18.08.2021 - 13:06 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Ein Zimmerer, der beim Sparen hilft: Was der neue Energieberater für Rosenberg bedeutet

Eine traditionelle Schreinerei, kombiniert mit einem modernen Beruf, der der Umwelt einen Vorteil bringt – geht das zusammen? Ja, sagt der frischgebackene Energieberater Christian Weiß, der künftig Häuslebauern beim Sparen helfen will.

Schornsteinfegerlehrlinge kehren unter der Aufsicht ihres Meisters die Essen auf einem Dach. Auch im Heizungsbereich spielt das Einsparen von Energie eine immer größere Rolle - die Aufgaben eines Berufs wandeln sich.
von Helga KammProfil

Im Büro von Christian Weiß riecht es nach Farbe und Holz, es wurde soeben erst eingerichtet. Sein Schwiegervater, der Schreinermeister Josef Rösch, hat ihm einen Raum in seiner Rosenberger Schreinerei gegenüber der Pirnermühle zur Verfügung gestellt. Darin wird Christian künftig überwiegend am Abend arbeiten, denn tagsüber ist der gelernte Zimmerer, der 2004 Prüfungsbester im Bezirk Oberpfalz war, wie bisher in der Schreinerei tätig. „Das muss erst anlaufen mit der Beratung“, sagt der 35-Jährige. Er habe schon jetzt einige Aufträge: „Je mehr es werden, desto weniger werde ich in der Schreinerei sein.“ Was das für den traditionsreichen Handwerksbetrieb bedeutet? „Wir werden sehen“, sagt Ehefrau Karina Weiß, Schreinermeisterin und Mutter zweier noch kleiner Kinder. Die 33-Jährige ist sicher: „Zug'macht wird nicht!“

Christian Weiß mag seinen Beruf. 2008 hat er die Meisterprüfung abgelegt und danach in verschiedenen Betrieben gearbeitet. Bis der gebürtige Sulzbacher die Rosenbergerin Karina Rösch kennengelernt und 2012 geheiratet hat. Er stieg ein als Zimmermann in die Schreinerei Rösch, richtete dort mit seiner Frau eine Wohnung ein, und beide bekamen zwei Kinder. In den Folgejahren wurde das Thema Umwelt und Nachhaltigkeit immer wichtiger und die Erkenntnis, dass das Einsparen von Energie nicht nur den Geldbeutel schont, sondern auch lebenswichtige Ressourcen. Ein Beruf war plötzlich in aller Munde: der Energieberater. „Da kam mir der Gedanke, das könnte was für mich sein“, erinnert sich Christian Weiß. Er fand die Idee einer Erweiterung seines Berufes interessant.

Viele Aufträge erwartet

Bestärkt durch den Zuspruch von Familie und Handwerks-Kollegen bewarb er sich, wie er erzählt, für die Ausbildung zum Energieberater und Gebäudeenergieberater der Handwerkskammer (HWK). Die Voraussetzung, eine abgeschlossene Berufsausbildung im Handwerk, war erfüllt, so dass er 2021 einen Platz in einem der begehrten Kurse erhielt. „Der Weg war nicht leicht“, beschreibt Weiß die Zeit, die inzwischen hinter ihm liegt: Sechs Monate berufsbegleitender Unterricht, sechsmal einwöchiger Vollzeitunterricht, Projekt- und Hausarbeiten, dazu das Selbststudium am Abend daheim. Prüfung war am 31. Juli, und Weiß ist zufrieden: „Ergebnis habe ich noch keines, aber ich weiß, ich habe bestanden.“ Gebäudeenergieberater sind bisher dünn gesät im Bereich Amberg-Sulzbach, so dass sich der Neue in dieser Branche wohl berechtigte Hoffnung auf Aufträge machen kann.

Energieberater und Gebäudeenergieberater gilt als Berufszweig mit Perspektive. Schon jetzt besteht hier ein Markt, der auf absehbare Zeit noch lukrativer werden dürfte. Bereits heute gibt es strikte gesetzliche Regelungen zur Senkung der Energie bei bestehenden Gebäuden und energiespezifische Vorgaben bei der Errichtung von Neubauten. Der Grund: Die Verknappung der fossilen Rohstoffe wird sich in Zukunft noch verstärken. „Ein effizientes Energiemanagement gewinnt mehr und mehr an Bedeutung, denn wir Berater kennen sowohl die gesetzlichen Vorgaben als auch die neuesten Erkenntnisse in diesem Bereich“, sagt Weiß.

Hausbesitzer beim Sparen helfen

Er wird seinen Kunden beratend zur Seite stehen, kann Pläne für Modernisierungsarbeiten und Energiesparmaßnahmen erstellen. Darüber hinaus hat er die Berechtigung, über staatlich geförderte Leistungen zu informieren. Für Christian ist sein zweiter Beruf eine qualifizierende Aufwertung seines ersten, die seine tägliche Arbeit in der Schreinerei mit interessanten Aspekten erweitert. "Der Beruf Energieberater wird in Zukunft unentbehrlich sein“, ist er sicher, „weil er neben den persönlichen Vorteilen auch einen großen Vorteil für die Umwelt darstellt“.

Das Planungsbüro Weiß wird offiziell am 20. August eröffnet. Pfarrerin Ulrike Häberlein soll den kirchlichen Segen erteilen. Bürgermeister Michael Göth und sein Stellvertreter Günter Koller haben ihr Kommen zugesagt. Dazu natürlich die Familie und Kollegen aus verschiedenen Handwerksbereichen, und als spezieller Gast FDP-Landtagsabgeordneter Sebastian Körber.

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Neuer Wind in der Schreinerei Rösch in Rosenberg: Christian Weiß ist Zimmerermeister und frischgebackener Energieberater. Seine Frau Karina, Schreinermeisterin, steht voll an seiner Seite - auch beim Thema Energieeffizienz und Nachhaltigkeit.
Info:

Was macht ein Gebäude-Energieberater?

  • Die Energieeffizienz von Gebäuden steht bei diesem Job im Fokus.
  • Energieberater analysieren und beurteilen bestehende Gebäude hinsichtlich des Energieverbrauchs, decken Schwachstellen auf und geben Empfehlungen für Verbesserungen.
  • Ein großes Tätigkeitsfeld liegt in der Erstellung von Energieausweisen für den Verkauf oder die Vermietung einer Immobilie sowie der Durchführung sogenannter Energieaudits. Das sind Analysen mit anschließender Zertifizierung in einer bestimmten Energieklasse.
  • Außerdem werden Energieberater immer häufiger bereits in die Planung neuer Bauten einbezogen, um von vornherein energieeffizient zu bauen. (Gründerplattform)

"Der Beruf des Energieberaters wird in Zukunft unentbehrlich sein."

Zimmerermeister und Energieberater Christian Weiß

 

 

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