02.05.2021 - 20:37 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Protest in Sulzbach-Rosenberg: Opfer-Gedenken statt Verschwörung

Während am Sonntag das Toleranz-Bündnis in Sulzbach-Rosenberg zum Gedenken an die Corona-Opfer bat, versammelten sich "Querdenker" zur Demonstration am Dultplatz.

Pfarrer i. R. Reinhard Böttcher spricht beim Oberpfälzer Bündnis für Menschenrechte und Toleranz am Luitpoldplatz in Sulzbach-Rosenberg.
von Andreas Royer Kontakt Profil

Die Botschaft vor dem Löwenbrunnen am Luitpoldplatz in Sulzbach-Rosenberg fiel am Sonntag, 2. Mai, vor knapp 200 Teilnehmern eindeutig aus: „Wird sind hier, um gegen die Corona-Leugner ein Zeichen zu setzen!“ Peter Lehner vom Oberpfälzer Bündnis für Toleranz und Menschenrechte zielte damit auf eine zur gleichen Zeit angekündigte Versammlung am Dultplatz ab.

Wie im Vorfeld von Bündnis-Vertretern befürchtet wurde, könnte dort von sogenannten „Querdenkern“ die Veranstaltung genutzt werden, um Verschwörungstheorien zu verbreiten oder um rassistische und antisemitische Hetze zu betreiben. Das christlich geprägte Gedenken am Löwenbrunnen sollte dagegen die Verstorbenen, Trauernden und Leidtragenden der Corona-Pandemie in den Mittelpunkt rücken.

Mit unübersehbaren Plakaten und Transparenten machte das Bündnis zusammen mit der Plattform gegen Rassismus und Menschenverachtung sowie dem Sulzbach-Rosenberger Stadtrat, aus dessen Mitte auch eine Resolution mit der Kernbotschaft „Solidarität“ und „Zusammenhalt“ verfasst wurde, deutlich, dass sie sich klar von Corona-Leugnern und Feinden der Demokratie abgrenzen.

Masken und Abstand

Deshalb legten die Organisatoren, darunter auch SPD-Stadtratsfraktionsvorsitzender Achim Bender und Bündnis-Sprecher Hans Lauterbach, besonderen Wert auf die vorschriftsmäßigen Hygieneregeln mit Masken, Abständen und Kontaktlosigkeit, was bei „Querdenker“-Veranstaltungen oft missachtet werde und die Polizei auf den Plan rufe. „Auch hier bei uns geht in vielen Menschen eine tiefe Angst um. Sie frisst sich in die Seelen und droht immer schlimmer zu werden. Die allermeisten dieser Leidtragenden sind jedoch keine Corona-Leugner, wie die Drahtzieher und Organisatoren auf dem Dultplatz. Die allermeisten gehen nicht mit Rechtsextremen, Antisemiten und Verschwörungserzählern auf die Straße. Sie sind hier bei uns, vielleicht nicht persönlich anwesend, aber die ganz große Mehrheit ist dennoch auf unserer Seite. Dafür spreche ich allen im Namen des Bündnisses Dank aus mit dem Wunsch, dass ihnen und uns die Hoffnung nicht verloren geht“, so Peter Lehner.

Im Herzen der Altstadt standen die Opfer im Fokus, was auch Pfarrer i. R. Reinhard Böttcher aus Amberg bei der Andacht betonte. Noch vor seinen Ausführungen zum Thema „Dass uns die Hoffnung nicht vergeht“ erklangen Punkt 18 Uhr die Glocken von St. Marien und der Christuskirche sowie ein Trompetenstück von Altbürgermeister Gerd Geismann vom Kirchturm, um den Leidtragenden der Corona-Krise noch mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Pfarrer Böttcher wollte beim Gedenken auch keine Patentrezepte zur Konfliktlösung oder Krisenbewältigung liefern, sondern biblisch-theologische Aspekte bieten, die sich vielleicht als „bedenkenswerter Beitrag zur Bewältigung unserer gemeinsamen Verlegenheiten erweisen“.

Gegen Zynismus

Der Geistliche betete auch für die Entscheidungsträger in Wirtschaft, Politik und Kultur, rückte Humanität und Solidarität sowie das Eintreten gegen Zynismus und Zerstörung in den Mittelpunkt. Er stellte sich gegen Halbwahrheit und Lüge in jeder Form und bat um Fürsprache für alle Covid-19-Opfer sowie ihre Angehörigen und alle Trauernden. Böttcher erinnerte an die durch die Pandemie wirtschaftlich in Not geratenen Menschen und an die Hilfe durch Ärzte, Pflegekräfte, Wissenschaftler und Politiker.

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