und war kurzzeitig die gute Seele in einem alten Dorfwirtshaus. Auch zur „Gasthaus-Brauerei“ kehrte er gelegentlich zurück und entdeckte als Kuhhirte auf einer Alm im Karwendel eine neue Leidenschaft, der er regelmäßig saisonal bis Mitte 2019 nachging. Nach dieser Horizont-Erweiterung fasste er aber den Entschluss, wieder als Braumeister arbeiten zu wollen.

Kontakt zur Oberpfalz

Beinahe hätte es ihn schon früher in die Oberpfalz verschlagen, aber ein Job beim Prösslbräu in Adlersberg bei Regensburg sollte es am Ende doch nicht sein. Im Jahr 2019 wollte es dann der Zufall, dass ein Berater des Bayerischen Brauer-Bundes von den Veränderungswünschen Heuschneiders erfuhr. Dieser stellte dann den Kontakt mit dem Fuchsbeck-Bräu her, was bis dato niemand bereut. Im Gegenteil, alle sind froh, den Modernisierungsprozess schon soweit umgesetzt zu haben. „Auch meine Freundin, die ich meist an den Wochenenden in Bad Tölz sehe, hat mir zur Zusage beim Fuchsbeck geraten. Uns gefällt es in Sulzbach-Rosenberg, und falls wir hier auch richtig Wurzeln schlagen, werden wir uns sicher eine Bleibe im Grünen suchen“, lässt der Bergfreund und Hobby-Imker einen Wandel zur Sesshaftigkeit erkennen, was auch auf ein langfristiges Engagement bei der Brauerei Fuchsbeck hindeuten könnte ...

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„Für das Bier hatten wir wirklich gute Rahmenbedingungen. Und wenn die passen, ist es nirgends schwer, gutes Bier zu brauen.“

Braumeister Sebastian Heuschneider

 

 

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