21.06.2021 - 17:01 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Hausmülldeponie "Erzhülle" in Sulzbach-Rosenberg: Erst modellieren, dann abdichten

Belastetes Grundwasser würde alle Stadtbewohner gleichermaßen treffen. Alte Hausmülldeponien in Siedlungsnähe gelten deshalb immer als Gefahrenquellen. In Sulzbach-Rosenberg kümmern sich Experten um eine solche Risikozone.

Seit März liefen auf der ehemaligen Deponie „Erzhülle“ im Norden Sulzbach-Rosenbergs die Arbeiten zur Modellierung des Geländes.
von Andreas Royer Kontakt Profil

Auf der ehemaligen Hausmülldeponie „Erzhülle“ zwischen Katzenberg und Feuerhof schlummert auf einer Fläche von gut fünf Hektar enormes Gefahrenpotenzial für Mensch und Natur. Auf dem dortigen Bergsenkungsgebiet der früheren Grube Karoline mit dem Klenzeschacht betrieb die Stadt von 1962 bis 1977 eine Hausmülldeponie, auf der aller denkbarer Abfall und Unrat – und nach heutiger Einschätzung auch Sondermüll – abgelagert und verbuddelt wurde. In den Jahren 1977 bis 1990 folgte noch eine Nutzung als Bauschuttdeponie.

Was natürlich auch die Verantwortlichen der Stadt Sulzbach-Rosenberg schon immer wussten, war die Tatsache, dass im Stadtnorden in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Bürgern eine enorme Gefährdung für das Grundwasser besteht. Nicht auszudenken, wenn Giftstoffe davon in die städtische Wasserversorgung gelangt wären. Deshalb setzte die Stadt Sulzbach-Rosenberg Ende der 90er Jahre das Problemfeld „Erzhülle“ auf ihre Agenda. Was folgte, waren verschiedene Untersuchungen des insgesamt etwa zehn Hektar großen Geländes durch Fachstellen. Sie stellten die Belastungen fest, die sich auf dem Wirkungspfad Boden - Grundwasser ergeben.

Grundwasser verunreinigt

Schon im Jahr 2013 benannten Geologen eine erhebliche Grundwasserverunreinigung mit Überschreitung der Stufe-2-Werte. Dies galt damals sowohl für das Grundwasser im gesättigten Teil des Deponiekörpers (Sickerwasser) als auch für das oberflächennahe und tiefere Grundwasser außerhalb. Demnach blieb die Sanierung der alten Deponie als einzige Option. Finanziell geschultert durch den Freistaat Bayern laufen nun seit Dezember 2020 die dafür notwendigen Arbeiten.

Nach Angaben von Projektleiter Florian Nitsch von der R + H Umwelt GmbH Nürnberg gegenüber Oberpfalz-Medien ist nun nach den Rodungen auch die Modellierung am Gelände abgeschlossen worden. „Seit März war die Firma Geiger Umweltsanierung aus Oberstdorf mit den Profilierungsarbeiten zur Vorbereitung der Abdeckung beschäftigt. Dabei wurden die Steilböschungen im Verhältnis 1:3 abgeflacht, wozu Material aufgetragen und eingebaut werden musste.“

Gutachten entscheidet

Wie der Verantwortliche weiter wusste, stehe nun die Abdeckung eines Probefelds in der Größe von 20 x 30 Meter mit einer 2,5-Millimeter-Kunststoffbahn an. Auf diesem Deponie-Teilstück werde dann mittels Fremdprüfung ein Dichtigkeits-Gutachten verfasst. Sollte es zur Zufriedenheit der Experten ausfallen, stehe einer kompletten Abdeckung der 52 000 Quadratmeter großen Fläche nichts mehr im Wege. „Wenn alles nach Plan läuft, soll die Abdeckung bis Juni 2022 vollständig sein. Danach folgt die Sanierungsphase II mit der Förderung des aufgestauten Sickerwassers. Dieses wird gespeichert und behandelt, damit davon künftig keine weiteren Gefahren für die Umwelt ausgehen können“, so der Sanierungsfachmann beim Pressegespräch.

Inklusive des Abpumpens der Sickerwässer gehen die Fachleute von etwa fünf Jahren Dauer für die Sanierung der Deponie „Erzhülle“ aus. Erst danach ließe sich über Folgenutzungen durch die Stadt oder mit Freizeitaktivitäten stichhaltig entscheiden. Zurzeit lasse die Stadtverwaltung prüfen, ob dort etwa in der Zukunft eine bereits mehrfach bei Stadtratssitzungen angesprochene Freiflächen-Photovoltaikanlage aufgestellt werden könne.

Mehr zur Folgenutzung der Hausmülldeponie

Sulzbach-Rosenberg

Mehr zu den Schadstoffen auf dem Deponiegelände

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Nach Abflachung der Steilböschungen folgt die Abdeckung der Deponie.
Hintergrund:

Deponie "Erzhülle"

  • 1963 bis 1977 Hausmülldeponie
  • Bis 1990 Bauschuttdeponie
  • Pinge Karoline: 36 000 m2, 340 000 m3 Hausmüll
  • Gesamtsanierungsdauer: 4,5 bis 5,5 Jahre
  • Kosten: 5,1 Millionen Euro
  • Sickerwasserförderung ab 2022

„Wenn alles nach Plan läuft, soll die Abdeckung bis Juni 2022 vollständig sein. Danach folgt die Sanierungsphase II mit der Förderung des aufgestauten Sickerwassers. “

Projektleiter Florian Nitsch

 

 

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