05.12.2021 - 12:16 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Sportler und Fitnessstudios von 2G-Plus-Regel genervt

Seit 24. November gilt auch für Fitnessstudios 2G-Plus. Trainieren darf nur, wer geimpft und genesen ist – und einen aktuellen Test vorlegt. Wer tut sich das noch an? Sind die Studios leer? Eine Nachfrage in Amberg und Sulzbach-Rosenberg.

Danny Naber stemmt beim Bankdrücken rund 150 Kilogramm - Trainer Wolfgang Fuchs schaut aufmerksam zu. Müssten in einem neuen Lockdown die Fitnessstudios wieder schließen, für den 34-Jährigen wäre es eine "Katastrophe". Zuhause hat er die schweren Geräte nicht, und auch der soziale Austausch ginge verloren.
von Tobias Gräf Kontakt Profil

Immerhin, die Fitnessstudios haben geöffnet. Das ist schon mal besser als ein Lockdown. Doch für Sportler und Studiobetreiber ist das nur ein kleiner Trost. Seit 24. November gelten auch für Muckibuden strengere Corona-Regeln: Rein kommt nur, wer geimpft oder genesen ist und zusätzlich einen tagesaktuellen, negativen Schnelltest vorweist. Ein spontaner Abstecher nach der Arbeit aufs Laufband oder zur Hantelbank? Unter diesen Vorgaben kaum möglich. Denn wer zum Pumpen will, muss vorher zum Testen. Wer nimmt den Extra-Aufwand in Kauf, um trotzdem zum Sport zu kommen?

Einer, dem Sport so wichtig ist, dass er auch einen täglichen Test über sich ergehen lässt, ist Danny Naber. "Ich trainiere fast täglich, seit 17 Jahren", sagt der 34-Jährige. Allerdings wird es dem Amberger durch Fuchs Fitness, dem Studio in der Pfistermeisterstraße, das zu seinem zweiten Zuhause geworden ist, auch leicht gemacht. "Natürlich ist die Testerei nervig. Aber wir haben Glück, dass es bei uns die Möglichkeit gibt, Schnelltests direkt im Studio zu machen." Dieser Service für die Mitglieder sei zudem kostenlos, was Naber sehr schätzt. "Wenn ich jedes Mal vor dem Training vorher noch zur Apotheke rennen müsste, das wäre unmöglich." Doch in etlichen anderen Einrichtungen ist das der Fall. "Die Leute müssen dann eine Stunde an der Apotheke anstehen, um eine Stunde trainieren zu können. Da sagen viele, das ist mir zu doof."

Polizei kontrolliert im Studio

Ernst genommen werde das Testen bei Fuchs Fitness in Amberg aber schon, sagt Naber. Der Schnelltest würde im Eingangsbereich unter Aufsicht eines Mitarbeiters durchgeführt. Sogar die Polizei sei schon vor Ort gewesen, in den Kraftraum gegangen und habe jeden Sportler direkt am Gerät kontrolliert. "Die sind rumgegangen und haben sich von jedem die Nachweise und den Ausweis zeigen lassen. Allerdings waren sie freundlich, und es hat nicht lange gedauert", sagt der durchtrainierte Kraftsportler.

Für den Angestellten der Amberger Stadt ist es das Wichtigste, dass die Fitnessstudios auch in Pandemiezeiten offen bleiben. Sport sei weit mehr, als der stupide Aufbau von Muskeln. Für viele Ältere sei der Besuch im Studio wichtig für die Gesundheit, egal ob sie dort Gymnastik machten, Rückenprobleme bekämpfen oder beim Kardiotraining an ihrer Ausdauer arbeiten. Auch Naber hat einen eigenen Grund: "Bei mir ist es ein Wettkampfsport. Ich mache professionell Bankdrücken in einer Wettkampf-Gruppe mit acht Leuten."

Fitnessstudio als Treffpunkt

Käme nochmal ein harter Lockdown, für den 34-Jährigen wäre das "eine Katastrophe". Als die Studios in der ersten Welle geschlossen hatten, habe er fast nicht trainiert. "Ich stemme beim Bankdrücken Gewichte von rund 150 Kilogramm, das ist Zuhause kaum möglich." Außerdem gehe es ihm auch um das Soziale. "Das Fuchs Fitness ist wirklich ein sehr familiäres Studio. In unserer Trainingsgruppe kennen wir uns seit Jahren. Man unterhält sich auch viel über Privates." Die Gesellschaft leide schon jetzt, weil fast niemand mehr kommt, beklagt Naber. "Es ist viel leerer als zuvor, mit 2G-Plus kommt fast keiner mehr."

