18.06.2021 - 12:33 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Krippenfreunde holen zweite Papierkrippe des Maurus Fuchs zurück nach Tirschenreuth

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Jahrelang bemühte sich Alfred Mehler von den Krippenfreunden Tirschenreuth, die zweite Papierkrippe des Kirchenmalers Maurus Fuchs ins Stiftland zurück zu holen. Jetzt ist es gelungen.

Die Figur der Heiligen Familie ist mit einem beschriebenen Schriftstück verstärkt worden, das einen Bezug zu Tirschenreuth bestätigt. Alfred Mehler übersetzte Schlagworte wie „Pater“, „Türschenreith“, "Pantale“ oder „Waldsassen". Pantaleon Senestrey war Pater im Kloster Waldsassen und nach dessen Auflösung Stadtpfarrer in Tirschenreuth.
von tspProfil

Von Thomas Sporrer

Sie gilt als einer der großen Schätze der Kreisstadt: die Tirschenreuther Papierkrippe des Maurus Fuchs. Gut behütet wird das an die 200 Jahre alte Kunstwerk im Museumsquartier (MQ) ganzjährig ausgestellt. Zur Krippenausstellung im Jahr 2018/19 war auch leihweise die Maurus-Fuchs-Papierkrippe von Peter Riolini aus Augsburg zu sehen. Sie könnte mit etwa 220 Jahren noch älter sein als die Tirschenreuther Papierkrippe.

Jahrelang versuchten die Tirschenreuther Krippenfreunde, dieses Stück echter Heimatgeschichte ins Stiftland zurück zu holen. Jetzt hatten sie Erfolg: Alfred Mehler konnte die zweite Papierkrippe des großen Tirschenreuther Kirchen- und Krippenmaler Ende Mai 2021 endlich "heim" bringen. Es war ein echter Kampf.

Jahrelange Verhandlungen

Alfred Mehler ist stellvertretender Vorsitzender der Krippenfreunde. Jahrelang hatte er schon mit Riolini verhandelt. Als es nach der Krippenausstellung in Tirschenreuth vor zwei Jahren schon gut aussah, hat Riolini die Gespräche jedoch abermals abgebrochen. Mehler ließ sich dadurch nicht aus der Spur bringen, er blieb dran: Er wollte den Tirschenreuther Krippenfreunden dieses Meisterstück unbedingt sichern. Dann stimmte Riolini überraschend doch mündlich zu. Finanzchef Hans Schiedeck hat einen Vertrag aufgesetzt und nach Augsburg gesandt. Und wieder begann das Warten.

Die Verhandlungen zogen sich. Riolini wollte sogar festlegen, wo und wie seine Papierkrippe nach dem Verkauf zu präsentieren sei, erinnert sich Alfred Mehler. Es wurde hin und her geschrieben. Dann, Ende Mai 2021, endlich die Erlösung: Riolini unterschrieb. Alfred Mehler fuhr am Pfingstsonntag nach Augsburg, um die wertvolle Papierkrippe ins Stiftland zu holen. Schweren Herzens trennte sich Peter Riolini von seinem Prunkstück. Der Augsburger freut sich aber, dass die Krippe wieder nach Tirschenreuth kommt und dort der Öffentlichkeit gezeigt wird.

Zwei Teile, eine Krippe

Zur Geschichte der Riolini-Krippe: Der Augsburger Peter Riolini - profunder, in der Fachwelt anerkannter Autor vieler Krippenfachbücher und erfahrener Krippensammler - hatte die Tirschenreuther Maurus-Fuchs-Papierkrippe Anfang der 1990er Jahre noch von Max Gleißner persönlich in Tirschenreuth gezeigt bekommen. Somit kannte er den Maler und seinen Stil. Auch deshalb konnte Riolini die Papierkrippe, die er um die Jahrtausendwende bei einer Versteigerung in München entdeckte, sehr gut einschätzen. Riolini erkannte sofort: "Das ist Maurus Fuchs!" Er kaufte die 22-teilige Papierkrippe.

16 Jahre später, 2015, wurde der Augsburger zufällig bei einer Auktion in München auf weitere 23 Teile und Figuren einer Papierkrippe aufmerksam - bezeichnet als "Papierkrippe aus der Tiroler Provenienz". Für den erfahrenen Kunstsammler stand von Anfang an fest, dass beide Teile zu einer Krippe gehören: "Die Teile beider Krippen ergänzen sich", sagte Riolini in einem Fachartikel. Auch die zweite Hälfte konnte er günstig erwerben. Laut Alfred Mehler sollen sie unter anderem von einer Münchener Sammlerin stammen.

In einem Fachartikel beschrieb Riolini die Papierkrippe ausführlich. Weitere genaue Untersuchungen bestätigten den Tirschenreuther Kirchen- und Krippenmaler als den wahren Erschaffer der Sammlung. Es war eine zweite Tirschenreuther Maurus-Fuchs-Papierkrippe, eine echte Sensation.

Stammt Signatur vom Maler?

