Zweiter Anlauf für Bierpong-Turnier – mit strengen Auflagen

Sulzbach-Rosenberg
02.09.2022 - 14:32 Uhr
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Vergangenes Jahr gab es in Sulzbach-Rosenberg einen öffentlichen Eklat, weil die Stadt das Bierpong-Turnier verboten hatte – befürchtet wurde "Alkoholmissbrauch". Im zweiten Anlauf scheint es nun zu klappen – jedoch nur mit Wasser.

Alex Pröll (23), David Martynec (24) und Nico Dirschedl (23) sind noch immer voll motiviert. „Noch“ deshalb, weil die Chef-Organisatoren des Bierpong-Turniers im Fuchsbeck-Hof vergangenes Jahr einen schweren Rückschlag erlitten hatten: Unter Verweis auf das Gaststättengesetz genehmigte die Stadt das Turnier nicht in der geplanten Form – das Spiel leiste dem „Alkoholkonsum Vorschub“, so die Begründung.

Das löste eine öffentliche Debatte über die Jugendpolitik der Stadt aus. Während die einen die Bedenken der Verwaltung teilten über das Geschicklichkeitsspiel, bei dem mit Tischtennisbällen auf die Bierbecher einer gegnerischen Mannschaft gezielt und diese dann ausgetrunken werden, solidarisierten sich andere mit den Bierpongern. Die in jungen Alterskreisen sehr große Fan-Community war empört, genauso wie die Organisatoren selbst, deren monatelange Vorbereitungsarbeit umsonst war.

Lob für bessere Kommunikation

Dieses Jahr soll nun alles besser werden. Es ist eine Neuauflage des Turniers am 10. September geplant – und auch die Stadt wird wohl ihren Segen geben. Offenbar haben beide Seiten aus dem Eklat gelernt. „Die Kommunikation mit der Verwaltung hat sich verbessert. Es besteht jetzt ein kurzer Draht, und auch unsere Anfragen werden schnell bearbeitet“, lobt Alex Pröll. „Die Stadt ist auf uns zugekommen, sie wollten gemeinsam eine Lösung finden, dass es dieses Mal klappt“, bestätigt David Martynec.

Also alles gut? Naja, so richtig glücklich sind die Bierponger nicht. Denn sie dürfen das Turnier nicht so abhalten, wie sie gerne würden. „Wir haben seit April bereits zwei Veranstaltungskonzepte bei der Stadt eingereicht. Beide wurden abgelehnt“, berichtet Dirschedl. Das dritte Konzept liege der Stadt inzwischen vor, die Signale seien positiv, dass es dieses Mal durchgehe. Doch dafür mussten harte Zugeständnisse gemacht werden.

Nur Wasser im „Spielbereich“

Zum einen dürfen aus Gründen des Jugendschutzes nur Personen über 18 Jahre teilnehmen. Zum anderen ist Alkohol beim Spiel nicht zugelassen. Die Teilnehmer sollen „zu keinem Zeitpunkt zum Alkoholkonsum animiert werden“, betont die Stadt. Diese Vorgaben stammen vom Kreisjugendamt und der Fachbehörde für Gaststättenwesen – die Stadt hatte das Konzept der Bierponger an die beiden Stellen weitergeleitet. Was das konkret bedeutet, erklärt David Martynec: „Es wird im Spielbereich keinen Alkohol geben, in den Bechern ist nur Wasser.“ Das bedeute aber nicht, dass auf der Veranstaltung überhaupt kein Bier ausgeschenkt werden dürfe: "Die Spielbereiche werden mit Markierungen am Boden deutlich gekennzeichnet. In den Zonen außerhalb darf getrunken werden. Das hat die Stadt genehmigt.“ Ein „Schutzbeauftragter“ aus den Reihen der Organisatoren werde zudem über die Einhaltung der Regeln wachen.

