11.03.2021 - 10:20 Uhr
WiesauOberpfalz

Zen-Meditation: Das Leben und sich selbst umarmen

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Ein Weg der Selbstannahme führt über die Zen-Meditation. Was das ist und wie es funktioniert, erklärt die Zen-Lehrerin Hildegard Lauth. „Wer Zen praktiziert, muss sich nicht erst verändern, um sofort den Frieden des Loslassens spüren zu können“, sagt sie.

Die Zen Meditation hat ihren Ursprung im Buddhismus. Deshalb hat sich Hildegard Lauth in ihrem Meditationsraum einen kleinen Buddha-Altar aufgebaut. Das sei aber nicht zwingend notwendig, sagt sie. "Die Zen Meditation passt sich den Kulturen der verschiedenen Länder, in denen sie praktiziert wird an." So würden die Lehren in Amerika meist anders interpretiert als in Europa. Was ja auch bei den Religionen so sei.
von Ulla Britta BaumerProfil

Als Hildegard Lauth aus Wiesau vor 30 Jahren ihren ersten Kurs über Zen-Meditation in Würzburg bei Willigis Jäger besuchte, dachte sie nur an Veränderung. Die Anforderungen des Alltags in der Mitte des Lebens durch Beruf, Hausbau und Kindererziehung ließen ihre Sehnsucht nach einer Auszeit, nach dem Aussteigen aus dem Hamsterrad immer deutlicher werden. Eine damals noch sehr exotische Form der Meditation, die aus Japan kam und im Benediktinerkloster in Würzburg sowie im Franziskanerkloster in Dietfurt gelehrt wurde, schien die Wünsche der Wiesauerin zu erfüllen.

Nach einer gewissen Zeit des Suchens landete sie bei ihrer Lehrerin Corinne Frottier in Hamburg bei der Zen Sangha GenjoAn (www.genjoan.net). „Dort wird eine Form des japanischen Soto-Zen gelehrt, die weniger die korrekte äußere Form favorisiert, sondern an der inneren Herzensbildung arbeitet“, erklärt Hildegard Lauth.

Schweigend sitzen

Was den technischen Ablauf einer Meditationszeit ausmacht, ist schnell erklärt: Es wird zweimal 25 Minuten auf einem Kissen auf dem Boden, auf einem Hocker oder Stuhl – je nach körperlicher Verfassung – im Schweigen gesessen. Dazwischen wird eine kurze Gehmeditation (Kinhin) praktiziert. Hildegard Lauth schlägt Interessierten dazu Einführungskurse und Vorträge vor, wo Anleitungen und Anregungen für die innere Übung erläutert werden, wie das Zählen des Atems, Geräusche wahrnehmen oder dem Atem folgen. „Später kann man auch mit scheinbar rätselhaften Sätzen, den Koan, arbeiten“, sagt die Fachfrau der Zen-Meditation.

Als ein Beispiel von Koan nennt sie folgenden Satz: „Bring mir den Klang der einen Hand.“ Dies beziehe sich auf das Klatschen mit beiden Händen. Über die Übung auf dem Kissen und die Erfahrungen dabei könne auch in Einzelgesprächen (Daisan/Dokusan) danach diskutiert werden. „Oft zeigen sich überraschende Erkenntnisse, die im Gespräch mit jemandem, der diesen Weg schon länger geht, erst eingeordnet und verstanden werden können“, sagt Hildegard Lauth.

Hamsterrad

Im Laufe der Jahre bei ihrer Mediation auf dem Kissen wurde ihr immer klarer, dass auch die spirituelle Suche zu einem gewissen Perfektionsstreben missbraucht werden kann. Und dass dann genau diese anfänglich ursprüngliche Sehnsucht nach einem einfachen Leben in friedvoller Selbstannahme nicht gestillt werden könne. „Weil wir auch hier immer mehr, immer höher, immer weiter wollen.“ Das „Hamsterrad“ kann sich also nach ihren Erfahrungen auch beim Meditieren drehen.