Dass die Trainingsgeräte verwaist sind und kaum mehr jemand zum Training kommt, das spürt auch Thomas Schießl. Der 50-Jährige betreibt in Sulzbach-Rosenberg das Fit24. Der Inhaber spürt vor allem den finanziellen Druck. "Es ist nichts mehr los", sagt er ernüchtert. "Wo vorher 30 Leute trainiert haben, sind jetzt vielleicht noch acht." Doch wen die strengen Corona-Auflagen vom regelmäßigen Besuch im Fitnessstudio abhalten, der sei irgendwann auch nicht mehr bereit, die Beiträge zu zahlen. "Ich bekomme täglich Kündigungen rein. Viele sagen, den Affenzirkus mache ich nicht mit." Umgekehrt würden die Kündigungen nicht ausgeglichen durch Neuverträge. "Wer unterschreibt unter 2G-Plus-Bedingungen schon einen Vertrag? Das verstehe ich zwar, aber als Studiobetreiber kann ich natürlich auch nichts dafür, dass die Vorgaben so sind."

Test selber mitbringen

Ein großes Problem ist für Schießl zudem die Knappheit von Schnelltests – sie reichen nicht aus, um Kunden und Mitarbeiter gleichzeitig zu versorgen, weil die Lieferungen stocken. "Ich brauche allein schon für jeden meiner Mitarbeiter einen Test – pro Tag." Im Fit24 in Rosenberg arbeiten Schießl zufolge acht Mitarbeiter, darunter auch viele Trainer auf 450-Euro-Basis. "Eine Aerobic-Kraft, die nur kommt, um eine Stunde lang einen Kurs zu halten, braucht auch einen Test. Allein für meine Mitarbeiter brauche ich 20 Tests pro Woche." Weil die Wartezeit für eine neue Lieferung zwei Wochen beträgt, muss Schießl mit den Tests haushalten. Im Fit24 wird ein Kostenbeitrag von 3,50 Euro verlangt. Und: "Ich versuche, so wenige Tests wie möglich an Kunden rauszugeben. Wir bitten jeden, möglichst selbst einen Schnelltest mitzubringen."

Der Fit24-Chef sagt aber auch, dass er "niemanden vergraulen" wolle. Für Mitglieder, die an zwei Tagen hintereinander kommen, gebe es die Möglichkeit, das Training zeitlich so zu legen, dass ein Test für zwei Tage gelte. Wer um 18 Uhr unter Aufsicht einen Test im Fitnessstudio mache, könne am Folgetag mit dem selben Test beispielsweise um 17 Uhr eintreten – es sind dann ja erst 23 Stunden vergangen. Wer im Studio einen Test mache, bekomme ein Zertifikat, das bei einer etwaigen Polizeikontrolle als Nachweis gilt. Aber: "Das Zertifikat gilt nur bei uns im Studio."

2G-Plus ist "übertrieben"

Schießl hofft, dass für Studios bald wieder 2G eingeführt wird. "Das ist viel angenehmer für die Kunden. Wir haben ein gutes Hygienekonzept, auf 20 Quadratmeter kommt nur eine Person." Der Amberger Danny Naber denkt genauso. "Ich finde 2G-Plus etwas übertrieben. Im Restaurant brauche ich schließlich auch keinen Test." Dennoch will er die Politik nicht pauschal kritisieren und nicht in der Haut der Entscheidungsträger stecken. "Die Inzidenzen sind hoch, die Intensivbetten voll. Ich glaube, als Politiker kann man es momentan auch niemandem recht machen."

Antworten auf Leser-Fragen zu Corona-Regeln bei Sport und Fitness

Weiden in der Oberpfalz

Alle Infos zu Corona in der Nordoberpfalz in unserem Newsblog

Oberpfalz

"Jedes Mal zur Apotheke rennen und eine Stunde auf einen Test warten, nur um trainieren zu können. Natürlich sagen da viele, das ist mir zu doof."

Danny Naber

"Wo vorher 30 Leute trainiert haben, sind jetzt 8. Es ist nichts mehr los und ich bekomme täglich Kündigungen rein."

Studio-Betreiber Thomas Schießl

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.