06.09.2021 - 16:55 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Aus dem Baum wurden Sitzmöbel: Rosenberg mit "Kirwa light" im Feiermodus

Einen 28 Meter hohen Baum im Rosenberger Ortskern gab es heuer nicht. Doch bei der "Kirwa light" am Kettelerhaus lebten Brauchtum und Feierlaune trotz Corona auf. Die Versteigerung von Kirwa-Möbeln entfachte ein Bietergefecht.

Nach dem Austanzen des Kirwabaums wurden die aus dem letztjährigen Kirwabaum gefertigten, rustikalen Gartenmöbel versteigert.
von Heidi FranitzaProfil

Hinter Rosenberg liegen drei besondere Feiertage: Tanzen und Singen, Essen und Feiern. Obwohl die Kirwa "im Dorf" wegen der Pandemie von Freitag bis Sonntag, 3. bis 5. September, nur in abgespeckter Form abgehalten werden durfte, tat das der guten Stimmung keinen Abbruch: Alle Genehmigungen lagen vor. Die letzte Tanzprobe war vorbei. Das anschließende Schlachtschüsselessen am Freitag im Kettelerhaus läutete eine Kirwa ein, die in Erinnerung bleiben wird.

Der ökumenische Gottesdienst im Außenbereich des Kettelerhauses folgte einer Tradition, die von der Kirwagemeinschaft vor einigen Jahren ins Leben gerufen worden war. Pfarrer Saju Thomas bedankte sich bei den Kirwaleuten, die trotz Corona-Auflagen das Kirchweihfest auf die Beine gestellt hatten und es auch ermöglichten, den Gottesdienst gemeinsam zu feiern. Sajus evangelischer Kollege Roland Kurz stellte im Gottesdienst die Frage, inwieweit sich der Mensch in der heutigen Zeit von seinen Ursprüngen entfernt habe. „Kirchweih ist eine gute Gelegenheit, dorthin wieder zurück zu finden und miteinander Zeit zu verbringen.“

Möbel mit Pferdekutsche geliefert

Aus dem Holz des Kirwabaums vom vergangenen Jahr hatten die Kirwaleute im Winter ansehnliche Gartenmöbel zusammen gezimmert. Die Vorbestellungen wurden am Samstag stilecht mit der Pferdekutsche geliefert und mit viel Musik, Gesang und Tanz an die neuen Besitzer übergeben. Unter deren wachsamen Augen nagelten die Helfer das Original-Kirwabaumschild an die Sitzmöbel. Die Eigentümer ließen es sich auch nicht nehmen, die neue Bank zusammen mit den Kirwaleuten mit einem oder zwei Gläschen entsprechend einzuweihen. So war der Nachmittag geprägt von Prost-Rufen, dem ein oder anderen Tänzchen und einem geduldigen Kutscher.

Die Sonne neigte sich schon gen Horizont, als die Auslieferungsrunde beendet war und die Feier im Fischergarten mit der Phil-Seccer-Band ihre fröhliche Fortsetzung fand. Die seit dem 2. September gültige 14. Bayerische Infektionsschutzmaßnahmenverordnung hatte zwar die Sperrstunde nach hinten verschoben, die heraufziehende Feuchte vom Rosenbach verhinderte jedoch mit zunehmender Stunde, dass die Gäste allzu lange sitzen blieben.

Ersatz-Baum zeigt den Weg

Klar, dass bei einem solchen Traditionsfest ein Kirwabaum nicht fehlen darf. Das Aufstellen des üblichen, knapp 28 Meter langen Baumes auf dem Dorfplatz blieb jedoch auch dieses Jahr wegen Corona untersagt. Aber es wären nicht die Rosenberger Kirwaleit, wenn sie nicht für eine Alternative gesorgt hätten. Rosenberg erwachte langsam, als die Männer am frühen Sonntagvormittag im Biergarten des Kettelerhauses einen kleinen Kirwabaum aufstellten. Die geschmückte Spitze zeigte den Frühschoppengängern wie ein Leuchtturm den Weg in den Biergarten.

Wie es der Zufall wollte, hatten die Birgländer, die Hausmusikanten der Rosenberger Kirwa, am späten Nachmittag gerade ihre Instrumente für eine öffentliche Musikprobe ausgepackt, als sich die Kirwapaare zum Baumaustanzen aufstellten. Doch Tanzpaare und die zahlreichen Gäste im Biergarten wurden auf eine lange Geduldsprobe gestellt – erst nach über 30 Minuten läutere der Wecker. Das Klingeln kürte Susi Kausler und Veit Rösch zum neuen Oberkirwapaar.

600 Euro für Holztisch

Ein weiterer Höhepunkt war mit der versprochenen Versteigerung der restlichen Kirwabaum-Gartenmöbel angekündigt. Eine Bank konnte sich Martin Pöllath mit einem Höchstgebot von 310 Euro sichern. Als der rustikale Tisch mit zwei Bänken aufgerufen wurde, kam es zu einem spannenden Bietergefecht. Mit 600 Euro konnte letztlich die Mannschaft des italienischen Restaurants Imperatore die Versteigerung für sich entscheiden. Auch der kleine, aktuelle Kirwabaum fand einen Abnehmer.

Am Montag öffnete die Bäckerei Fischer für die "Noukirwa" erneut ihren Garten. Am Abend probten dort die Birgländer Bäiazüpfl.

Die Kirwa light war eine gute Gelegenheit, miteinander Zeit zu verbringen, so wie Pfarrer Roland Kurz am Freitag gesagt hatte. Denn: Kirwa im Dorf, das sind die Nationalfeiertage in Rosenberg. Die Hoffnung bleibt, dass sie 2022 wieder in vollem Umfang zelebriert werden können. Ja, Kirwa lou niad nou!

Hier der Erst-Bericht zur Kirwa 2021

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