„Wenn wir uns anstrengen, einem Idealbild von uns selbst zu entsprechen und vor anderen nur erfolgreich, souverän und attraktiv erscheinen wollen, verlangen wir von uns selbst, alles unter Verschluss zu halten, was unserem Streben nach einem perfekten Erscheinungsbild schaden könnte“, erklärt Lauth den Sinn der wahrhaftigen Übungen und erklärt, warum das mitunter sehr wertvoll ist für Körper, Geist und Seele. „Zen erlaubt, in Kontakt mit uns selbst zu treten, ohne eine Hochglanz-Schablone darüber zu legen, die alles weniger Glanzvolle verurteilt und verbirgt.“

Augenblick im Mittelpunkt

Jeder, rät Hildegard Lauth, könne mit Zen die entlastende und heilende Wirkung einer Meditationsform erleben, die den Augenblick im Hier und Jetzt zum Mittelpunkt mache. „Immer geht es um ganz präsent sein, so wie ich gerade bin.“ Das Schöne daran: Wer Zen praktiziere, müsse sich nicht erst verändern, um sofort den Frieden des Loslassens spüren zu können.

„Eigentlich hat mich der Ton des großen Gongs in der Eingangshalle in Würzburg zum Zen gebracht“, kehrt Hildegard Lauth noch einmal zu den Anfängen zurück. Nach 30 Jahren noch lässt sie sich von den verschiedenen Klängen, mit denen die Meditationszeiten geregelt werden, in die sogenannte Achtsamkeit bringen.

Als Beispiel nennt sie das Zusammenschlagen zweier Hölzer zum jeweiligen Beginn der Gehmeditation. Damit sei sofort die ganze Aufmerksamkeit bei diesem Ton. Es müsse nichts mehr gesprochen werden, da jeder Meditierende wisse, was bei diesem oder anderen akustischen Signalen zu tun sei.

Corona fordert selbst in der schweigsamen Zen-Meditation ihren Tribut: Momentan werden die Meditationen und Sesshin (mehrere Tage der Übung) von GenjoAn Sangha online über Zoom angeboten, erklärt Hildegard Lauth. Was aber auch Vorteile bringe. Denn nun haben auch Teilnehmer aus ganz Europa leichten Zugang. Hilde Lauths Mitstreiter beim Meditieren wohnen auch in Frankreich, den Niederlande, Belgien und Brasilien.

Ganz bei sich zu sein und die Gedanken und Gefühle, die bei der Meditation auftauchen zwar wahrzunehmen, aber sich nicht davon forttragen zu lassen, sei die hohe Kunst des Zazen, erklärt Lauth weiter. So werde die Sitzmeditation im Japanischen genannt.

Inzwischen lehrt Hildegard Lauth selbst diese Form der Meditation. Sie hat sich für das „lila Rakusu“ qualifiziert und ist damit autorisiert, zu lehren sowie Einzelgespräche (Dokusan/Daisan) und Vorträge (Teisho) zu geben. Regelmäßig finden in ihrem „Zendo“ (Übungsraum) in Wiesau Einführungen und Zazenkai (Tage der intensiven Zen-Meditation) statt – wenn die Corona-Situation es wieder zulässt.

Weitere Informationen auf www.Psychotherapie-Zen-Oberpfalz.de und unter Telefon 09634/91201.

Hildegard Lauth bei den "Grenzlandschreibern"

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Hildegard Lauth meditiert jede Woche in ihrem Übungsraum mehrmals, und das seit 30 Jahren.
Hintergrund:

Zur Person: Hildegard Lauth

  • Hildegard Lauth ist 63 Jahre alt, hat zwei Kinder und zwei Enkelkinder und wohnt in Wiesau.
  • Seit 30 Jahren praktiziert sie die Zen-Meditation bei sich daheim in Wiesau und in Workshops im In- und Ausland, unter anderem weiterhin bei ihrer Lehrerin Corinne Frottier aus Hamburg.
  • Teilweise wird in diesen Seminaren in der Gruppe mehrere Tage hintereinander beim gemeinsamen Alltag geschwiegen.
  • Hildegard Lauth ist außerdem Künstlerin und gehört als Autorin von Gedichten, kleinen Texten, Geschichten und Lyrik der schreibenden Zunft an.

 

 

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