31.07.2020 - 17:20 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Im Löscheinsatz: Anpfiff und Kaffee für die Feuerwehr

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Ein Nachbar tobt, weil Feuerwehrleute, die nebenan löschen, in seinem Hof verschnaufen wollen: So etwas sei zum Glück nicht die Regel, sagen die Brandräte aus Amberg und dem Landkreis Amberg-Sulzbach.

Der Brand eines Wohnhauses in Rosenberg (Kreis Amberg-Sulzbach) hat die Feuerwehren Sulzbach, Rosenberg und Siebeneichen ganz schön gefordert. Das Verhalten eines Nachbarn auch.
von Heike Unger Kontakt Profil

Es war in mehrfacher Hinsicht ein bemerkenswerter Löscheinsatz am Mittwochabend in der Eleonora-Walter-Straße in Rosenberg: Ein sehr schwer zugänglicher Brandort, viele, durch soziale Medien angelockte Schaulustige, und ein Nachbar, der ausrastet, weil Feuerwehrleute seinen Hof betreten, um kurz durchzuatmen, bevor sie sich wieder mit schwerem Atemschutz an ihre schweißtreibende Arbeit machen. Am Ende sind sie sieben Stunden im Einsatz – und der Rosenberger FFW-Kommandant Jürgen Schloß ist fassungslos über den Auftritt des Nachbarn.

Kommentar: Dass die Feuerwehr hilft, ist nicht selbstverständlich

Amberg

Aber Schloß freut sich auch, weil seine Kollegen aus den Reihen der Feuerwehren Sulzbach, Rosenberg und Siebeneichen auch das Gegenteil erlebt haben: Ein anderer Nachbar bat die abgewiesenen Atemschutzgeräteträger auf sein Grundstück, stellte sogar Biertisch-Garnituren für sie auf und bot ihnen Getränke an.

Die Vorgeschichte: Wohnhausbrand in Rosenberg

Sulzbach-Rosenberg

Nachbarn melden sich per Brief

Als Schloß der Redaktion davon erzählt, weiß er noch nicht, dass hier wenig später ein Brief eintrifft: Eine E-Mail, in der sich Anwohner der Eleonora-Walter-Straße von dem tobenden Nachbarn distanzieren und den Einsatzkräften ausdrücklich danken. Der Rosenberger Kommandant war also nicht der einzige, der sich über den seltsamen Auftritt geärgert hat.

Nach Platzverweis für Feuerwehr: Nachbarn melden sich in einem Brief

Sulzbach-Rosenberg

Auch wenn dieser Platzverweis für die Feuerwehr für Schloß in dieser Form bislang einzigartig war, kennt er weniger krasse, aber doch ähnliche Reaktionen durchaus von seinen Einsätzen: Unverständnis von Anwohnern, wenn die Feuerwehr im Einsatz zwangläufig Zufahrten blockiert, weil die Löschfahrzeuge eben genau dort gebraucht werden.

"Wir diskutieren nicht"

"Das nimmt zu. Der Respekt lässt schon zu Wünschen übrig", fasst Schloß seine Erfahrungen bei Einsätzen zusammen. Nicht nur die Feuerwehr, auch Rettungsdienst und Feuerwehr würden teilweise durchaus angegangen - und sei es nur, weil Schaulustige sich weigern, den Weg frei zu machen. Sich darauf einzulassen bringe nicht, meint Schloß: "Wir diskutieren dann nicht." Wenn nötig, erteile die Polizei eben Platzverweise.

Löscheinsätze mit schwerem Atemschutzgerät sind extrem anstrengend, wie der Rosenberger Kommandant erklärt. Die Retter verlieren dabei auch viel Flüssigkeit. "Die sind patschnass", wenn sie aus dem brennenden Gebäude kommen. Das tun sie auch, um kurz durchzuschnaufen, bevor sie erneut ranmüssen. Diese Pause wollte ihnen der Anwohner in Rosenberg offenbar nicht gewähren, jedenfalls nicht in seinem Hof. Das, sagt Kreisbrandrat Fredi Weiß, der auch vor Ort war, habe er so auch noch nicht erlebt: "Das war für mich der erste Fall dieser Art."