Was sie von den Vorgaben halten, machen die Bierponger deutlich. „Wir machen es nur, weil es die Auflage ist. Aber überzeugt sind wir nicht“, erklärt Pröll. Martynec ergänzt: „Wir sind Bierpong und nicht Wasserpong, aber wenn es die Oberen so wollen, dann machen wir es halt.“ Und Dirschedl schiebt sarkastisch nach: „Wasser ist Leben.“ Auch, dass 16- und 17-Jährige nicht teilnehmen können, stößt auf das Unverständnis der drei. „Das verstehe ich überhaupt nicht. 16-Jährige dürfen in jedem Wirtshaus, jeder Kirwa, jedem Fest Bier trinken, ohne Begrenzung. Das ist gesetzlich erlaubt“, sagt David. Die Organisatoren beteuern, dass auf dem Turnier verantwortungsvoll mit Alkohol umgegangen werde. „Es wird sicher keine Exzesse geben. Wir spielen ja mit Wasser. Jeder kann außerhalb der Spielzone trinken, was wo wann und wie viel er will. Beim ersten Turnier 2020 hat es auch keinen Exzess gegeben. Unserer Meinung nach sind diese Auflagen überflüssig.“

Stefan Thar lobt Bierpong-Jugend

Rückendeckung bekommen die Bierponger mittlerweile nicht mehr nur aus Jugendkreisen, sondern auch aus dem Stadtrat. FWU-Politiker Stefan Thar hat in der letzten Sitzung vor der Sommerpause das Thema aufgegriffen und das Engagement der jungen Erwachsenen gelobt. „Für alle, die das nicht wissen: Wir haben in der Stadt eine ausgeprägte Bierpong-Szene. Da kommen Leute von weit her für ein Bierpong-Turnier, und wir lassen die mit Wasser spielen. Ist das unser Ernst?“, stellte er dem Gremium die rhetorische Frage. In seiner Anfrage an Bürgermeister Michael Göth erinnerte Thar auch an den Ärger um das Stahlwerk-Festival im Juli am Maxhütten-Hochofen. Veranstalter Hubert Schober hatte damals angekündigt, mit einem solchen Festival nicht mehr nach Sulzbach-Rosenberg kommen zu wollen, weil die Stadt angeblich zu wenig kooperiert habe.

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Sulzbach-Rosenberg20.07.2022

Das nahm Thar zum Anlass, eine Grundsatzfrage zu stellen: „Wo wollen wir Event-technisch in der Stadt eigentlich hin? Wollen wir alle gemeinnützigen Veranstalter ausgrenzen? Ist es der Wunsch der Stadt, alle Feste nur noch alleine durchzuführen? Wie gehen wir künftig damit um, wenn Vereine, oder in diesem Fall die Bierpong-Leute, so was Cooles machen?“ Und weiter: „Was passiert denn am Annaberg, wird da niemand zum Trinken animiert?“ Thar appellierte an Göth, die Jugend zu unterstützen. „Es geht hier um Führung, und ich finde es toll, dass wir in Sulzbach so ein Event haben.“

Großer Andrang erwartet

Die Bierponger Pröll, Martynec und Dirschedl jedenfalls freuen sich auf ihr Event. Seit 1. September ist die Anmeldung über die Instagramseite von Bierpong Sulzbach möglich. 80 Plätze stehen zur Verfügung, 20 Euro kostet die Teilnahme. Auch Zuschauer sind eingeladen. „Wir rechnen mit einem großen Andrang. Wahrscheinliche werden wir schon nach kurzer Zeit ausgebucht sein“, sagt Dirschedl. „Wir haben ein Jahr für dieses Turnier gekämpft, viel Energie und Herzblut hineingesteckt, jetzt wollen wir das auch durchziehen“, ergänzt Martynec. „Wir wünschen uns, dass es ein Hammer-Turnier wird, eine Riesen-Gaudi und viele Leute Spaß haben. Trotz der Auflagen.“

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