25.07.2019 - 08:59 Uhr
Witzlhof bei PoppenrichtOberpfalz

Deutschland-Rundfahrt als Tour de Müll

39 Tage, 3296 Kilometer: Karlheinz Weigl aus Witzlhof ist mit seinem Fahrrad quer durch Deutschland gefahren. Er hat viele schöne Eindrücke mitgebracht, aber auch ein Problem entdeckt, das in allen Bundesländern gleich ist.

von Uli Piehler Kontakt Profil

Seit ein paar Tagen ist Karlheinz Weigl (66) wieder zu Hause. Am 9. Juni war er mit seinem Fahrrad in Witzlhof aufgebrochen, um alle deutschen Bundesländer und deren Regierungssitze zu besuchen. Nach 39 Tagen kehrte er nach Hause zurück - mit unvergesslichen Erlebnissen, neuen Bekanntschaften, etlichen blauen Flecken und Schürfwunden, aber auch mit einer ganzen Reihe von Bildern, die er von sorglos weggeworfenem Müll gemacht.

Karlheinz Weigl on Tour - In 39 Tagen durch Deutschland

Sulzbach-Rosenberg

"Ich kann Ihnen sagen, es ist wirklich schlimm. Es gab kaum einen Übernachtungsplatz, an dem nicht schon mal einer vor mir war und seinen Müll liegengelassen hat", berichtet Weigl. Der Witzlhofer hatte sein Zwei-Mann-Zelt im Gepäck, suchte sich jeden Tag spontan einen geeigneten Schlafplatz, mal an einem Flussufer, mal in einem Waldstück. "Ich habe den Unrat jedes Mal zusammengetragen und in Müllbehältern entsorgt. Wenn das nicht möglich war, fuhr ich mitsamt dem Müll weiter, in der Hoffnung, dass sich jemand erbarmt und mir das Zeug abnimmt."

Weigl erlebte bei seiner 3296 Kilometer langen Fahrt entlang belebter Radwege, aber auch in einsamen Streckenabschnitten immer das selbe: "Egal, wo man hinkommt, es liegt Müll dort, die Straßenränder und Gräben verkommen zu Müllkippen." Früher sei der Abfall noch von Straßendienstpersonal eingesammelt worden. Heute sei es häufig so, dass die große Mähmaschine kommt und alles kurz und klein häckselt. "Und das Jahr für Jahr. Fatal ist das bei Plastikmüll, denn mit dem Zerkleinern wird dem Zerfall in Mikro- und Nanoplastikteilchen noch Vorschub geleistet."

Besonders schlimm ist es Weigls Erfahrungen nach in den Städten. "Ich frage mich, was das für Menschen sind, die ihren Müll einfach in der Landschaft entsorgen. Ist es Faulheit, Dummheit, Gleichgültigkeit, Charakter- und Skrupellosigkeit oder alles zusammen?" Der 66-Jährige kann sich diese Mentalität nicht erklären. Weigl findet, dass unbedingt gegengesteuert werden muss, bereits in Kindergarten und Schule. "Es müsste ein Ruck durch die Gesellschaft gehen." Nicht nur das Klima sei gefährdet, sondern auch das unmittelbare Ökosystem durch die zunehmende Vermüllung.

Noch etwas hat der Deutschland-Radler bei seiner Tour durch die Lande festgestellt: "Mir ist bei meiner Fahrt durch die verschiedensten Regionen aufgefallen, dass die Kinder und Jugendlichen den heimischen Dialekt nicht mehr sprechen. Ich hörte nur noch Hochdeutsch. Diesen Verlust an sprachlicher Vielfalt, an sprachlicher Farbigkeit finde ich sehr bedauernswert." Es werde nicht mehr lange dauern, dann gebe es deutschlandweit nur noch ein "Einheitsbreideutsch".

2017 fuhr Weigl mit dem Fahrrad von Schleswig-Holstein bis zur Zugspitze

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