06.06.2021 - 11:08 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Hundezucht in Rosenberg: Kinderstube für manchen Champion der Zukunft

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Den Rosenbach kennt außerhalb von Sulzbach-Rosenberg keiner? Von wegen. Seinen Namen führen seit 2013 schwarze, braune und blonde Labrador-Retriever in ihrem Stammbaum und tragen ihn weit hinaus aus der Stadt.

Süße kleine Wunder sind die neun Welpen, die im April in Rosenberg zur Welt gekommen sind.
von Helga KammProfil

„Man kann ohne Hunde leben, lohnt sich nur nicht“: Dieses Zitat von Heinz Rühmann unterschreiben Dagmar und Klaus Hartmann von der „Labrador-Zucht vom Rosenbach“ sofort. In der Albrecht-Stieber-Straße in Rosenberg, ganz in der Nähe des Rosenbachs, gehören ihnen ein 1600 Quadratmeter großes Gartengrundstück und ein Haus, in dem sie mit ihren Hunden leben. Das sind die Rüden Paul und Ben, die Hündinnen Emma, Franzi, Lisa und Resi. Und das sind momentan neun Welpen, die Lisa am 26. April zur Welt gebracht hat.

Ein Rudel Hunde in Haus und Garten, sollte man meinen, würde auffallen - optisch und vor allem akustisch. „Nein“, sagt Klaus Hartmann, „sie sind alle gut erzogen, freundliche, brave Familienhunde.“ Mit den Nachbarn habe es in all den Jahren keine Probleme gegeben, seit 2006 Apollo als erster Hund ins Haus kam. Ihm folgte 2010 Emma aus der Schweiz, die heute ihren Ruhestand genießen darf. Als 2013 Paul der Dritte im Bunde wurde, entschlossen sich die Hartmanns, eine kleine Labrador-Zucht aufzubauen. Auf der Suche nach dem perfekten Namen kamen sie auf „Labrador-Zucht vom Rosenbach“ und ließen ihn bei der Europäischen Kynologischen Union (EKU) schützen. Bei dieser EKU hat Dagmar auch ein Zuchtseminar erfolgreich abgeschlossen.

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Mit sechs Hunden im Urlaub

„Seitdem sind unsere Hunde unser Leben“, sagt Dagmar Hartmann (44), die aus dem Fränkischen stammt und zu ihrem Klaus (50) nach Rosenberg gezogen ist. Sie gibt zu, dass dieses Leben mit viel Arbeit verbunden ist, mit Verantwortung und auch Verzicht. Aber Flugreisen und feine Hotels, meint sie, würden ihr niemals so viel Freude und Befriedigung schenken wie ihre treuen und liebevollen Vierbeiner. Möglichkeiten zum Tapetenwechsel findet das Paar trotzdem. Zum Beispiel ein Ferienhaus in Kroatien mit großem umzäunten Grundstück, in dem beide 2019 mit ihren sechs Hunden Urlaub machen konnten. „Aufsehen haben wir überall erregt“, lacht Dagmar, „wenn da sechs Hundeköpfe aus dem Autofenster geschaut haben.“

An eine Urlaubsreise ist momentan natürlich nicht zu denken, denn es gibt ja neunfachen Nachwuchs im Haus. Die schwarze Lisa und der braune Ben sind Eltern geworden. Ihre neun Kinder sind der dritte Wurf in der Labrador-Zucht, die es damit schon auf insgesamt 23 Hundebabys gebracht hat. Die Hartmanns sind glücklich, dass alles gut gegangen ist. 63 Tage nach dem Decken durch den Rüden Ben hat Lisa in rund fünf Stunden im Welpenzimmer ihre neun Jungen zur Welt gebracht, vier Buben und fünf Mädels, selbständig und ohne Probleme. „Ich war natürlich dabei“, schildert Dagmar das Ereignis, “musste aber keinerlei Hilfe leisten.“ Schon vier Tage vor dem errechneten Geburtstermin zieht sie jeweils mit der Hündin in das Welpenzimmer, vermittelt ihr Nähe und Sicherheit.

