03.11.2020 - 16:34 Uhr
VohenstraußOberpfalz

Vohenstraußer Wirten schmeckt Lockdown gar nicht

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In der Gastronomie geht im November wegen der Corona-Auflagen wieder nichts. Eine Traditionsgaststätte trifft es besonders.

Drei Wochen war die Traditionsgaststätte "Behringer" erst geöffnet, jetzt mussten die neuen Pächter wegen der Corona-Regelungen schon wieder bis auf Weiteres schließen.
von Thorsten Schreiber Kontakt Profil

Erst vor kurzem haben Sabrina und Sebastian Schmidt die Traditionsgaststätte "Behringer" am Marktplatz als Pächter übernommen. Drei Wochen war geöffnet, jetzt ist schon wieder bis auf Weiteres zu. "Ich finde es unfair. Wir haben alles eingehalten, gerade in der Gastronomie ist das möglich. Ich verstehe das nicht", macht Sabrina Schmidt ihrem Unmut Luft. Die Polizei könne Wirtshäuser besser kontrollieren als den privaten Bereich.

"Behringer" in Vohenstrauß muss Pächterwechsel verkraften

Vohenstrauß

Auch viele Stammgäste seien sauer, "weil sie schon wieder zu Hause bleiben müssen", sagt Schmidt. Sie finde das gerade für ältere Leute schade, denn ein Wirtshausbesuch sei oft die einzige Möglichkeit für Kontakte oder Austausch untereinander. Um den "Behringer" macht sie sich noch keine Sorgen: "Wir kommen über die Runden, aber länger als einen Monat sollte es nicht dauern." Einen Abholservice gebe es nur für das Bier über die Brauerei, für Essen rentiere sich das nicht.

Sämtliche Auflagen erfüllt

"Nicht gut" findet Regine Hoffmann vom Gasthof "Schübl'adl" die jetzige Situation. Sie und ihr Ehemann Fritz Hoffmann hatten sämtliche Auflagen erfüllt, Abstände eingehalten, desinfiziert und nur die Hälfte der Gäste hineingelassen. Außerdem gab es keinen Corona-Fall in dem Wirtshaus. Immerhin: Wie schon im Frühjahr bietet das "Schübl'adl" auch diesmal wieder jeden Sonntag die Speisen zum Abholen an.

"Wirtschaft nicht abwürgen"

Stephan Freudenreich vom Landhotel "Lindenhof" in Braunetsrieth hat zum aktuellen Lockdown ebenfalls eine deutliche Meinung. "Es kommt einem vor wie blinder Aktionismus, was wir jetzt in der Gastronomie erleben. Laut Robert-Koch-Institut kommen 0,5 Prozent der Ansteckungen aus der Gastronomie. Da frage ich mich, ob man nicht woanders ansetzen hätte können. Man darf die Wirtschaft nicht abwürgen." Stattdessen würden die Leute sich Bier aus dem Supermarkt holen und privat feiern, meint er. Freudenreich hat in seinem Betrieb zwar ein ausgekügeltes Hygienekonzept, doch momentan ist das Hotel geschlossen und beherbergt auch keine Geschäftsreisende. "Von 95 Prozent Belegung runter auf 1,5 Prozent, das rentiert sich nicht."

Es kommt einem vor wie blinder Aktionismus, was wir jetzt in der Gastronomie erleben.

Stephan Freudenreich vom Landhotel "Lindenhof"

"Was soll man dazu sagen?", fragt sich ein Sprecher des Landgasthofs "Am Sonnenhang" in Kaimling. "Da fehlen einem die Worte, warum es wieder uns trifft. Das ist einfach traurig für unsere Branche." Für Gaststätte und Pension greife ein Hygienekonzept, aktuell seien Geschäftsreisende hier. Viele hätten aber auch abgesagt.

Lob von der Polizei

Zumindest von der Polizei gibt es viel Lob für Gastronomie und Bevölkerung. Martin Zehent, Leiter der Vohenstraußer Inspektion, ist sehr zufrieden. "Die Leute sind vernünftig." Am Wochenende hatten seine Kollegen in Wirtshäusern im Altlandkreis die Sperrzeit von 21 Uhr überprüft. Nur in einem Fall könne es sein, dass "möglicherweise die Gäste" um diese Zeit die Gaststätte noch nicht verlassen hatten, erklärt der Erste Polizeihauptkommissar. Die Ermittlungen laufen allerdings noch.

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