24.06.2020 - 15:33 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Beschlossene Sache: Oberpfalz-Arkaden werden gebaut

Das Liliencenter wird bald Geschichte sein: In einer vierstündigen Marathonsitzung billigt der Stadtrat die Entwurfsplanung für ein Fachmarktzentrum am Bierhalsberg. Die Öffentlichkeitsbeteiligung hat wichtige Änderungen gebracht.

An Ostern 2022 sollen die Oberpfalz-Arkaden eröffnen. 80 Prozent der Fläche sind bereits vermietet, dazu gehören als Hauptmieter Edeka, Netto und die Drogerie Müller, die in das neue Zentrum umzieht. Auch NKD, KiK, eine Bankfiliale, Loto Toto, Physiotherapie und ein Restaurant sollen einziehen.
von Tobias Gräf Kontakt Profil

Jetzt ist es beschlossene Sache: In vollzähliger Besetzung hat der Stadtrat mit großer Mehrheit die Entwurfsplanung für die Oberpfalz-Arkaden als Nachfolgeeinrichtung des Liliencenters am Bierhalsberg gebilligt.

Weil es zuvor aus Politik und Bevölkerung auch Kritik an dem Vorhaben gab, war die Zustimmung keineswegs gewiss. Nach der Abstimmung zeigte sich Investor Hans Jürgen Weber deshalb erleichtert und richtete sich persönlich an die Stadträte: "Ich danke Ihnen sehr. Jetzt bekommen Sie ein modernes Einkaufscenter, auf das Sie auch in 20 Jahren noch stolz sein können. Unser Plan steht: An Ostern 2022 wollen wir eröffnen."

Großes Bürgerinteresse

Der trocken klingende Tagesordnungspunkt zwei "Vorhabenbezogene Änderung des Bebauungs- und Grünordnungsplanes 'Bierhalsberg' mit Vorhaben- und Erschließungsplan im Bereich des Liliencenters" stieß in der Bevölkerung auf Interesse: Trotz Corona-Auflagen begrüßte Bürgermeister Michael Göth in der Turnhalle der Pestalozzischule eine "zahlreich erschienene Öffentlichkeit".

Von Architekt Friedrich W. Groefke (Berlin) und Investor Hans Jürgen Weber (Osnabrück) bekamen Gäste und Räte den aktuellen Stand der Planung aus erster Hand präsentiert. So informierte Groefke, dass die durch die frühzeitige Öffentlichkeits- und Behördenbeteiligung eingegangenen Anmerkungen und Kritik berücksichtigt wurden. Die Veränderungen betreffen die Bereiche Ökologie, Verkehrssicherheit und Barrierefreiheit.

Die Wählervereinigung SuRo 2030 kritisiert die Oberpfalz-Arkaden, weil sie eine Verödung der Altstadt befürchten.

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Laut Groefke soll die Außenfassade aus optisch-ästhetischen Gründen teils eine Holzverkleidung erhalten, teils begrünt werden, zum Beispiel mit Ranken. Auch der Grünstreifen, der rund herum zwischen dem Areal und der B 14 verläuft, soll erhalten und teils ausgebaut werden.

Grüne Arkaden: CO2-freier Betrieb

"Wir verzichten auf CO2-Erzeugung, da wir komplett Fernwärme nutzen", berichtete der Architekt. Weil darauf der Ankermieter Edeka bestünde, würden nur "biologisch verträglich Baustoffe für nachhaltiges Bauen verwendet". Zudem gibt es eine Wärmepumpe und auf den Dächern der Arkaden soll ein Regenrückhaltesystem das Wasser in Zisternen auffangen. "Es freut uns, dass ökologische Aspekte stärker berücksichtigt wurden", sagte dazu Yvonne Rösel für die Grünen.

Wichtige Änderungen gibt es in puncto Verkehrsführung. Weil auf Höhe des Reformhauses eine Zufahrt zum Center mit zusätzlicher Linksabbiegespur auf der B 14 eingerichtet werden soll, wurde ein Verkehrschaos befürchtet. Als Lösung soll dort nun eine Ampelkreuzung errichtet werden. Groefke: "Wir haben die Forderungen der Bürger berücksichtigt. Eine solche Querungshilfe war ja schon lange gewünscht, sie hilft nun auch Fußgängern, die mit dem Bus kommen und an der Haltestelle Obere Gartenstraße aussteigen."

Der geplante geradlinige Verbindungsweg für Fußgänger schafft eine barrierefreie, direkte Verbindungsachse zum Stadtturm und der Altstadt. So sollen beide Areale miteinander verbunden werden und die Fußgänger einen Anreiz erhalten, zum shoppen weiter in die Innenstadt zu bummeln.

Der Verkehr wird dem Architekten zufolge nicht behindert: "Wir haben eine intensive Verkehrsuntersuchung in Auftrag gegeben und alle Szenarien durchgespielt: Egal, ob morgens, mittags oder abends, zu keiner Zeit kommt es zu Rückstauungen zur Storg-Kreuzung." Die Verkehrsuntersuchung basiere auf den Zahlen des staatlichen Bauamtes. Groefkes Fazit: "Die Funktionsfähigkeit der neuen Einfahrt ist gegeben."

