Weiden in der Oberpfalz
05.10.2026 - 11:58 Uhr
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Aus der Ukraine nach Deutschland: Mariia Tymoshenko lebt Traum als Fotografin weiter

2022 kam Mariia Tymoshenko aus der Ukraine nach Deutschland – mit ihrer kleinen Tochter und ohne ein Wort Deutsch zu sprechen. Heute lebt sie ihren Traumberuf als Fotografin mit eigenem Studio in Weiden.

2022 kam Mariia Tymoshenko aus der Ukraine nach Deutschland. Im September, über vier Jahre später, eröffnete sie ihr eigenes Fotostudio in Weiden. Bild: Lisa Sebald
2022 kam Mariia Tymoshenko aus der Ukraine nach Deutschland. Im September, über vier Jahre später, eröffnete sie ihr eigenes Fotostudio in Weiden.

Seit sie 18 Jahre alt ist, fotografiert Mariia Tymoshenko. In jedem Menschen stecke etwas Besonderes und Schönes, sagt die 35-Jährige. „Diese Schönheit kann ich auf Bildern festhalten und den Menschen zeigen. Die Emotionen, die bei den Fotoshootings entstehen und die man auf den Fotos sieht, kann keine künstliche Intelligenz produzieren.“

Tymoshenko stammt aus der Ukraine. Wegen des Angriffskrieges Russlands auf ihr Land hat sie wie so viele Ukrainer 2022 ihre Heimat verlassen. Laut dem Bayerischen Staatsministerium des Innern, für Sport und Integration leben heute, fast fünf Jahre nach Kriegsbeginn, etwa 190.000 ukrainische Staatsangehörige in Bayern. Etwa 163.000 Personen haben einen vorübergehenden Schutzstatus.

Und in Weiden? Laut Angaben im Melderegister wohnen aktuell 1195 ukrainische Staatsangehörige in der Stadt, Doppelstaater ausgenommen. Das teilt Pressesprecherin Christina Liedl auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien mit. Von den 1195 Personen haben 963 infolge des Ukraine-Krieges Zuflucht gefunden. Wie viele Menschen davon berufstätig sind, geht aus den Zahlen aber nicht hervor. Im Oktober 2021 und damit vor Ausbruch des Ukraine-Krieges wohnten lediglich 146 ukrainische Staatsangehörige in Weiden.

„Nicht einfach nichts tun“

Geflüchtet ist Tymoshenko mit ihrer kleinen Tochter, die heute sieben Jahre alt ist. „Ich musste erst einmal Deutsch lernen.“ Seit ihrer Ankunft in Deutschland war ihr aber eines sofort klar: Sie wollte ihren Traumberuf als Fotografin nicht aufgeben. Im September konnte sie nun ihr eigenes Fotostudio „MT.SPACE“ in der Oberen Bachgasse in Weiden eröffnen. „Ob Menschen mit Tattoos auf dem ganzen Körper, das Seniorenpaar, das schon viele Jahre zusammen ist, oder Frauen und Männer, die ausgefallene Kleidung tragen: Bei mir ist jeder willkommen“, sagt Tymoshenko. „Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich in Weiden so offen und herzlich aufgenommen wurde. Jetzt kann ich den Menschen mit meiner Fotografie etwas zurückgeben.“

Hauptberuflich arbeitet Tymoshenko als Designerin in Amberg. Mama, zwei Jobs – „viele Menschen haben mich schon gefragt, wie ich das hinbekomme. Aber ich habe viel Energie und kann nicht einfach herumsitzen und nichts tun. Mit Disziplin, Organisation und ganz viel Spaß klappt das sehr gut“, sagt sie. „Kritische Stimmen gibt es auch. Auch weil viele Fotostudios schließen müssen, während ich ein neues aufmache. Aber ich habe ein Talent, das ich nicht verstecken möchte.“

Raum mit Persönlichkeit füllen

Ihr Studio sei zwar nicht sehr groß, aber auch ein kleiner, leerer Platz reiche aus, um ihn mit Persönlichkeit zu füllen, sagt die 35-Jährige. „Die Menschen kommen mit ihren Geschichten, führen ihre Geschichte weiter oder kreieren eine neue.“ Es seien nicht nur Porträts, die entstehen, sondern Erinnerungen.

Denn Tymoshenko mache es selbst glücklich, glückliche Menschen zu sehen. „Wenn sich ein frisch verheiratetes Paar tief in die Augen schaut, sieht man die Liebe zueinander. Diese Liebe kann ich auf den Fotos festhalten. Oder wenn Frauen an ihrem Aussehen zweifeln, kann ich ihnen zeigen, dass sie wunderschön sind“, erklärt sie. „Viele sind selbstkritisch und bekommen Kritik von außen. Auf Fotos betrachtet man sich anders. Strahlende Augen, Lachfalten – Fotos können richtige Emotionen speichern. Alle Menschen sind fotogen.“

Offen für alle Ideen

In ihren Räumen finden aber nicht nur klassische Fotoshootings statt, sondern auch Veranstaltungen, die Tymoshenko fotografisch begleitet. Zum Beispiel können Frauen zu einem Brunch zusammenkommen. „Es gibt selbstgemachtes Essen, die Frauen können schöne Kleidung tragen und einfach eine schöne Zeit zusammen haben“, sagt die 35-Jährige. „Mit der Kamera halte ich ihre kleine Party fest, die nicht nur aus Alkohol, lauter Musik und Tanzen besteht.“ Bei ihren Events solle es für die Teilnehmenden aber nicht nur um ästhetische Bilder gehen, betont Tymoshenko. „Es ist auch ein Anlass, neue Menschen kennenzulernen oder mit Menschen, die man bereits kennt, etwas zu unternehmen und sich auszutauschen“, sagt sie. „Ich möchte mit den Events eine große Welt in einem kleinen Zimmer erschaffen.“

Der Kontakt zu den Menschen mache Tymoshenko auch selbst beim Fotografieren am meisten Spaß. Auch, dass sie viel herumkomme. Aus Ideen Wirklichkeit werden zu lassen und Menschen mit ihrer Kamera zu begleiten, genau das mache ihr bis heute am meisten Freude, sagt die Weidenerin.

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