Im vergangenen Jahr einigte sich der Stadtrat darauf, ein Radwegekonzept für Sulzbach-Rosenberg ausarbeiten zu lassen. Damit beauftragt wurde die Nürnberger Firma i.n.s., ein Fachbüro für Fuß- und Radverkehr sowie für Stadtentwicklung. Radwegplaner Matthias Knaupp erkundete deshalb im Frühjahr 2022 die Stadt mit dem Rad ausgiebig. Zusätzlich konnten die Sulzbach-Rosenberger bei einer Online-Befragung Vorschläge einbringen und auf Problemstellen hinweisen. Zudem fand im Sommer eine Präsenzbefragung während eines Markttages statt.
Aus diesen Daten erstellte das Büro den ersten Entwurf eines klassifizierten Netzplans für den Alltagsradverkehr. Bevor Knaupp den Entwurf ausgiebig erläuterte, klärte er am Donnerstag im Rathaus wichtige Allgemeinfragen zu den Themen Qualitätsstandards, Gestaltungskriterien und infrastrukturelle Maßnahmen für sichere und einladende Radwege.
438 Eintragungen
Die Stadt fahrradfreundlicher zu machen, ist den Bürgern ein wichtiges Anliegen. Das zeigten auch die Zahlen der Online-Beteiligung. Es wurden insgesamt 438 Eintragungen vorgenommen, aufgeteilt auf 258 Verbesserungsvorschläge, 147 Eintragungen zu fehlenden Radwegen und 33 Vorschläge zu Abstellanlagen für Fahrräder.
Wie der Fachmann anführte, bildet der Netzplanentwurf die Wunschlinien im bestehenden oder zukünftigen Straßennetz ab und zeigt mögliche Trassen für den Radverkehr auf. Dabei werde zwischen Haupt- und Nebenrouten unterschieden. Sie führen ziemlich axial durch die Stadt und verlaufen stellenweise parallel. Bereits vorhandene Radwege sollen eingebunden, fehlende Verbindungen ausgewiesen werden. Als Beispiel sei hier die Hauptroute an der Staatsstraße 2040 von Rosenberg nach Sulzbach erwähnt. Als Nebenroute wären denkbar die Untere Gartenstraße mit Melanchthon- und Maximilian-Kolbe-Straße, parallel zur Fröschau auch die Obere Gartenstraße mit der St.-Anna-Straße.
Einschränkung des Autoverkehrs
Eine wichtige Möglichkeit seien Fahrradstraßen im Nebenstraßennetz, so Knaupp. „Wir werden vereinzelt auch über die Einschränkung des Kfz-Verkehrs sprechen müssen und ihn über modale Filter oder Einbahnstraßen gezielt umlenken.“ Modale Filter seien beispielsweise Zufahrtsbeschränkungen oder Sperrungen durch Poller.
Der nächste Schritt sei die Bildung einer Lenkungsgruppe. Diese setzt sich zusammen aus dem Bürgermeister, Mitarbeitern der Stadtverwaltung, sowie Vertretern der Stadtratsfraktionen, Vereine und Verbände. Bei Bedarf, wenn es um Staatsstraßen geht, wird die Gruppe mit Vertretern des Landkreises oder des Staatlichen Bauamtes ergänzt. So werden alle Interessensgruppen in den Prozess der Entwicklung und Planung eingebunden. Die Lenkungsgruppe bereitet letztlich den Beschlussvorschlag für den Stadtrat vor, der über die Maßnahmen entscheidet.
Viele Bürgerfragen
Wie erwartet, gab es im Rathaus viele Bürgerfragen zum Entwurf. Für Dieter Pirner ist der Kempfenhofer Weg ein wichtiges Thema. Er begrüßte die Idee, die Zufahrt zum Baugebiet in den Radwegeplan mit aufzunehmen. Seine Frage, ob eine Fahrradstraße auch außerhalb der Stadt ausgewiesen werden könne und sie grundsätzlich auf 30 km/h beschränkt sei, bejahte der Vertreter. Pirner machte deutlich, dass dies doch eine tragfähige Lösung für den Streitpunkt Kempfenhofer Weg sei.
Karl-Heinz Kreiner hätte sich konkretere Lösungsvorschläge gewünscht. Manche Ideen seien nicht umsetzbar, und er wollte wissen, ob zum Beispiel für den Vorschlag B14/Hofgartenstraße bereits mit den Behörden gesprochen wurde. Knaupp erklärte erneut, dass es sich um einen ersten Entwurf handle. Es sei ein langfristiges Projekt. Die einzelnen Maßnahmen werden mittels Priorisierung festgelegt und durch die Lenkungsgruppe in eine Entscheidungsform gebracht.
Finanzen berücksichtigen
Stadtrat Christian Steger rückte die finanzielle Leistungsfähigkeit der Kommune in den Vordergrund und plädierte dafür, die Hauptachsen mit zum Teil schon ausgebauten Wegen in den Mittelpunkt zu stellen. Der studierte Geologe Knaupp bestätigte dazu erneut, dass der Abschluss der Planung erst Anfang nächstes Jahr angedacht sei.
Ein Zuhörerhinweis bezog sich auf die Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen AGFK. Zentrales Thema des Vereins sei die organisatorische Verankerung der Radverkehrsförderung als Baustein zukunftsfähiger Mobilitätsentwicklung. Zudem stütze der Verein seine Mitglieder in der informativen Radverkehrsförderung mit Kampagnenmaterial. Darüber hinaus sei es als Mitglied einfacher, Zuschüsse zu beantragen. Diese Hinweise warfen die Frage auf, ob bei der Umsetzung auch eine Aufklärung der Autofahrer erfolge, zum Beispiel über geänderte Verkehrsführungen. Knaupp bestätigte, dass man entsprechend verfahren könne.






















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