02.02.2021 - 19:33 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Mehr Struktur durch Videounterricht

Seit den Weihnachtsferien besserten die Schulen im Landkreis Tirschenreuth und das Landratsamt noch einmal nach in Sachen Digitalunterricht. Zwar laufen die Systeme nun tadellos, doch es gibt auch weiterhin ein paar Sorgen.

Über den aktuellen Stand des Digitalunterrichts informierten Vertreter der Schulleitungen, des Landratsamts und des Schulamts.
von Lena Schulze Kontakt Profil

Fünf Schulleiter gaben bei einem Pressetermin gemeinsam mit Landrat Roland Grillmeier einen Einblick, wie der Onlineunterricht momentan läuft. Von der Überlastung des Systems zu Beginn des Jahres sei nichts mehr zu spüren. So wurde etwa die Serverleistung noch einmal erhöht, berichtete Stefan Kleber, Sachgebietsleiter für Informationstechnik am Landratsamt. Der Landkreis stellt den Schulen die Plattform BigBlueButton (BBB) für Videokonferenzen zur Verfügung.

Aktuell stehen für das Lernprogramm vier Server außerhalb des Landratsamts zur Verfügung. Täglich gebe es rund 15 000 Zugriffe auf die BBB-Server, das ergebe eine Auslastung von 60 bis 7o Prozent der Kapazität. "Wir haben noch Reserven", erklärte Kleber.

Angriffe auf BBB-Server

In der vergangenen Woche wurden die Server drei Mal von außerhalb angegriffen, informierte Kleber von einer "temporären Angriffswelle". Jeweils sei über eine Stunde rund ein Drittel der Serverleistung ausgefallen. Das bedeutet für betroffene Schüler: Bildschirm schwarz, Ton weg. "Da kann man nichts dagegen machen, das muss man aussitzen", erklärte Kleber. Landrat Roland Grillmeier berichtete, dass der Landkreis in den vergangenen Jahren insgesamt 2,3 Millionen Euro in die digitale Ausstattung der Schulen investierte. Neben Glasfaseranschlüssen wurden auch Fachräume, Geräte und smarte Tafeln installiert. Weil oft sozial schwache Schüler nicht die technische Ausstattung für Digitalunterricht haben, wurden nun mehrere Hundert Leihgeräte für Schüler für insgesamt 250 000 Euro angeschafft. Auch Dienstgeräte für Lehrer, die von zu Hause arbeiten, sollen demnächst kommen. Dafür steht ein Budget von 210 000 Euro zur Verfügung.

Vor allem der Unterricht per Videokonferenz komme laut Rektoren gut an, weil sich Schüler und Lehrer sehen. Der Unterricht gestaltet sich in allen Schulen größtenteils ähnlich und besteht aus Allein-Arbeitsphasen und Lehrerunterricht mit Fragerunden. Dies trage dazu bei, den Schülern während des Distanzunterrichts Rhythmus und Struktur zu geben.

Notenerhebung schwierig

Alle Schulen im Landkreis arbeiten mit der Plattform Mebis für den Datenaustausch von Arbeitsmaterial und BigBlueButton für Videokonferenzen. Die Realschule in Kemnath nutzt zusätzlich Microsoft Teams, erklärte Rektor German Helgert, doch die Nutzungslizenz sei nur bis Ostern gesichert. "BBB ist für uns ein wichtiger Baustein im Unterricht", sagte Rektorin Kerstin Reiter von der Mädchenrealschule Waldsassen. Über 300 Schüler und Lehrer haben so stundenplanmäßig Unterricht. Obwohl Schüler und Lehrer dem Distanzunterricht positiv gegenüber eingestellt sind: "Es geht nichts über Präsenzunterricht." Auch Stefan Drexler, Rektor der Knabenrealschule in Waldsassen, sagt: "Wir haben uns mittlerweile in den Distanzunterricht eingegroovt. Ohne BBB könnte ich mir Onlineunterricht gar nicht vorstellen." Über BBB finden an seiner Schule Lehrerkonferenzen und Elternbeiratssitzungen statt, sogar einen Übertritts-Infoabend plant der Schulleiter über das Programm anzubieten. Ein Manko am Distanzunterricht ist die Notenerhebung, so Drexler.

"Es funktioniert tadellos", freute sich auch Albert Bauer, Schulleiter des Stiftland-Gymnasiums. Der Fortschritt gegenüber dem Unterricht im Frühjahr sei gewaltig. "Der coronabedingte Digitalisierungsschub ist in keinem anderen Bereich so groß wie bei den Schulen", merkte er an. Natürlich komme es vor, dass sich Schüler im Digitalunterricht wegducken. Doch auch im Präsenzunterricht habe man fleißigere und lernschwächere Schüler. "Wenn wir merken, dass jemand nicht mitmacht, rufen wir bei den Eltern zu Hause an."

Mehr Planungssicherheit

Die Realschule in Kemnath zwang in der ersten Woche nach Weihnachten als größte Schule im Landkreis mit 800 Schülern die BBB-Server in die Knie. "Nach den anfänglichen Systemüberlastungen läuft alles top", berichtete German Helgert. Besonders aber für Leistungsnachweise wäre Präsenzunterricht wieder wünschenswert. Probleme beim Distanzunterricht sieht er auf lange Sicht darin, dass vor allem die soziale Kompetenzen der Schüler leiden und auch kreative Fächer wie Kunst, Musik oder Sport zu kurz kommen. "Schüler, Eltern und Lehrer sind stärker belastet", gab Helgert weiter zu bedenken. Insbesondere die Lehrer wurden in den vergangenen Monaten in Sachen Onlineunterricht sehr stark weitergebildet. Bei der Planung für das zweite Schulhalbjahr wünscht sich Helgert besonders mehr Planungssicherheit. "Wenn es Änderungen gibt, hätten wir gerne mehr Vorlauf, uns vorzubereiten", betonte er.

Mit dem Lernstoff im Zeitplan

Alexander Köstler sprach für die 17 Grund- und Mittelschulen im Landkreis und als Vertreter des Schulamts. Der Rektor der Grund- und Mittelschule im Fichtelnaabtal berichtete, dass er mit dem Stoff im Zeitplan ist. "Wir sind nicht langsamer als im Präsenzunterricht." Während die Grundschulklassen vorrangig mit Wochenplänen arbeitet, gebe es an den Mittelschulen einem Mix aus Wochen- und Stundenplan. An der Grundschule werde zudem Unterrichtsmaterial in kopierter Form zur Abholung bereitgestellt. "Das wird rege und sehr dankend angenommen", sagte Köstler. Hier ergebe sich die Möglichkeit für Eltern, Rücksprache mit dem Lehrer zu halten.

Notbetreuung wenig genutzt

In der Notbetreuung, die von der 1. bis zur 6. Klasse in Anspruch genommen werden kann, sind an den Grundschulen zwischen 5 bis 10 Prozent der Schüler. An den Realschulen und am Stiftland-Gymnasium sind es noch weniger Schüler, nur etwa je zwei Schüler pro Schule.

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Kemnath

 

 

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