28.04.2021 - 17:02 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Stilles Gedenken für Opfer der Pandemie am Löwenbrunnen

Corona-Leugner wollen in Sulzbach-Rosenberg demonstrieren. Dagegen formiert sich kreativer Protest.

Eine Querdenker-Veranstaltung kann immer Gegenkundgebungen hervorrufen.
von Andreas Royer Kontakt Profil

Auf breite Solidarität und gegenseitige Unterstützung während der Corona-Pandemie setzt der Sulzbach-Rosenberger Stadtrat. Wie bei der Sitzung am Dienstag, 27. April, deutlich gemacht wurde, will das Gremium verstärkt die Opfer der Pandemie in den Fokus rücken, aber auch die Menschen und Branchen, die durch die weltweite Pandemie in ihrer Existenz bedroht sind. Gleichzeitig wird vor sogenannten „Querdenkern“ gewarnt, die in diesen Zeiten Verschwörungstheorien verbreiten oder die Corona-Krise nutzen, um rassistische und antisemitische Hetze zu betreiben.

Vernunft und Verantwortung

Gemeinsam mit der Plattform gegen Rassismus und Menschenverachtung sowie mit dem Oberpfälzer Bündnis für Toleranz und Menschenrechte (OBTM) reagiert der Sulzbach-Rosenberger Stadtrat damit auf eine am Sonntag, 2. Mai, um 17.30 Uhr auf dem Dultplatz angekündigte Demonstration, die von „Querdenken Weiden 961“ und „Bayern steht zusammen“ getragen werde. Als Reaktion auf dieses Ansinnen, wird es auf dem Luitpoldplatz am gleichen Tag von 16 bis 21 Uhr einen stillen Protest am Löwenbrunnen gegen die Corona-Leugner geben, bei dem den Opfern und Leidtragenden der Pandemie gedacht wird. Unter dem Motto „Denk mit, statt quer“ sollen sich dabei die Menschen unter strikter Einhaltung der Corona-Regeln mit Masken- und Abstandspflicht versammeln, um laut Hans Lauterbach vom OBTM mit Vernunft und Verantwortung auf die aktuellen Probleme der Pandemie zu reagieren und sich nicht von „Querdenkern“ in die Irre und instrumentalisieren zu lassen.

Zum Gedenken am Löwenbrunnen, dessen Gestaltung Pfarrer i. R. Dr. Reinhard Böttcher um 18 Uhr mit einer Andacht bereichert, dürfen die Teilnehmer auch Blumen ablegen und Kerzen abstellen. „Für uns sind die Toten der Pandemie keine falschen Zahlen der Regierung. Wir wissen um das Leid und die Trauer der Angehörigen. Lasst uns den Verstorbenen ein Gesicht geben“, tritt Hans Lauterbach für eine klare Abgrenzung zu der sogenannten Querdenker-Bewegung ein.

Gemeinsame Resolution

Auch aus den Reihen des Stadtrates, dessen Resolution parteiübergreifend die Bürgermeister Michael Göth, Günter Koller und Hildegard Geismann sowie die Fraktionsvorsitzenden Patrick Fröhlich (CSU), Achim Bender (SPD), Karl-Heinz Herbst (Grüne), Doris Schmidt-Hartmann (SURO2030), Hans-Jürgen Reitzenstein (FDP/FWS) und Stefan Thar (FWU) unterstützen, kommen Appelle nach weiterer Solidarität in einer Situation, in der es keine einfachen Lösungen gebe. „Egal wer solche Versprechungen macht, sie können nicht funktionieren. Darum bitten wir Sie eindringlich: Sprechen Sie mit uns, kommen Sie auf uns zu. Auch für Kritik und Probleme haben wir ein offenes Ohr. Lassen Sie uns auch – oder gerade jetzt – den demokratischen Austausch leben. Auch unter Einhaltung der aktuellen Hygienevorschriften haben wir jede Möglichkeit, die Werte unserer Gesellschaft hochzuhalten. Das aber muss unser Ziel sein“, so eine Passage der Resolution, hinter der sich der Sulzbach-Rosenberger Stadtrat, das OBTM und die darin integrierte Plattform stellen. Mit Rechtsextremen, Antisemiten und Verschwörungserzählern wollen sie nach Angaben von Dr. Peter Lehner aber nie auf die Straße gehen.

Wie er und Hans Lauterbach beim Pressegespräch informierten, soll auf die Querdenker-Veranstaltung am Dultplatz mit verschiedenen Gegenaktionen reagiert werden. Und wie sie betonen, würden sie jederzeit über Pandemie-Maßnahmen und damit verbundene Probleme sprechen. Aber nicht mit Menschen, die Corona leugnen oder als Erkältung verharmlosen. Sie setzen dagegen auf Rücksicht, Zusammenhalt, Verantwortung und Vernunft.

Flankiert wird die Gedenkfeier mit einer Online-Aktion und dem Hashtag #wirzeigenmaske. Außerdem fordert das Bündnis alle Bürger auf, auf Facebook oder Instagram ein Bild mit Maske zu teilen, um sich solidarisch zu zeigen und die Abgrenzung zum Gedankengut der „Querdenker“ deutlich zu machen.

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Gegen Verschwörungstheorien, aber für ein Gedenken an die Pandemie-Opfer macht sich der Stadtrat mit den Bürgermeistern und Fraktionsvorsitzenden am Dienstag in der Sitzung mit einer Resolution stark.

 

 

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