Auf Textfragmenten, mit denen die Figuren verstärkt wurden, konnte Riolini den Bezug zum Stiftland, zu Tirschenreuth und zum Kloster Waldsassen nachweisen. Ein weiterer Glücksfall: Einer der Könige scheint vom Maler selbst signiert zu sein. Dort glaubt nicht nur Riolini, die Initialen "M1797F" zu erkennen. Das wäre eine weiterer, zweifelsfreier Beweis für die Urheberschaft des Malers Maurus Fuchs. Doch hat Maurus Fuchs die Figuren wirklich signiert? Es wäre ungewöhnlich, da der Maler solch kleine Teile nie signierte, weiß Krippenkenner Mehler. Zumindest ist bisher davon nichts bekannt. Selbst große Bilder, wie zuletzt in der Kirche in Stein identifiziert, hat der Stiftländer Maler nicht signiert. Allerdings ist das Zeichen auf der Rückseite des Königs sehr deutlich. Es wäre wohl Aufgabe eines Graphologen, zu klären, ob das tatsächlich Maurus Fuchs war und ob das Datum richtig interpretiert ist.

Weiterhin wird immer wieder darüber spekuliert, ob tatsächlich alle Figuren der Krippe von Maurus Fuchs stammen. Dabei geht es nicht um die Urheberschaft von einzelnen Figuren - denn um 1800 wurde kopiert, was das Zeug hielt. Ein Urheberrecht gab es nicht. Ob Maurus Fuchs aber tatsächlich alle Figuren gemalt hat, ist unklar. Einzelne Figuren in der Tirschenreuther Papierkrippe könnten auch von anderen Malern stammen. Auch hier würde wohl nur eine genaue Untersuchung Klarheit schaffen.

Mit Senestrey nach München?

Wie die Krippe nach München kam, darüber können derzeit nur Mutmaßungen angestellt werden. Vielleicht war die zweite Papierkrippe ursprünglich eine Kirchenkrippe oder eine Auftragsarbeit für einen Geistlichen? Die Figur der Heiligen Familie ist mit einem beschriebenen Schriftstück verstärkt worden, das einen Bezug zu Tirschenreuth bestätigt. In dem Textfragment auf der Rückseite ist erkennbar Pantaleon Senestrey genannt, Pater und ab 1806 Stadtpfarrer von Tirschenreuth. Diese Spur deutet sich beim ersten Chronisten der Stadt Tirschenreuth an, dem Kanonikus Ludwig Mehler. Er beschrieb 1864 den früheren Stadtpfarrer sehr ausführlich. Nach zehn Jahren erfolgreichen Wirkens in Tirschenreuth wurde Pantaleon Senestrey 1817 nach München versetzt und als Domkapitular und Generalvikar in der Erzdiözese München und Freising eingesetzt. Hat der Onkel vom späteren Regensburger Bischof Ignatius von Senestrey die Papierkrippe aus Tirschenreuth mit nach München genommen, als Erinnerung an seine Heimat? Und gelangte sie dann 200 Jahre später in die Auktionen, auf der sie Peter Riolini erstanden hatte? "Eine mögliche Spur, nicht mehr", meint dazu zumindest Alfred Mehler.

In Jubiläumsausstellung zu sehen

Die Tirschenreuther Krippenfreunde und Bürgermeister Franz Stahl sind auf alle Fälle begeistert, dass der Coup doch noch gelungen ist. Die zweite Papierkrippe sei eine große Bereicherung für das Museumsquartier, wo das Kunstwerk im Krippenzimmer auf Dauer zu sehen sein wird. Dass die Krippe tatsächlich rechtzeitig zur Jubiläumsausstellung "250 Jahre Maurus Fuchs" in ihre Geburtsstadt kommt, sei eine wunderbare Fügung. Nicht nur die beiden einzig erhaltenen Original-Papierkrippen werden dort zu sehen sein, sondern auch Vergrößerungen der Beschriftungen auf den genannten Figuren. Damit kann sich jeder Besucher selbst ein Bild machen, ob die Krippe tatsächlich von Maurus Fuchs sein könnte.

Kürzlich wiederentdeckte Maurus-Fuchs-Bild aus der Pfarrkirche Griesbach sollen restauriert werden

Griesbach bei Mähring
Service:

Jubiläumsausstellung 250. Geburtstag Maurus Fuchs

  • Maurus Fuchs, geboren 1771, war ein begnadeter Kirchenmaler aus Tirschenreuth.
  • Zahlreiche Gemälde, Altarbilder und Kreuzwege künden in Bayern und Böhmen von der besonderen Begabung des Künstlers.
  • Zum 250. Geburtstag ehrt ihn seine Heimatstadt mit einer großen Ausstellung, bei der zahlreiche Exponate unterschiedlicher Art von mehreren Leihgebern aus der Region präsentiert werden.
  • Eröffnung der Ausstellung ist am Freitag, 9. Juli. Sie endet voraussichtlich Ende August.

 

 

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