Retter sind gern gesehen

Weiß kennt es "eher andersrum – dass wir gern gesehen sind". Und im Einsatz sogar von Anwohnern mit Getränken versorgt werden. "Die Bereitschaft, die Einsatzkräfte zu unterstützen, ist groß", das ist die Erfahrung des obersten Feuerwehr-Chefs im Landkreis, zumindest bei Einsätzen. Allerdings komme es zuweilen bei Sperrungen für Veranstaltungen vor, dass Feuerwehrleute bei der Verkehrsregelung auf Unvernünftige treffen, die nicht einsehen wollen, dass sie nicht durch dürfen. Wie ein Rentner, der 2018 wegen einer Absperrung für den Landkreislauf einen Feuerwehrmann angegangen war: Die Sache landete vor Gericht. Ein üblicher Weg, wie Weiß sagt, denn solche Attacken müssten sich Einsatzkräfte nicht bieten lassen. Diese Vorfälle würden angezeigt.

Beim Landkreislauf: Autofahrer geht auf Feuerwehrleute los

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Von seinen Treffen mit Vertretern von Polizeipräsidium und Justiz als Feuerwehr-Bezirksvorsitzender weiß Fredi Weiß, dass die Behörden diese Angelegenheiten verfolgen und auch zügig abschließen, damit Unbelehrbare schnell merken, dass es so nicht geht. "Der Polizei geht es übrigens ähnlich, eigentlich sogar noch schlimmer."

"Das ist ja fast normal"

Ambergs Stadtbrandrat Bernhard Strobl berichtet Ähnliches: "Wir haben nicht die ganz dramatischen Erfahrungen" wie bei den Kollegen in Rosenberg. Aber vereinzelt gebe es Fälle, in denen sich Unbeteiligte daneben benehmen. "Das ist ja fast normal heutzutage." Meist gehe es dann aber um Straßen-Sperrungen, bei denen es "Probleme mit Autofahrern gibt. Und du bist dann das Ventil." Strobl kennt aus seinem Feuerwehr-Dienst auch das Phänomen, dass über die sozialen Medien sehr schnell viele Schaulustige angelockt werden, wenn etwas passiert ist. Glücklicherweise sei das anders als andernorts in Amberg "noch nicht das Riesenproblem".

Erfreuliche Gesten gegenüber den Einsatzkräften kennt der Stadtbrandrat allerdings auch: "Es kommt schon mal vor, dass uns Leute einen Kaffee bringen." Sogar Plätzchen habe jemand schon mal spendiert und auch Briefe mit einem Dank nach einem Einsatz habe es schon gegeben. "Sowas freut uns natürlich." Das gilt auch für einen anderen Aspekt, der im ehrenamtlichen Feuerwehrdienst eine wichtige Rolle spielt: Die Freistellung von Einsatzkräften durch deren Arbeitgeber. In zurückliegenden Jahren war das teilweise durchaus ein Problem, wie Strobl sagt. Vielleicht, so meint er, hätten hier viele persönliche Gespräche etwas bewirkt: "Tagsüber ist es kein Problem mehr", im Notfall genügend Feuerwehrleute aus der Arbeit abrufen zu können, damit sie ausrücken können.

Hintergrund:

Feuerwehrmann mit Auto bedroht

2018 lief vor dem Amtsgericht Amberg ein Prozess gegen einen 73-Jährigen, dem vorgeworfen wurde, beim Landkreislauf Feuerwehrleute angegangen zu sein, die die Strecke absperrten. Mit seinem BMW soll er dabei einem Feuerwehrmann gegen das Schienbein gefahren sein. Außerdem war von Beleidigungen die Rede. Der Senior bekam 120 Tagessätze Geldstrafe plus ein dreimonatiges Fahrverbot aufgebrummt.

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