26.11.2020 - 12:07 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Das Syndrom der unruhigen Beine

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Fünf bis zehn Prozent der erwachsenen Bevölkerung in den westlichen Industrieländern haben das Restless-Legs-Syndrom, das Syndrom der "Unruhigen Beine". Das erste Symptom der Krankheit ist meist ein Kribbeln. Für viele Betroffene der Beginn einer Odyssee.

Neben den Beinen, können auch die Arme, die Brustwand oder andere Körperteile betroffen sein.
von Christa VoglProfil

Peter Ilchmann ist 80 Jahre alt und leitet die Restless-Legs-Syndrom-Selbsthilfegruppe in Weiden. "Aus Dankbarkeit", so erzählt der aktive Rentner, habe er deren Leitung vor fünf Jahren übernommen.

Dankbarkeit, weil er über die Selbsthilfegruppe die wichtige Information bekam, dass für seine Beschwerden ein Neurologe der richtige Ansprechpartner sei. Dankbarkeit, weil dadurch auch eine Odyssee von Arzt zu Arzt ein Ende fand und sein Leben seitdem wieder lebenswert ist. Hier ist seine Geschichte:

"Alles fing vor ungefähr zehn Jahren mit einem leichten Kribbeln in den Beinen an. Besonders spürte ich das, wenn ich einige Zeit saß oder im Bett lag. Ich begann, schlecht zu schlafen", erzählt er. "Innerhalb von Wochen und Monaten steigerte sich das Kribbeln zu einem Ziehen, Stechen und Brennen, das sich nur besserte, wenn ich aufstand und mich bewegte." Essen gehen mit Freunden, ein Besuch in der Oper, all das wurde plötzlich zum Problem: "Während des Essens musste ich aufstehen und den Teller im Stehen leeren. In der Oper musste ich meine Sitzreihe verlassen und hinten oder draußen einige Minuten auf und abgehen, um die Schmerzen zu lindern." Mit der Zeit sei es sogar unmöglich geworden, Auto zu fahren. Seine Beine hätten während der Fahrt wie bei einem Krampf unkontrolliert zu zucken begonnen.

Kein Arzt konnte helfen

"Ich ging von einem Arzt zum anderen, keiner konnte mir helfen, keiner wusste, woran ich litt, ich war erschöpft, ich wusste nicht mehr wohin", schildert Ilchmann. Die Tortur dauerte fast zweieinhalb Jahre. "Dann wurde ich durch Zufall auf die RLS-Selbsthilfegruppe in meiner Gegend aufmerksam." Ilchmann nahm Kontakt auf. "Die Leiterin dieser Gruppe riet mir, einen Arzt aufzusuchen, der mit dem Krankheitsbild vertraut war, einen Neurologen. Ich ging hin, er untersuchte mich, er verschrieb mit das passende Medikament - und seitdem geht es mir wieder gut."

RLS ist die Abkürzung für "Restless-Legs-Syndrom", auf Deutsch: Syndrom der unruhigen Beine. Bei Peter Ilchmann begann die Krankheit, deren charakteristischen Merkmale ein ausgeprägter Bewegungsdrang und schmerzhafte Missempfindungen sind, im Alter von 70 Jahren. Aber sehr oft sind auch wesentlich jüngere Menschen von RLS betroffen, auch solche unter 50 Jahre.

Unterschiedliche Symptome

Doch warum dauerte die schmerzhafte Odyssee für Peter Ilchmann so lange? Warum erkannte niemand früher, woran er litt? "Das Problem ist, dass die Krankheit bei jedem anders verläuft", erzählt Ilchmann. "Kaum einer aus unserer Selbsthilfegruppe hat die gleichen Symptome." Dazu käme, dass die Missempfindungen und die Beschwerden von den Betroffenen sehr unterschiedlich beschrieben würden und es oft schwer nachvollziehbar sei, welches Leiden sich hinter der Beschreibung der Ratsuchenden verberge.

Brennen und Reißen

Zum Beispiel können die Beschwerden - das Ziehen, Brennen, Kribbeln, Reißen in den Beinen - einseitig, beidseitig, oder auch abwechselnd auf der einen oder anderen Seite auftreten. Und neben den Beinen, können auch die Arme, die Brustwand oder andere Körperteile betroffen sein.

Dazu komme, dass sich der Krankheitsverlauf von Mensch zu Mensch stark unterscheide und auch die verschiedenen Medikamente, die es inzwischen für RLS gibt, nicht immer bei allen Patienten gleich gut wirken würden. "Es gibt Mitglieder meiner Selbsthilfegruppe, die mit einem bestimmten Medikament sehr gut zurechtkommen, anderen hilft das gleiche Medikament überhaupt nicht. Dann erzählen manche, dass ihre Erkrankung mit der Zeit schlimmer wird, bei anderen bleibt das Krankheitsbild immer dasselbe."