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Bilder aus allen Entwicklungsphasen

Die ersten Tage und Wochen ihres Lebens verbringen die Welpen in diesem Raum zusammen mit ihrer Mutter. Später dürfen sie, wenn das Wetter es zulässt, in den Garten. „Sie sollen die Natur kennenlernen, die Umgebung und Alltagsgeräusche und natürlich die anderen Hunde“, beschreibt Klaus Hartmann diese Phase, die auch den Grundstein für ein gutes Sozialverhalten legen soll. Für die kleinen wie auch die großen Hunde hat er Spielgeräte gebaut, zum Verstecken ebenso wie zum Testen und Üben der eigenen Geschicklichkeit. Dagmar dagegen hält alle Entwicklungsphasen ihrer Hundebabys fotografisch fest: wie sie erstmals die Augen öffnen, den ersten Futterbrei probieren, wie sie alle ihre Namen bekommen: Ella, Resi, Mala, Luna, Roxy, Simba. Balu, Milo und Leo.

Irgendwann aber kommen dann die Tage des Abschieds. Die neuen Eltern können ihre Welpen ab der dritten oder vierten Lebenswoche besuchen, mit acht bis neun Wochen steht der Umzug in ein neues Zuhause an. Eine spätere Übergabe sieht Klaus Hartmann als problematisch: „Das Umgewöhnen wird dann schwieriger.“ Die Hartmanns schauen sich die neuen Eltern ihrer Hunde genau an. „Wir geben unsere Welpen nur als vollwertige Familienmitglieder ab“, sagt Dagmar. „Zwinger-, Hof- und Außenhaltung entsprechen nicht dem Wesen eines Labradors und kommen für uns keinesfalls in Frage.“ Da kann es schon einmal vorkommen, sagt sie, dass wir den Verkauf ablehnen, wenn es irgendwie nicht stimmt.

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Anfragen aus der Schweiz und Luxemburg

Beide Hartmanns betonen auch, dass sie nicht das große Geld verdienen wollen mit ihren Hunden. „Das Preistreiben unter den Züchtern machen wir nicht mit“, sagt Klaus, „wir wollen unsere Unkosten decken, das genügt.“ Dass in der Zeit der Pandemie viele Haustiere zum Zeitvertreib angeschafft wurden, die später zur Last werden, macht ihnen Sorge. Bei ihren Hunden haben sie diese Bedenken nicht. Schon vor der Geburt sind die Welpen vergeben, die Warteliste ist lang. Anfragen kommen nicht nur aus dem Rosenberger Umland, sondern aus Franken, Baden-Württemberg, den neuen Bundesländern, der Schweiz und Luxemburg. Die Labrador-Zucht vom Rosenbach hat bereits einen guten Namen: Etliche ihrer Hunde wurden Champions in verschiedenen Disziplinen und brachten zahlreiche Ausstellungserfolge heim.

Aber noch zählt vor allem die Kinderstube. Die kleinen schwarzen und braunen Labrador-Babys liegen meist eng beieinander, verschlafen viele Stunden des Tages, lassen sich auf den Arm nehmen, suchen nach einer Zitze, sind ganz einfach süße kleine Wunder. Ein weiteres Wunder kündigt sich an, denn auch die fünfjährige Franzi ist guter Hoffnung. Es wird ihr dritter und letzter Wurf sein, danach darf sie ihren Ruhestand genießen, aber weiterhin zusammen sein mit den anderen in der Labrador-Zucht vom Rosenbach.

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"Wir geben unsere Welpen nur als vollwertige Familienmitglieder ab."

Züchterin Dagmar Hartmann

Hintergrund:

Labrador-Retriever

  • Ursprung des Namens: Labrador ist eine Halbinsel an der kanadischen Ostküste; "retrieve" bezieht sich auf die ausgeprägten Apportieranlagen bei der Jagd
  • Herkunft: Vorfahren aus Kanada; im Verlauf des 19. Jahrhunderts werden Labrador-Retriever in England gezüchtet. Ende des 19. Jahrhunderts wäre die Rasse beinahe ausgestorben. Alle heutigen Labradors haben wahrscheinlich mit "Avon" den gleichen Stammvater.
  • Verbreitung: Labrador-Retriever sind in Großbritannien und den USA die beliebteste und am meisten verbreitete Hunderasse. In Deutschland standen sie 2018 auf Rang 4 der Welpenstatistik. (Quelle: Wikipedia)

 

 

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