13.06.2018 - 16:54 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Anrufe lassen aufhorchen

Die Angeklagten - zwei Männer aus Rumänien - schweigen auch am dritten Verhandlungstag. Sie werden des gewerbs- und bandenmäßigen Einschleusens von Ausländern in fünf und sieben Fällen beschuldigt - und das unter "qualvollen Zuständen".

In einer kleinen engen Holzkiste im doppelten Boden eines kleinen Lkws brachten zwei Schlepper im August 2017 acht Männer von Rumänien nach Deutschland.
von Julia Hammer Kontakt Profil

(juh) Der Einbruch in ein Wohnhaus in Arnschwang (Landkreis Cham) am 21. August 2017 erweist sich für die Polizisten, die in den Schleuserfällen ermitteln, als purer Glücksfall. Die Opfer des Einbruchs: Die Eltern des Mannes, der einen Tag später einen "auffälligen weißen Klein-Lkw und einen weißen Pkw" beobachtet und die Beamten so auf die richtige Spur bringt. "Ich war einfach sensibilisiert nach dem Einbruch, deshalb habe ich mir die Situation genauer angesehen", betont der 39-Jährige, der am Mittwoch als Zeuge vor der Ersten Strafkammer des Landgerichts Weiden aussagt.

Auch am dritten Verhandlungstag schweigen die Angeklagten, zwei Männer aus Rumänien, die des gewerbs- und bandenmäßigen Einschleusens von Ausländern in fünf beziehungsweise sieben Fällen beschuldigt sind. Die Männer auf der Anklagebank erkennt der 39-jährige Zeuge nicht. Allerdings kann er sich noch gut an den 22. August vergangenen Jahres erinnern. Gegen 18.30 Uhr macht er sich von Zuhause aus mit dem Auto auf den Weg zu seinen Eltern. "Mit ist auf einer Wiese etwa 200 Meter von der Hauptstraße entfernt ein weißer Lkw aufgefallen - versteckt hinter Büschen."

Kiste mit Hab und Gut

Ein kleiner Feldweg führe zu dem Platz. "Normal kommt man da nicht hin." Als er weiterfährt, macht er eine weitere "merkwürdige" Beobachtung. Ihm kommt ein auffallend langsamer weißer Pkw mit ausländischem Kennzeichen entgegen. Der 39-Jährige will "der Sache nachgehen", wendet, fährt dem Pkw hinterher. "Er hat neben dem Lkw auf der Wiese geparkt", erinnert sich der Mann. "Ich habe mich demonstrativ in die Einfahrt gestellt, den Weg blockiert. Als der Wagen rausfahren wollte, bin ich weggefahren. Ich wollte es nicht darauf anlegen." Der Zeuge fährt zu seinen Eltern. Auf dem Heimweg kommt er wieder an der Wiese vorbei - sieht eine Gruppe von mehreren Personen "mit leichtem Gepäck". Der Lkw ist verschwunden. Einige Hundert Meter weiter sitzt ein Mann unter einem Baum, hält eine kleine Kiste in der Hand. "Da war wohl sein ganzes Hab und Gut drin." Er merkt sich eines der Kennzeichen, das Aussehen des Pkw-Fahrers und alarmiert die Polizei. Ein 41-jähriger Beamter aus Furth im Wald hat an diesem Tag Dienst.

"Wir sind sofort zu dem Platz gefahren, aber die drei Männer und die eine Frau haben uns nicht verstanden, hatten auch keine Ausweispapiere dabei." Sofort wird eine Fahndung nach dem Kastenwagen eingeleitet - erfolglos. Die Beamten nehmen Kontakt zu den tschechischen Kollegen auf, geben ihnen das Kennzeichen durch. Das Ergebnis: Der Wagen ist in Rumänien gemeldet. Auch auf Aufnahmen der tschechischen Verkehrsüberwachung taucht der Pkw auf der Autobahn in Richtung deutsche Grenze auf - vor ihm ist der weiße Klein-Lkw zu sehen. "Wir haben schnell eine Verbindung zu den Schleuserfällen in Waidhaus am 10. und 14. August hergestellt." Die Polizisten lassen Funkzellen auswerten. Dabei stoßen sie auf zwei Handynummern, die sich zu den entsprechenden Zeiten immer wieder an der Grenze, in Arnschwang und in Waidhaus einwählen - die Nummern der Angeklagten. "Zudem hat einer der Geschleusten einen der Männer auf einem Lichtbild von der Autobahn, das wir von den tschechischen Kollegen bekommen haben, als einen der Fahrer wiedererkannt. Er hat ihn als ,Zigeuner mit einer Büchse Bier' beschrieben. So soll er ausgesehen haben, als er die insgesamt acht Personen in den Lkw in Rumänien gelassen hat."

"Ich konnte gut schlafen"

Die Polizei arbeitet weiter mit den tschechischen Beamten zusammen - mit Erfolg. Am 4. September 2017 werden sie informiert, dass der Pkw und der Klein-Lkw auf der tschechischen Autobahn in Richtung Bundesrepublik unterwegs sind. Die Beamten sind bereit - und nehmen die zwei Männer fest. Wieder haben sie acht Menschen in der engen Holzkiste im doppelten Boden versteckt. Bei der anschließenden Vernehmung gestehen sie vier weitere Schleusungen.

Auch zwei der Personen, die am 22. August von Bulgarien nach Deutschland geschleust wurden, sind geladen - ein Mann und seine Nichte aus dem Irak. Der 48-Jährige verweigert seine Aussage, seine 29-jährige Nichte wirkt auf die Richter Gerhard Heindl, Markus Fillinger und Matthias Bauer "unglaubwürdig. "Ich hatte genug Platz und konnte die meiste Zeit schlafen." Als sie Heindl mit der Aussage anderer Zeugen konfrontiert, sie habe während der Fahrt geweint, geschrieben und hätte Angst gehabt, betont sie: "Nein, mein Platz war gut". An andere Details könne sie sich nicht erinnern. "So eine Tour macht man nicht jeden Tag. Das ist ein einschneidendes Erlebnis. Ich frage mich, wie glaubwürdig das alles ist", zweifelt Heindl. Der Prozess wird an diesem Donnerstag fortgesetzt.

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