13.03.2019 - 16:11 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Sr. Hanna-Maria nimmt Auszeit vom Kloster Waldsassen

Die Veränderung macht seit Beginn der Woche im Stiftland die Runde: Die jüngste Ordensfrau im Konvent der Zisterzienserinnen-Abtei hat sich von Äbtissin Laetitia Fech beurlauben lassen.

Sr. Hanna-Maria Ehlers hat Äbtissin Laetitia Fech um eine Auszeit vom Kloster Waldsassen gebeten.
von Paul Zrenner Kontakt Profil

Sr. Hanna-Maria Ehlers, unter anderem durch ihre Mitarbeit in der Umweltstation bekannt, hat Äbtissin Laetitia Fech um eine Auszeit gebeten. Über den Aufenthaltsort ist Stillschweigen vereinbart. Wie es heißt, ist die 31-Jährige nicht daheim; ihre Eltern wussten nichts von dem Entschluss ihrer Tochter. Am Montag waren die Schülerinnen in der Realschule des Klosters informiert worden.

"Es ist ihr Leben und es ist ihre Entscheidung", zeigt die Äbtissin, die von den Ordensfrauen mit "Mutter" angesprochen wird, Verständnis. Glücklich ist sie nicht darüber: "Es ist furchtbar für uns als Kloster. Für mich als Äbtissin gibt es nichts Schlimmeres, als dass eine meiner jungen Schwestern geht." Diese seien emotional betrachtet ihre Kinder. "Auf der anderen Seite leben wir in einer Zeit, in der die Kinder und die Jungen die Freiheit haben, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen."

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Hanna-Maria wolle ihre Entscheidung noch einmal überdenken. Dies sei in Ordenskreisen keine Seltenheit mehr. Dabei verweist die Äbtissin auf Patres im Kloster Speinshart und auf Austritte von Ordensleuten aus Zisterzienser-Gemeinschaften. "Diese Wellen gibt es immer wieder." Die Situation in der Kirche trage im Moment nicht gerade dazu bei, dass junge Menschen von der Kirche so überzeugt sind, dass sie diesen Schritt wagten, so die Äbtissin über die Entscheidung für ein Leben im Kloster.

"Wir haben viele Hochzeiten hier", verweist Sr. Laetitia auf die Feiern im Gästehaus St. Joseph mit glücklichen Paaren. "Und wie oft kriegen wir mit: Ein oder zwei Jahre später gehen sie wieder auseinander." Es sei erschreckend, dass dies - im übertragenen Sinne - inzwischen bei Ordensleuten genauso sei. "Das ist ein Spiegel der Zeit, dass ein Leben in Verbindlichkeit und Treue absolut nicht in ist."

Es stellten sich Fragen: "Was können wir tun, dass eine feierliche Profess eine feierliche Profess bleibt? Wie gehen wir in Zukunft mit einer Bindung für immer um?" Äbtissin Laetitia weiß, dass junge Ordensschwestern stets um ihre Berufung ringen und sich es dabei nicht leicht machen. Dies gelte auch für Hanna-Maria: Sie habe sich die Entscheidung jetzt ebenfalls nicht leicht gemacht.

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Zur Person:

Schwester Hanna-Maria

Schwester Hanna-Maria, Jahrgang 1987, ist in Lüdenscheid geboren, mit 18 Jahren ins Kloster Waldsassen eingetreten und hat 2012 die Ewige Profess abgelegt. „Sie hat die Option, dass sie zurückkommen kann“, sagt Äbtissin Laetitia Fech, die die Beurlaubung für ein Jahr nach Rücksprache mit den Ordensoberen genehmigt hat.

Danach könnte Sr. Hanna-Maria eine Ex-Klaustration einreichen – für drei Jahre. Die Ordensfrau dürfte außerhalb der Klausur leben und danach wieder ins Kloster zurückkehren. Dies müsse aber der Papst genehmigen.

„Ein Kloster investiert in eine junge Schwester“, so die Äbtissin: Hanna-Maria Ehlers hat in Eichstätt fünf Jahre studiert, ist Diplomtheologin sowie Familien- und Eheberaterin. „Damit kann sie jetzt zurück“, so die Äbtissin über ein künftiges Leben außerhalb von Klostermauern.

Das Studium sei für die junge Frau eine weitere Gelegenheit gewesen, sich selbst noch einmal zu prüfen. Denn ein „Wechselbad“ sei die Zeit nach der Rückkehr ins Kloster nach einem Studium. „Das ist nicht einfach.“ Die Äbtissin sagt, es sei für sie immer schlimm, wenn junge Ordensfrauen sich gegen ein Leben in der klösterlichen Gemeinschaft entscheiden. „Aber es ist besser, wenn sie gehen, als wenn sie unglücklich werden.“

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