Ampelkreuzung verhindert Chaos

Die neue Ampelanlage würde nicht nur kein Verkehrschaos erzeugen, sondern sogar die Situation verbessern: "Durch die Rotphasen der Ampel entstehen Wartezeiten, in denen Kunden der St.-Anna-Apotheke in Ruhe rückwärts ausparken könnten. Und wer an der Apotheke parkt, kann sicher über die Querungshilfe zum Einkaufen ins Center gehen."

SPD-Fraktionschef Achim Bender gefiel dies: "Jahrelang haben wir für eine Fußgängerquerung gekämpft, endlich geht das. Das führt zu mehr Sicherheit." Bender hält den Entwurf insgesamt für "gelungen". Im Vergleich zur ursprünglichen Planung vom Januar ist nun eine bessere Begehbarkeit vorgesehen. Alle drei Ebenen der Arkaden sind über Aufzüge verbunden. Es gibt vier Rollstuhlrampen, drei davon gelten wegen einer Steigung von weniger als sechs Prozent als barrierefrei. Zudem werden deutlich mehr Fahrradständer eingerichtet. Das Areal soll damit attraktiver für Fußgänger und Radfahrer werden.

Blickachse direkt in die Altstadt

Diesem Ziel dient auch die Verbindungsachse zur Innenstadt. Vom Zentrum der Arkaden aus wird ein geradliniger Fußgängerweg, der auf Höhe des Reformhauses die neue Zufahrt kreuzt, bis zum Sparkassenplatz führen. Dadurch entsteht auch eine optische Achse, so dass der Stadtturm von den Arkaden aus sichtbar sein wird.

die Oberpfalz-Arkaden sollen runder werden als das Liliencenter.

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Als einzige Fraktion von den Argumenten nicht überzeugen ließen sich die drei Vertreter von SuRo 2030. Ralf Volkert sagte, die vielen geplanten Parkplätze könnten die Altstadt nur beleben, wenn es dorthin eine gute Verbindung gäbe. Volkert sieht in den Arkaden aber "einen Solitär ohne städtebauliche Anbindung an die Innenstadt". Auch sei das Gebäude nach Osten ausgerichtet und würde der Stadt somit den "Rücken zuwenden". Insgesamt biete das neue Einkaufscenter deshalb "wenig Anreiz für einen Innenstadt-Bummel".

Müller zieht um in die Arkaden

Ob die Mieter auch langfristig in den Arkaden bleiben, wollte Wolfgang Berndt (Linke) wissen. "Das Liliencenter stand nach ein paar Jahren leer, weil die Mieter wegen zu hoher Pacht aufgegeben haben. Das darf nicht wieder passieren." Hier hatte Investor Weber gute Nachrichten: Inzwischen sei klar, dass der Müller umziehen wird. Die Drogerie gehört mit Edeka und Netto zu den Hauptmietern. "Alle drei sind auf 15 Jahre vertraglich gebunden - mit Verlängerungsoption."

Kommentar:

Die Arkaden müssen der Auftakt für eine ganzheitliche Stadtentwicklung sein

Die geplanten Oberpfalz-Arkaden haben in den vergangenen Monaten das Stadtgespräch dominiert. Manche Kritiker waren laut, haben die Sinnfrage gestellt: Warum soll ein Einkaufszentrum Erfolg haben, wenn das Liliencenter als konzeptuell vergleichbares Projekt kläglich gescheitert ist? Solche Überlegungen sind berechtigt und nicht ganz von der Hand zu weisen. Andererseits hat CSU-Fraktionschef Patrick Fröhlich schon recht, wenn er, wie in der Stadtratssitzung geschehen, die Frage nach der Alternative stellt.

Eine solche ist nicht wirklich in Sicht. Dafür ist der Investor auf die Kritiker zugegangen und hat die Bauplanung angepasst. Ob sich das Verkehrskonzept mit der neuen Ampelkreuzung bewährt, muss man sehen. Doch immerhin sind die Arkaden jetzt grüner, zugänglicher für Fußgänger und Radfahrer und – nicht zu vergessen – der Investor allein trägt die Kosten.

Der Ball liegt jetzt bei der Stadt. Der Handlungsdruck ist groß, ein Entwicklungskonzept zu präsentieren, das die Arcaden mit der Innenstadt harmonisch verbindet und die gefürchtete Verödung der Altstadt verhindert. Seit klar ist, dass die Müller-Drogerie in die Arkaden umzieht, ist das Erfordernis dazu umso größer. Denn ab 2022 werden mit der hässlichen Storg-Ruine und dem Müller schon zwei zentrale Gebäude am Stadteingang leerstehen. Stadtbaumeisterin Petra Schöllhorn hat nebulös angekündigt, dass die Verwaltung bereits an einem entsprechenden "Sanierungskonzept" arbeitet, das beide Areale ganzheilich verbinden soll. Sollte dies gelingen, dann könnte der Bau der Oberpfalz-Arcaden tatsächlich ein Meilenstein in der Stadtentwicklung sein - oder diese zumindest anstoßen.

Tobias Gräf

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