Gute und schlechte Tage

Peter Ilchmann hatte Glück: Das von seinem Arzt verordnete Medikament wirkt bei ihm sehr gut. Aber natürlich auch nicht immer. "Es gibt Tage", so erzählt der rüstige 80-Jährige, an denen er zwar "alles richtig gemacht" hat: die Einnahme der Tabletten zum festgelegten Zeitpunkt, kein Alkohol, körperliche Bewegung, eine gesunde, eisenreiche Ernährung, genügend Schlaf. Und dennoch gehe es plötzlich los, das Kribbeln, das Ziehen, das Reißen. Und keiner weiß, warum.

Nach Angaben der "RLS e.V. - Deutsche Restless-Legs-Vereinigung" haben fünf bis zehn Prozent der erwachsenen Bevölkerung in den westlichen Industrieländern RLS. Allerdings sind nur bei einem Anteil von drei Prozent die Beschwerden so stark, dass sie behandlungsbedürftig sind. Es wird vermutet, dass die Krankheit auf einem Defekt bei der Übertragung von Nervensignalen beruht, auch erbliche Faktoren können dabei eine Rolle spielen. Allerdings findet sich für das Restless-Legs-Syndrom sehr oft keine Ursache.

Normales Leben möglich

Peter Ilchmann ist froh, dass die Krankheit bei ihm erkannt wurde und dass die Medikamente in seinem Fall sehr gut wirken. Er ist dankbar dafür, dass er wieder "ein normales Leben" führen kann. Dazu gehört zum Beispiel, dass er Auto fährt oder sich mit Freunden zum Essen verabredet. Und auch ein Opernbesuch ist wieder möglich.

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Service:

Hilfe für Betroffene

Die "RLS e.V. - Deutsche Restless-Legs-Vereinigung" wurde als gemeinnütziger Verein im Februar 1995 von RLS-Betroffenen gegründet. In Deutschland gibt es derzeit über 120 Selbsthilfegruppen. Hotline

Beratung durch RLS-erfahrene Ärzte mittwochs von 16 bis 18 Uhr unter Telefon 089/55028882. Internet

www.restless-legs.org Ansprechpartner in der Region

Peter Ilchmann leitet die RLS-Selbsthilfegruppe in Weiden und ist auch Ansprechpartner für die Landkreise Amberg-Sulzbach, Neustadt/WN, Schwandorf, Tirschenreuth und Cham. Fragen beantwortet er unter Telefon 0171/7716336. Treffen

Die Treffen der Selbsthilfegruppe, bei denen der Erfahrungsaustausch (Medikamente, Therapie, behandelnde Ärzte) im Mittelpunkt steht, finden zweimal pro Jahr statt - im März und November. Aufgrund der Corona-Pandemie entfällt dieses Jahr die für November geplante Veranstaltung. (cvl)

Peter Ilchmann, der die RLS-Selbsthilfegruppe in Weiden leitet, hatte Glück: Das von seinem Arzt verordnete Medikament wirkt bei ihm sehr gut.
Oft beginnt RLS mit einem Kribbeln in den Beinen. Die Betroffenen spüren das besonders, wenn sie im Bett liegen. Das führt zu Schlaflosigkeit.
Service:

Hilfe für Betroffene

Die „RLS e.V. – Deutsche Restless-Legs-Vereinigung“ wurde als gemeinnütziger Verein im Februar 1995 von RLS-Betroffenen gegründet. In Deutschland gibt es derzeit über 120 Selbsthilfegruppen.

  • Hotline: Beratung durch RLS-erfahrene Ärzte mittwochs von 16 bis 18 Uhr unter Telefon 089/55028882.
  • Internet: www.restless-legs.org
  • Ansprechpartner in der Region: Peter Ilchmann leitet die RLS-Selbsthilfegruppe in Weiden und ist auch Ansprechpartner für die Landkreise Amberg-Sulzbach, Neustadt/WN, Schwandorf, Tirschenreuth und Cham. Fragen beantwortet er unter Telefon 0171/7716336.
  • Treffen: Die Treffen der Selbsthilfegruppe, bei denen der Erfahrungsaustausch (Medikamente, Therapie, behandelnde Ärzte) im Mittelpunkt steht, finden zweimal pro Jahr statt – im März und November. Aufgrund der Corona-Pandemie entfällt dieses Jahr die für November geplante Veranstaltung. (cvl)

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